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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-14 · Heft 3 (14.1.1856) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 3 (14.1.1856)
Date
1856-01-14
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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meinde oder ein Gemeindchen vergessen hätten, das sich auch schon stn Gebetbuch/gemachthat. Da sitzt sich jeder^ einzelne Rabbiner einzelnhin, nickmt fünf oder -sechs schon "gedruckte Gebetbücher Hlld-Hand/cknd-macht' darauf ein siebentes, indem er bald aus diesem, bald aus jenem ein Stückchen nimmt, Einiges von sich dazwischenknetet/ - und nun ist ,/das Frfleli,tische Gesangbuch" fertig uyd der „neue Rims"?/geboren. - - ,ü> Unsere Zeit nimmt den Mund sehr voll mit „Wissenschaft, Kritik, Geschichte." Ist dies Verfahren geschichtlich? ist es wissenschaftlich? 'ist'es kritisch? 1 Hat jemals eine Religion, eine Kirche, eine Secte bestanden, in welcher, berufen oder unberufen, jeder Dorspastor ein Gebet-, hM. geM.cht und einen .Ritus fabricirt hat? worin alle Gemeinsamkeit so geschwunden, so verhöhnt, so mit Füsien getreten ward, daß — genau genommen — jeder Jude nfd^t,:Hp$ sondern, auch sein eigenes Gebetbuch haben will? Ist ^es -Geschichte, ist es Wissenschaft, daß jeder einzelne Rabbiner An^firtiM uGMtbsichlin Me' Welt-fjiebt/^-öder-sind Me vdthWdeÜeN Gebetbücher^ gach -anders, nämlich -als -ein AuSstüß^der Gefamcktheii/ vdereiner-' ganzen- Fractiön einer' Gescimmtheitu'ÄT das PLödüc't-und nuSdem-Zusatn- Äiii^viÜkeü''-Meters ÄeschÜchsiv' Entstanden?.- - ' ^^-' JedO Ding hat seine Schattenseiten/ -Diese nicht minder M- Helle, -lichte' Glieder -Ms- Gänzen äuszugeben, heißt Parteilichkeit' ick 'A-gdntlichdN 'Sinne. Di es eck Parteilich- M'habin -ML ün-s 'M'-stchülMg-' stemdcht.-'/' Das- -JuVN^ thum-,-sein '-Bestands seist WächsLhum/siineBlüthe' — dies-'sieht' uns- -Äeit 'Wer- MeV -Partei und: aller Richtung. Wist sprechen Mmnach-auch! aufldiesim'Gebiete uNumwun- ' den unsre" Meinung aus: Wir' müssen die Gemeinsackkeit - im Judenthum starken/ aber 'nicht'!schwächen/-Wist^müs- , sin neue^BäNdeder/Vereinigung knüpfest-''tlb'est nicht die! noch vorhandenen^-zerschneiden.' Wir müssen -den Proceß der Zersetzung,' derbeirN Atidräng 'des materiellenLebens / und-^dest religionsivrdrigin Ansichten' schon so furchtbare > Fortschritte macht/ micht noch - nähren'. - Für-uns war l der! Gedanke der- -lebendigen Gemeinschaft - immer der höchste-/ -best wichtigste/vor dem' jede^ andre Rücksicht, je- / des andre Bedürfniß schweigen muß. Ans-diesem Ge- / dÄnken^ist-die „Allg. Zeit, d: Jud." - entstanden, und mit / ihr distMnze-jüdische Presse-iU'Ällen'Lchiderm ' -Aus diesem-'riefen'Wist^zm Gründung -einerjüdisch^-cheolögischen \ FNiülM' allst- 'Ausdiesem zu einem- Hospital in Jeru- : MM.'-Aüs 'dsisem! zur Rabbinerversammlung. Aus disi festst zür'Beibehaltung der hebräischen Sprache 'im Got^ - tesdienste. Aus diesem zur Gründung des Instituts zur Förderung derMaelitisi^en Literatur^ Aus^dsiftnststveckten wir das Interesse bald fsistdenÄrient, ßrltzssur Spanien/'-ÄiU diesem su^eiA tM^e^^geMiHsastr^ÄßiM sei es für ein Land, sei^ nur für eine Provinz, zu unterstützen. Und so wird es Jedermann erklärlich finden, daß uns nichts mehr, zuwider ist, -als dies gespreizte Verlängest/ jeM kleinen-Gemeinde ' einem >Mitus^ zu machen und nach sich zu benennen, und dies anmaßende Unterfangen jedes einzelnen Rabbinen, ein eigenes Gebetbuch zu schmieden. " Wie? konnte'sich die Braunschweiger Gemeinde durchaus keiner schon bestehenden Gebetordnung -anschließen?,warum nicht dem Hamburger Tempelgottesdienst? warum sind die Gebetbuchsüchtigen Rabbiner nicht .wenigstens zusammengegangen, um einen „Ritus" zu machen? warum lassen'die Gemeinden, welche einen umgestalteten Gottesdienst,, haben wollen,;. ihre Rabbinen/nicht zusammentreten, um ein gemeinsames Werk zu vollbringen? Oder sollten diese Gemeinden gar keine Stimme dabei haben, sondern, ihre-Rabbinen machen lassen, was sie wollen-? Dann wäre das neue Gebetbuch - sicherlich kein 'wahres Bedürfniß! .. Unb welches ist die Wirkung st wsid/der Mo'ttesvsinst^ .wirklich dädilrch^ belebt? wird das religiöse ' Äestürfniß'dadurch' Aewecht.'.Md genährt?. ^Die Erfahrung, -lehrt - das Gegentheil. .Mp-zjn -unsrer--Zeit,- wo -die-Strömung der Bevölkerung, eine so' schnellflüssige ist/ wo heute in Mannheim, - tzer/gestern in Lissa, wo morgen in Wien, der übermorgen 'iE Lemberg — wenn da erst jeder einzelne Ort seinen eigenen Ritus hat, .wo Meibt/da „die-Metsämcklung der Gemeinde"?... Mein Gott, hat es denn solche Eile, solche Hast mit dem ^neuen Ritus", -daß. man die Entwickelung gar-nicht abwarten kann? ... Nein! wir 'müssen warnen und warnen' vor dieser Zersplitterung, -vor.diesem Hinaussitzen des, Einzelnen über'-die Gemeinschaft, vor diesem.Verkennen-,desj-eigentlichen Wesens des /öffentlichen -Gottesdienstes"! j. ./Was ist am Ende eine ^Gemeinde-anders - als ein. bly.ßB/Jn-- dividuum in dem großen. Kreise der ganzen MeWoyKgenoffenfchaft, undes wird damitnur das rHeraustretefl des- /Individuums , aus / der Genossenschaft hegalistxt,;. - .es wird .damit der religiöse Leichtsinn/ .autorifixt.: .! Wenn/jetzt ein- Iude -nach, B er li n - zieht. < rr~-■ wir .sprechen von, einmr Fäetum /so.: ist. eine - der ersten Fragenwelcher Gemeinde - willst--Du .Dich,-anschließend: D.ex orthodoxen, oder/der Sachs'schen, - oder, der?Reformgemeinde? üÜt zweifeln nicht, daß nächstens dort.noch -ein-halb: Dutzend

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