Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1854)
- Date
- 1854-12-04
- Page
- Seite 612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225927--14255-3243751- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
612 entjudaisiren, bemächtigen mußte, welches drohte, nur.mit dem Ende dos/ ganzen ^üdfschezr..W^se^sxFeDkdigt zu werden. Nun traf dies mÜ einer Periode zusammen, ipMaVh^die^christkich^ ÄLelf' ihrekscits^voit chech Streben, alles Nationale, ja alles Individuelle zu beseitigen, ergriffen war, wo man von einem Kosmopolinsmus träumte, der.nicht nur in der Einheit des Menschenrechts und in der Allgemeinheit des Friedens und der Liebe, sondern auch in gleichen Fracks und Pantalons bestehe, wo jede Freiheit des Individuellen verloren ging vor der unbeschränkten Herrschaft des Homogenen. Man mußte da die Forderung besonders au die Juden stellen, sich aufzugeben; in Frankreich und dessen Pertinenzien stellte man sie, weil Alles lächerlich sei, was der Mode widerspricht, in Deutschland, weil da Alles verhöhnt wird, was nicht „deutsch" ist, trotzdem das Meiste in Deutschland nicht deutsch ist, in Ungarn, weil da Alles gehaßt ward, was nicht ungarisch — nur in England behielt das Individuelle noch sein Recht und seine Achtung. Endlich erwachte man. Man begriff, daß dieses Streben, aus löblichen Quellen entsprungen, zur Selb staust ö- . jung führen mußte. Man begann zu ahnen, daß dieser Vernichtungskrieg gegen das Jüdische einer Selbstentman- ' nung gleich komme, die uns noch verächtlicher machte, als wir je wegen früherer Geschmacklosigkeit und Unbildung gewesen, daß dieser Vernichtungskrieg gegen das Jüdische übergehe in einen Vernichtungskrieg gegen das Judenthum, das, seines geschichtlichen Bodens und Geistes beraubt, seiner concreten Erscheinung ganz und gar verlustig, in ein Paar Allgemeinphrasen sich verflüchtige, die dem allgemeinen Angriff Und Andrang nicht widerstehen werden. Mit dem Augenblicke, wo der Jude zur Selbftvertheidigung schritt, wo Zeitschriften entstanden, welche den Namen „der Jude," „allgemeine Zeitung des JudenthumS" führten, und sich nicht scheuten, einen Kreis jüdischen Interesses selbstständig zu schaffen, wo Schriften erschienen, die „Charakter des Judenthnms" und dergleichen betitelt waren, mit dem Augenblicke, wo man daran ging, jüdische Bräuche und Ceremonien geschmackvoll und genießbar zu machen, wo man so weit gelangte, das Verlorengehen vieler Momente des jüdischen Lebens als einen Verlust zu bekennen und als solchen zu betrauern — da war der Wendepunkt gekommen. Aber mit diesem Wendepunkte kam auch eine neue Frage herein. „Du sollst Dich nicht ganz entjudaisiren! " Du kannst als Jude des jüdischen Lebens nicht ganz entbehren. Auch brauchst Du es nicht, denn es steht mit Bildung und Wissenschaft nicht im Gegensatz. Auch sollst Du (z$ nicht^Zßdenn es, enthälz viel^ schmückende und erhebende, viH I)ich erziehende Anh! erkräftigenVe Momente. Wer ntrm wie westE ist ddr DürchschüittchgunW Wohin sollen wir streben, und doch nicht zu weit gehen? Untersuchen wir dies mit Ernst und Umsicht, Freunde! Magdeburg, 20. November. Schrrlliteratur. Wenn wir jüngst in mehreren „Leitartikeln" die neuesten hymnologischen und homiletischen Erzeugnisse des deutschen Judenthums besprachen, so reihet sich hieran wohl zunächst ein Blick auf das Schulfach, so weit dieses nicht in den „literarischen Nachrichten" einzeln beachtet worden ist. Der Leser gestatte uns aber hier den umgekehrten Weg. Während wirdort den streitigen Punkt voranstellten, und die Erscheinungen daran reihten, beginnen wir heute mit dem Einfachen und begeben uns erst später auf das Gebiet, welches zum Schlachtfelde geworden, zum Schlachtfelde, denn eö giebt da Todte genug, wenn auch nur papierne, Jünglinge und Männer, die muthig und voll Zuversicht auftreten, und nach wenigen Monden schon sind sie in das Grab der Maculatur und Vergessenheit gesunken. Beginnen wir in der That mit dem ABC. Da liegen uns die neuen Auflagen der hebräischen Lesefibeln von Lewisohn, in Fulda (2. Auflage) und Emanuel Hecht inHoppstätten (3. Auflage) vor, beide empfehlenswerth und zu einem schnellen und sichern Lesenlernen sehr brauchbar. Ferner als erstes Lesebuch: Rischon Leraikra. Der erste Lese- und Sprachunterricht im Hebräischen und Deutschen nebst einigen sprachlichen Vorbcreitungs-Uebungen zum leichten Uebersetzen t>er 'p jnptt von Michael W olf, Lehrer an den israelitischen Schulen in Lemberg. 3. Auflage, vom k. k. Ministerium approbirt. Lemberg, 1854. Es beginnt mit dem Erlernen der Buchstaben und Vocale als Sylben. (Warum stehen die Namen der Buchstaben in portugiesischer Aussprache, da doch sonst die polnisch-deutsche gelehrt wird?) Statt der Leseübungen werden Wörter zum Auswendiglernen gegeben, auch gleich die Anfangsregeln der Grammatik hineingestreut. Dann folgen Segenssprüche und Gebete, die Zehngebote, 13 Glaubensartikel. Hierauf Uebungsstücke (Schristverse), aber gleich mit dem Deutschen daneben^ die zum Uebersetzen (dann hätte das Deutsche nicht