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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-01 · Heft 1 (1.1.1856) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 1 (1.1.1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Iudenthum und die Espntpöriode der ' deutschen LitctäE Die W i g a n d' fchen7„Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst" enthalten im 2ten Heft des 3ten Jahres (1855) eine sehr schäherMerthe Abhandlung über ‘ „die Esprit- Periode der deütschen Literatur". . Nach ders.g.Stürin- und DtaNgpenode vor Schiller und Gothe, der eigentlichen Gemeperiode mit diesen, welche in jene klassische Periode aüsläust, auf deren Höhe «Hölderlin steht, und die' in die romantische Schule umschlug, war es die Ehpritperiode, die Deutschland aus den Fesseln der letztern erlöste, welche' allein im Austausch und Zusammenfluß zweier Volksstamme möglich'war, wie die deutsche und israelitische, und gegen welche die jetzt in Gunst stehende radomontirende pietistische Richtung (Redwitz) dem Verf. nur ein ungeschickter Reactionsversuch scheint. Er sagt: „Die Juden, .die. keine Nation mehr find, und die Deutschen, die noch keine gewesen, mußten im Zusammenünd Jneinanderaufgehen, wie es der moderne Zeitgeist endlich erheischte und notwendig machte, einen Zustand und eine Gestaltung der Dinge erzeugen, wie sie' in der zu besprechenden Epoche' vorhanden. Nur 'daraus, daß die eilste Literaturgeschichte in' Deutschland immer so geschrieben wird, wie schön zehn vordem geschrieben worden sind,'läßt es sich erklären, daß dies Verhältniß und der Einstüß der Juden auf die Literatur in neüerer Zeit nicht aüfgefaßt und' constatirt sind." — „Dieser Esprit erschien zuerst und am glänzendsten in jener Ra H el,' welche durch die Veröffentlichung ihrer Briefes ihres Umgangs und ihrer Aussprüche zur epochemachendsten Erscheinung in Unserer modernen Literatur sich gestaltet hat."' Sie war es^ welche durch ihre Lausend Schlagwörter, wie prophetische Sentenzen, Pointen, Einfälle „eine zündende Kraft übte, und mit dieser Kraft gewissermaßen den Esprit ihres Volkes, des jüdischen, für die deutsche Literatur ereirte, und ihn dieser als eine Impfe gegen die Dumpfheit des Lebens und die Fäulniß des Staates mitgab." „Dieser Esprit war es, der, als das deutsche Volk'und die deutsche Poesie in Gefahr waren, in dem Römanticismüs zu verrotten und sich im sentimentalen Spuke mittelalterlicher Fictionen zu verlieren, sehr glücklich und zur rechten Stünde erschien', um mit seinem kaustischen Witze, seinem weltschmerzlichen Humor und feister währhaft superioren Ironie sie aus dieser' romantischen Verkümmerung zu erlösen. Wir würden ein großes Unrecht begehen, wenn wir diese Erlösung nicht anerkennen und die Wichtigkeit;..- desMementes läugnen wollten, durch das sie zumeist und fast ausschließlich, zu Wege.gebracht wurde" — obgleich der Derftr.auch, nicht dje^Mißstande verschweigt, welche sich in seinem- Gefolge , befanden. yrn Rahel selbst hatte bereits^ in Vö.rne und Heine die eigentlichen 'Ritter ihrer Taftlru,nde .erkannt und ihnen die Marschällstäbe. des Esprits iw die 'Hände gedrückt. Der Verf. geht 'daher'.'in.eine..'sehr'..unparteiische, ausführliche Charakterisirun'g dieser Bttden ein, hinsichtlich derer aber wir- 'auf den Aufsatz selbst' verweisen; an diese schließt sich G örres an, „in welchem sich der Esprit in aller Schönheit und in aller Verzerrung zeigt", Friedrich Wilhem der Vierte, „dieser witzige, geistvoll^ und als, Mensch, wahrhaft liebenswürdige König,, der so recht eigentlich,der ,Monarch des.Esprits ist, , der mit Einfällen gouvernirt. Die Neue Preußische Zeitung (vul^.0 Kreuzzeitung) ist in der gleichen Weise Publicistik des Esprits, die Publicistik,'die ihren Ursprung nicht verläugnen kann, auch wenn sie mit dem specifisch'en Christenthum im Verein oder um die Wette an Wunder glaubt, oder gar welche khut, und indem sie einen neuen Kreüzzug predigt, den finstern Haß gegen, die Juden.wieder anfeuert und mit einem fanatischen Nachdrucke in der Politik, sowohl, wie in der Literatur die lächerlichsten Anklagen gegen sie erhebt." .Der. Verf. läßt sich an dieser Stelle, über das All-, gemeine aus, und heben, wir diese Stellen ganz heraus : „Das Judenthum hat von je.große Illustrationen und bedeutende Capacitäten aufzuweisen gehabt, Illustrationen und Capacitäten, die von Spinoza bis aufMeherbeer einen sehr wesentlichen Einfluß auf das Germanenthum ausgeübt haben.. Außerdem besitzt der Nationalcharakter dieses Volkes überhaupt so viel schätzbare, durchgreifende und brillante Eigenschaften , daß/mit der mehr und mehr beginnenden, Verschmelzung dieses Volkes mit dem deutschen , große, und entschiedene Einwirkungen auf das letztere nicht ausbleiben.konnten.. Sie/konnten schon darum nicht ausbleiben, weil. unsere Nation zu wenig specifisch national ist, um etwa, wie England, die Juden ganz von ihrer Nationalität: auszuschließen, oder, wie Frankreich, sie zu zwingen, ganz darin aufzugehen. Deutschland war als Nation nicht compact und bewältigend genug, die Juden in seitte Nationalität aüfgehen zu machen, und zu humanistisch und weichherzig, sie ganz von dieser Nationalität zurückzuweisen. — Diese Unentschiedenheit und Schwebe, . inwelcherdie. Juden in- Deutschland gehalten wurden, und welche zur Folge hatte--- daß sich bei.

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