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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-12-18 · Heft 51 (18.12.1854) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 51 (18.12.1854)
Date
1854-12-18
Page
Seite 644 (sequence 6)
Language
German
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614 den Hauskrhandel überhaupt sprach, der in Frankreich überall, wo Menschen passiren, auf Boulevards, Brücken, Kreuzwegen seine wandernde Bude aufschlägt, seinen Tisch aufstellt, oft nur ein Tuch ausbreitet, auf das er seine Waare legt, und mit der Rhetorik eines Bcrryer anpreift, nannte ihn 1e levier de rinduslrie. Hunderttausendc, sagte er mir, von Hüten, welche weggeworfen werden würden, alte Kleider, welche in den Korb des Lumpensammlers wandern müßten, werden von diesen Leuten zusammengetragen. Die Hutmacher, die Kleiderhändler fischen diese alten Hüte auf, zerschneiden die alten Kleider und bringen die Theile zu neuen Zusammensetzungen, welche dann dem. Arbeiter, der am Feiertage seine Blouse ablegt, ein billiges, anständiges Kleid geben, ja. unseren Exporteuren Maaren zur Ausfuhr liefern. Ein solcher Hut wird um 5 — 6 Sous gekauft, betragen die Unkosten zu seiner Auffrischung auch l*/2 Franken, so kann man ihn dann mit 4 Franken, also 50 pCt. Gewinn verkaufen. Man will jetzig in England und Frankreich politische Oekonomie als Gegenstand des Unterrichtes in den Schulen einführen; in Deutschland sollte ein Gesetz die Minister verpflichten, ein Diplom über einen Cursus aus der Volkswirthschaft aufzuweisen, ehe sie ernannt werden können. Zeitungsnachrichten. Palästina. Gaben für die Armen in Jerusalem. Durch Herrn Lehrer Berliner in Obersitzko auS der dortigen Kaffe 4 Thlr. Durch Herrn Vorsteher Tietz in Driesen H) Thlr. Durch Herrn H. Meysel auS Land es Hut in Schlesien als Gaben, die am VersöhnungStag gesammelt wurden, 6^/2 Thlr., und auS einem von Frau Nosel Naumann gegründeten und geleiteten Verein für Wittwen und Waisen in Jerusalem mit der besondern Bestimmung sür diese 10 Thlr. 25 Sgr. Durch Herrn Rabbiner Leubusch in Meseritz 27 Thlr. mit besonderer Bestimmung über die Verwendung. (Neuere Briefe aus Jerusalem in der nächsten Nummer.) Die Redaction. Oesterrerchischer Kaiserstaat. Wien, 8. December. (Privatmitth.) Ich erlaube mir, Ihnen beiliegendes Schreiben mitzutheilen: „Es gereicht mir zum Vergnügen- Ew. Wohlgeboren in Kenntniß setzen zu können, daß Se. k. k. apostolische Majestät die von Ihnen überreichte literarische Eingabe „Jahrbuch für Israeliten" der ^.Annahme zu würdigen, und mich zu beauftragen geruhet haben, Ew. Wohlgebvren die hier zuliegende goldene Medaille zu übergeben. Mit dieser Eröffnung verbinde ich meinerseits die Versicherung der vollkommensten Achtung. Wien, 26. November 1854. Gf. Lanckorinski m. p. An Herrn Jos. Wertheimer, Vertreter der isr. Cultusgemeinde, Wohlgeboren." ES ist interessant, daß gerade eine Arbeit auf jüdischem Gebiete, welche auf das Volk berechnet ist, zuerst zur Anerkennung gelangt ist. Der Major Brisker, der einzige jüdische Major, ist pensionirt worden, und zwar wegen seines vorgerückten Alters. ES ist dies eine Charge, die der Herr Major bereits vor 1848 bekleidet hat. Hoffen wir, daß Neuöfterreich nicht zurückstehen werde. Wie ich so eben höre, soll Herr Dr. Hirsch, Regimentsarzt, ebenfalls Jsraelite, zum Frühlinge Stabsarzt werden. Derselbe hat Se. Ercellenz den Feldmarschall Radetzki bei dem letzten Choleraanfalle behandelt und stand ununterbrochen zwei Nächte und einen Tag an dem Bette des Kranken. Der Feldmarschall hat Herrn Dr. Hirsch dem Militair als seinen Lebensretter vorgestellt. Bei der hiesigen Gemeinde sollte die Stelle eines CassirerS besetzt werden. Wie eS sich von selbst versteht, fehlte es nicht an Bewerbern, und zwar ehrenhaften, der Vorstand aber hat einstimmig beschlossen, dieselbe dem Herrn Simon Spitzer zu verleihen. ES soll das eine kleine Entschädigung für Herrn Spitzer sein; und allerdings ist es an dem Vorstande besonders anzuerkennen, daß eigene persönliche Rücksichten ganz aus dem Spiele bleiben. Der israelitische Religionslehrer in New-Jork, Herr Brandeis, hat sich hiehergewendet, um das Pro-' gramm der hiesigen Religionsschule zu erhalten. Hoffen wir, daß daS, was hier in letzter Zeit auf diesem Gebiete geschehen ist, sich noch erweitere, daß daS Hebräische in größerem Maße betrieben werden wird, wozu bis jetzt materiell die Zeit fehlt. Wie Herr Brandeis schreibt, befinden sich in New-Jork über 20,000 Juden.

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