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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-27 · Heft 48 (27.11.1854) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 48 (27.11.1854)
Date
1854-11-27
Page
Seite 600 (sequence 2)
Language
German
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600 regierung in die inneren Angelegenheiten der Gemeinden durchaus nicht — aber ein Anderes ist depBestand eines Ge^etzeL/ ein .Anderes -'Liei Einmischung!d'er A d mini Mari om/ Wir sagen es üffen> lvirwünschen ein Gesetz herbei, welches dieses Verhältniß regelt, wir wünschen es nicht blos im Interesse des Lehrerstaudes, sondern im wohlerwogenen Interesse der Gemeinden, ja, im Interesse des> ganzen Juden.thums herbei! Erwägen. wir die Sache noch einmal. Die Nachtheile dieser ewig provisorischen, dieser'Anstellungen auf ein, zwei oder drei Jahre,^geradp in^d ey^ Gemeinden, welche dem Lehrer am wenigsten zu bieten haben, in den kleinen und mittleren —7 denn d,je größeren stellen in der Regel ihre Beamten definitiv an, verwandeln wenigstens bald das Provisorium in ein Definitivum — diese Nachtheile sind: 4)/die höchste Unsicherheit der, Lehrerstellung, zunächst für ihre Jetztzeit, alsdann für ihr Älter, nicht blos, wenn sie wirklich invalid geworden, sondern schon, wenn sie nicht - mehr den Schein, der Jugend haben) ' r; 2) die unerträglichste Abhängigkeit der Lehrerdie nicht blos von den Launen der Vorsteher, sondern auch der Vorsteherinnen abhängen, die immerfort um die Gunst der Majorität der Gemeindemitglieder buhlen müssen, um nicht vor die Thüre gesetzt zu werden; 3) der Mangel an dauernder Wirksamkeit in der Er- ' ziehung. und Bildung der Jugend durch den beständigen Wechsel, der Lehrer, im Cultus durch den Wechsel -der Vorbeter; oft erkennen hinterher die Gemeinden, welch' einen Verlust sie an dem oder jenem Lehrer gehabt haben, und wie oft hörte ich aus dem Munde der Leute : „ja; so Einen kriegen wir nicht wieder! 4) der Mangel an Wirksamkeit überhaupt, da einerseits die Lehrer zur Hypokriste, zu Heuchelei und Unterwürfigkeit gezwungen sind, andrerseits diese Stellung von selbst eine solche Verächtlichkeit, ein solches Behandeln durch die Bäalebathim und ihre Frauen von oben, herab mit sich bringt, welche der Jugend natürlich sich nicht minder eiirflößt, und den-Unterricht, wie das ganze Äudenthum - in einen Mißkredit bringt, den die Lehrer meist vergebens zu überwinden suchen-; 5) mit allem-Diesem verbindet sich natürlich ein solcher -Abscheuvor diesem Stande, -: daß immer Wenigere und immer Talent- und Wissenslosere sich zu ihm bestimmen, daß ein Mangel an Lehrern, namentlich an tüchtigen,, eintreten wird, der den Gemeinden ein beklagenSwerthes „Zu spät!" zurufen wird. Wir wollen ein Beispiel anführen. Die Provinz Sachsen ist allerdings von Jichen di^in Preußen am wenigsten bevölkerte, zählt aber/d§chSeeMr - Ich'bist jetzt einundzwanzig Jah^itnMm^ und ^in^ dieser ganzen Zeit fi«!v zwei Männer aus ihr^-hervorgegangen, welche sich' dem höher« Lehrfache widmeten, dem Elementar- und Vorbeterfache kein einziger! Diesem bedeutenden; iNachtheilen' gegenüber fragt es sich in der That: was bewegt die Gemeinden so durchgängig, mit unerschütterlicher Zähigkeit an den kurzen Anstellung^ feMuhaltE. Diese Bewegungsgründe find: , 4) die.Absicht,., die Lehrer stets unter ihrer Controle . zu behalten, daß^ sie stets Herren über sie sind; sie leben der Meinung, daß ein definitiv angcstellter Lehrer seines Amtes nicht so eifrig pflegen, gegen die einzelnen Gemeindemitglieder und deren Wünsche nicht so fügsam sich zeigen st,erde, wie wenn er seine Stellung immer wieder verlieren kann; ■; 2) die Furcht, wenn der Lehrer durch Alter oder Krankheit invalide wird, ihn und die Seinigen erhalten zu müssen. Dies sind die beiden Motive, freilich unterstützt durch 3) die geringe Achtung, welche die jüdischen Eltern en MÄ886 noch immer vor ihren Lehrern und Cultusbeamten haben, eine Mißachtung, die aus einer trüben Zeit wirklich geringer Leistungen, und wo die Lehrer, in der That hinter vielen Baalebathim an Blldung ühintenanstanden, herrührt, und die zu zerstören noch lange nicht genug gelungen ist. Letzteres ist Sache der Zeit und des Lehrstandes selbst; was die beiden anderen Punkte betrifft, so ist der er* ftere ganz unstatthaft, da auch bei definitiven Anstellungen die"Gemeinde diestrengste Contr 0 le sich Vorbehalten kann, um bei wiederholten Pflichtverletzungen die Entlassung sich zu reserviren; da ferner die unangemessene Demüthigung des Lehrers gerade vermieden werden -soll;. und endlich, da die Aussicht, durch gutes Benehmen und Erzielung guter Resultate sich einen Ruf zu. erwerben,. durch welchen ihm. die Erlangung vortheilhafterer. Stellen, also ein Avancement möglich ist, den nöthigen Sporn einsetzen wird. Was den zweiten Punkt -betrifft, so ist er dadurch zu erledigen, daß die Gemeinden streng.-darauf halten, durch Abzüge ober Prämie ihre Stelle bei. einer Renten», und Wit twen - A s s e curanz. zu v er sicher n, wie es hei den, christlichen Beamten- und Lehrern ja auch der Fall ist, ,. So. schwinden allerdings bei richtiger, vorurtheilsloser

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