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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-27 · Heft 48 (27.11.1854) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 48 (27.11.1854)
Date
1854-11-27
Page
Seite 608 (sequence 12)
Language
German
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608 eine Erzählung aus der jüdischen Geschichte," „der wundervolle Segen der neuen Tempelweihe;" für 34: „der heilige Polykarp," „der fromme Eleasar;" für 37: „die heilige Elisabeth," „die gottergebene Gattin des Rabbi Meir;" für 82: „der heilige Martin," „die himmlischen Schätze," „Manobar, König von Adiabene." Stur vermissen wir an diesem Stücke die ausgezeichnet schöne, das jugendliche Gemüth besonders anregende poetische Bearbeitung des berühmten Görres. Andere Stücke, wie Bachum Gamsu, der Tag des Todes, der Tag vor dem Tode, die drei Freunde des Menschen, Hadrian und der Greis, was Gott verfügt, ist wohl gemacht, kindliche Ehrfurcht, die bekannte Erzählung von Diman ben Retina, Mitleid gegen Thiere, schaue nicht auf den Krug, sondern auf das, was darin ist. die letzten Worte eines sterbenden Lehrers, die zerbrochenen Tafeln u. A. Einer besonders schönen und zweckmäßigen Bearbeitung erfreuen sich die Feier- und Festtage in der Fibel, da dieselben den Kindern von einer Seite dargestellt werden, wodurch sie ihnen besonders lieb und theuer sind; so der Pessach durch den Seder; Schebuoth durch die grünen Bäume und herrlich prangenden Blumen in Synagoge und Haus; Sukkoth durch die Laubhütte und deren Ausstattung. Ueberhaupt waren die Herren Bearbeiter bemüht, den Ton und die Schreibweise, welche in beiden Büchlein vorherrschend sind, so viel als möglich in den aufgenommenen Stücken beizubehalten. Einigen Sätzen im ersten Sprach- und Lesebuche wäre wohl eine leichtere Construction zu wünschen; denn da allenthalben mit den Lesestücken der Sprachunterricht zu verbinden ist, so dürften sich solche Sätze für die ersten Stufen wenig eignen. Auch die Biegung einiger Wörter ist nicht vollkommen dem Ganzen.angemessen; so hat in diesen Lesestücken das Verb fragen im Jmperfect eine starke Biegungsform, während es doch im Allgemeinen im Lesebuche schwach gebraucht wird. Das 48. Stück: „der Eichbaum," wo von Schweinen und ihren guten Würsten die Rede ist, hätte füglich in einem Lesebuche, welches für die israelitische Schule bestimmt ist, wegbleiben oder durch ein anderes passendes Stück ersetzt werden können. Was aber am meisten befremdend ist, daß im 108. Stücke: „die Obrigkeit" eine Stelle aus dem Evangelium: Briefe an die Römer, 13. Hauptstück, 1. um 2. Vers von Wort zu Wort ausgenommen ist. Mangelt es etwa in unfern heiligen Schriften an Stellen, die Ehrfurcht und Gehorsam vor der Obrigkeit lehren? — Laut Ministerialerlaß ist der Gebrauch der benannten Lesebücher für alle jüdischen Volksschulen, so wie für jene jüdischen Schüler, welche katholische Volksschulen besuchen, angeordnet. Möge uns auch dieses Factum einen Beweis von der hochherzigen Gesinnung unserer edlen Regierung für uns liefern. Gewiß werden sich die beiden Lesebücher, wie sie sich im Allgemeinen ausgezeichnet bewährt, auch für unsere Jugend wohlthuend und segensreich bewähren! Wir schließen unser Referat mit dem Wunsche, daß auch das zweite Sprach- und Lesebuch recht bald sich einer ähnlichen Bearbeitung erfreuen möge, damit auch dieses unserer Jugend zugänglich werde. A. Kohn. Korrespondenz. New-Bork. ' Dr. Lilienthal, der sich an der Herausgabe des „Israelite“ in Cincinnati betheiligt hat, giebt jetzt in diesem Blatte Auszüge aus seinem Tagebuche während seines Aufenthalts in R u ß l a n d. Wir geben dieselben ebenfalls, da sie sicher vieles Interessante enthalten werden, natürlich das übergehend, was vr. Lilienthal früher direct aus Riga und Petersburg, später in seinen „Russischen Briefen" aus New-York an uns gesandt hat und in diesen Blättern abgedruckt worden. I. Ich war dreiundzwanzig Jahre alt, als ich nach Rußland ging. Nachdem ich meine Studien auf der Universität in München beendigt hatte, und einsah, daß die Hoffnung auf Verbesserung der politischen Lage der Juden in Bayern immer dunkler wurde, beschloß ich, in irgend einem fremden Lande eine angemessene Stellung zu suchen. Ich wandte mich an meinen Freund, den vr. Philippson, der mich als einen Mitarbeiter der Allgemeinen Zeitung des Judenthums kannte. Durch seine Vermittelung wurde das Predigtamt beim Tempel in Leipzig und in Szegedin in Ungarn mir angeboten; aber während der Verhandlungen empfing ich einen bestimmten Ruf von der Gemeinde in Riga in Rußland, als Prediger und Direktor der neuen errichteten Schule dahin zu kommen*). *) D. h. die Gemeinde in Riga hatte eine unbedingte Wahlvollmacht in unsre Hände gelegt, und wir beriefen den Herrn Dr. Lilienthal. Ein Gleiches fand mit dem Nachfolger des vr. Lilienthal, dem Rabbinen Herrn vr. Neumann statt. vr. Philipp son.

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