Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1856)
- Date
- 1856-06-02
- Page
- Seite 313 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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313 worden. Bei meinem - Abgänge ans der AnstaltDeptember 1855) warm 76 Zöglinge in derselben anwesend'; darunterwaren-35 Freischüler, 35 Pensionckre und wenn icho nicht irre, 5? oder 6Halbpenfionaire. DieZulnffung der Letzterndie für ein ermäßigtes Pensivnsgeld anf^ Für- Mache des Directors aufgonommen werden- Hat sich recht bewährt. Es find dieses -meistens-Knaben^ aW> dew--mittlern Lebenskreisen, bie^ einfachen und; unverdorbenen Gemüthes, -sich die vielfachen Bildüngsmittel -der Anstalt recht ordentlich zu Nutze machen. Es ist Schade, daß ihre Anzahl. so beschränkt ist. Ichbin der Memung,daß?Knabenu aus dieser Sphäre sich der Lebensweise in der Anstalt am. leichtesten anschließen und nach Maßgabe ihrer Kräfte am tüchtigsten fortschreiten.Die Penfionaire hingegen, und zumalsolche; die aus größer» Städten dorthin kommen,-bringen meistens zu große Ansprüche in Bezug auf dir Art' und Weife ihrer äußern Ernährung uNd Beköstigung mit herüber. Es wird ihnenschwer- -sich an die einfachegesunde, hinreichende Nahrung, wie sie das Institut verabreicht, zu -gewöhnen,- undsiewerdennicht selten-in-Klagen laut— die an und für sich grundlos — eine..häufige Verstimmung bei ihnen--erzeugen. - Werden nun diese Klagen, wie das dann und wann geschehen ist, von Seiten der Eltern unterstützt — die gar gern geneigt find, den Maßstab der Küche an die Beurtheilung des Institutes zu Legen,? so wird vollends dem Unaöen' der Anftnthalt in' der Anstalt verleidet. Ich'Habe' Mich häufig' über die ltn'anstgndigkeiL und Taktlosigkeit, mit welcherEltern nach -dieser Seite hin verfahren, auf das Höchste gewundert.. Sie betrachten die Anstalt als eine Restauration und den Lehrer als den Restauranten derselben. Die Zahl der Freizöglinge ist seit Wohlwill's Tode um ein Drittel vermehrt worden. Man giebt bei der Ausnahme derselben gewöhnlich denen den Vorzug, die unbemittelt und dürftig von Haus aus in kleinern Ortschaften und Städten, leben, denen die nothwendigsten Bildüngsmittel fehlen. Zch finde diese Maßregel gerecht und billig,, da die armen Knaben aus -größeren Städten von ihren respectiven Gemeinden unterhalten werden können. Außerdem wird die Anstalt von ungefähr 60 bis 70 Knaben verschiedener Confession besucht, die, theils Söhne der Bewohner Seesens, theils aus der dortigen Umgegend, für ein mäßiges Schulgeld den nöthigen Unterrichtempfangen. . -- -Die Schule selbst bietet den Lehrcursus eines Realgymnäsiittns dar.Säe hat vier Claffensiü deiten zehn Lehrür 'die verschiedenes Lechionen ertheilen. Die Pensa finddermaßen festgesetzt, daß die untere; Eie Classe dib LehrgMnstände enthält, die für'' den - - später wÄdeNdeü Handwerker' Msteichen; die dritte' Classe uMfaßt die Letzt-» öbjectefür de'N hötzern- Handwerkerstand '- die -zweite und erste Classe bildetden-nachmaligen Kaufmanns Für diejenigen , - die sich -- den höhern- Stüdieü ergeben, isteine besondere Humanistische Äbtheilung eingerichtet. - Die Anstalt bringtdiese Knaben bis zum Uebergange in dijf SecUüdu eines Obergymnäfiums Um jedem Mißverständnisse vörzübeügeA, bemerke ichdaß > matt' diese- Claffenziele, wie ich solche-angegeben, - nicht -abstrakt auffüffm Möge?- Das-'Endziel'aller Bildung die fteie nndcharmonische Entwickelungaller Geisteskräfte wird nach Kräften gefördert Und üngestrebk. ' :? - u - •- Das sonstige Leben der Anstalt ist nach.strengen',- festen Gesetzen geordnet,- die durchaus den Forderungen der Humanität entsprechend sind. Man wirkt auf die sittliche Bildung der Kttabett dadurch ein? daß man häufig Gelegenheit nimmt, ihr Verhalten einer HaMcenfür zuunterwerfen. - Dieser Act geschieht von dem Direktor. öffentlich in Gegenwart aller-Schüler und hat-' zur Folge; daß mckM diebessern vonden ^minder bessern auf einige Zeit trennt-UNdabsondert. Körperliche Strafen werden nm ausnahmsweise' üngewendet, vor Allemdann, wennandere Strafmittel - nicht ausreichen, der -Verstocktheit: .und Widersetzlichkeit des Knaben entgegenzutreten. -Der Schulfleiß' Unterliegt nicht minder wie das - sittliche! Verhalten einet häufigen Controller Die mit der Inspektion beauftragten Lehrer find angewiesen, die Arbeiten der Knaben zu überwachen. Die Faulen und Lässigen weiß man dadurch anzuspornen, daß man sie so lange vom Spielplätze entfernt, bis sie ihre Aufgaben zur Zufriedenheit der Lehrer angeftrtigt haben. Diese Strafe wirkt häufig überraschend; denn' in das Spiel des Knaben eingreifen, heißt seinen zartesten Lebensnerv berühren. Die-zur Erholungfestgesetzten Freistunden werden theils zu häufigen Spaziergängen in die anmuthige Gebirgsgegend, theils zu freien Spielen auf dem geräumigen Schulplatze verwendet: Man darf nur einen Blick aus den Schulplatz werfen, um zu der Ueberzeugung zu gelangendaß es den sich dort tummelnden Knaben in allen Stücken wohl und nach Wunsche ergeht - Die gemischten Elemente endlich, die die Anstalt ohne Rücksichtauf Rang, Vermögen und Glauben aufnimmt, -dienen dazu/ den Sinn der Eintracht, der Toleranz und der' WaPhafkN Humanität - zu nähren. Dieses 'aus so vielen Bestandtheiken zusammengesetzte sugendlicheMmeinwefen' tm'rd dmr /spätern bürgerlichen Le-