Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1854)
- Date
- 1854-11-20
- Page
- Seite 597 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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von Luror, diesem ägyptischen Monument, welches diesen/ Platz. nicht wieder .verlassen .wird, nachdem die Bildsäule Ludwigs XV. 1792 einer Statue der Freiheit mit phrygischer Mutze, zu deren Füßen die Guillotine ihre Blutarbeit verrichtete, gewichen, diese im Jahre VIII einer Nationalsäule, diese 1820 dem Piedestal zu einer Sühnkapelle für Ludwig XVI., bis die Juliregierung den Obelisk von Luror-aus Aegypten holen und hier durch LebaS den 26. October 1836 aufpflanzenließ. Niemand außer der Zeit wird nun Hand an dieses seit Jahrtausenden über den Parteien stehende Bildwerk legen. Man hat diesen ungeheuren Stein auf einen mächtigen Sockel gehoben, der aber von jenem sehr absticht, da er in kleinlicher Weise verziert ist. Der Obelisk ist von röthlichem Stein, vierseitig, und ganz mit Hieroglyphen bedeckt. Aber | wohl zu bemerken: auf jeder der vier Seiten gehen die E Hieroglyphen'in drei Reihen von unten nach oben, die beiden äußeren Reihen sind sich völlig gleich, die mittlere Reihe in vielen Bildern, aber nicht in allen/und endlich zeigen alle vier Seiten zwar Abweichungen, stimmen aber in vielen Bildern mit einander überein. Es ist dies eine Bemerkung/'an welche sich Vieles knüpfen läßt — aber mein Auge ertrug eine weitere Forschung nicht gut, da | das Sonnenlicht den Obelisk zu sehr umspielte, und die Zeit war zu kurz. I In angemessener Entfernung befinden sich nun zu beiden Seiten des Obelisk zwei prächtige, große Fontaine»,! die-eine.zur Huldigung der See-, die andre der Fluß-? Schifffahrt. Kolossale Gruppen aus Bronce tragen zwei Schalen über einander und rings im Bassin tragen Najaden riesige Fische. Nun stürzt daS Wasser von einer f Schale in die andre und in das Bassin, aus dem Rachen der Fische springenmächtige Strahlen in die Schalen zu- \ rück, so daß das Ganze die hinreißendsten Cascade» bildet. Rings umher stehen zwanzig vergoldete Rostralsäulen, welche Gasläternen tragen, darum wieder stehen acht Pavillons, auf welchen sich die kolossalen Statuen der / acht Hauptstädte Frankreichs aus weißem Marmor in schö- 1 ner Gruppirung befinden, und endlich ist der Platz von j ungeheuren Gebäuden, namentlich dem Marine-Ministerium (ehemals Garde-Meuble) umgeben. „Endlich" ...; nein! denn das Schönste kommt noch. Von dem Fuße dieses Obelisk schaust Du nun nach Morgen durch den fast erhabenen Tuileriengarten auf den großen Dom der j Tuilerien, nach Abend durch die weite, weite Allee der Ckamps Elysees und die Avenue de Neuilly mit ihren 1 Prachtgebäuden nach dem großartigsten Triumphbögen de l’4toile, nach Norden durch die rue de^Ia Concorde auf die Fronte des griechischen Tempels de la Madelaine mit ihrer Freitreppe, ihren Hallen von weißen Marmorsäulen und ihrem schönen Frontespice im reinsten griechischen Geschmack, nach Süden über die Brücke de la Concorde nach der Fronte der odambre des veputes (jetzt corps 1sgislatir) — — eS fehlen Einem die Worte, um-die Herrlichkeit dieses Ensembles zu beschreiben..^ - - Uebersieht man diesen von der Cultur der Menschheit in ihrer höchsten Entwickelung geschaffenen Fleck Erde, so sollte man glauben, daß er planmäßig angelegt und vollendet worden, und doch haben Jahrhunderte daran gearbeitet. Abgesehen, daß der Obelisk selbst in-grauestes Alterthum reicht, die Tuilerien sind das Werk Katherinens von MedieiS (1564) bis Ludwigs XIV., der Triumphbogen die Arbeit Napoleons (1806) bis Ludwig Philippe's (1832); auch die Madelainekirche ist erst 1830 vollendet worden, während die Deputirtenkammer 1722 begonnen ward. - f Aber nicht blos solch regelmäßige und mehre Stunden reichende, sondern auch freie, herrliche Ansichten umschließt Paris. Du stehst hinter dem Pont des Arts auf dem Quai del’Ecole, mit dem Rücken dem Louvre zugewendet; da blickst Du auf die Seine, wo sie am breitesten ist, da sich ihre beiden Arme wieder verbinden, gegenüber den freilich nur imposanten Palast des Instituts-, eine bekuppelte Kirche in der Mitte eines Halbkreises, der in Pavillons sich endet, vor Dir aber , die .beiden großen Inselnwelche die eigentliche Cite bildenwo die Paläste und großen Gebäude dicht aus dem Wasser wachsen, und 'dahinter über sie Alle die Riesenlast von Notre- Dame emporsteigt, vor Allem aber der Pont Neüf feine Bogen vom Lande zur. Insel von beiden Seiten spannt, in der Mitte auf der Jnselspitze von der kostbaren Statue- Heinrichs IV. überragt — ein hinreißender Anblick, ob Du ihn genießest im hellen Mittagslicht, oder gegen Abend, wenn Tausende von Gasflammen die Umrisse der Gebäude zeichnen, im Seinewasser sich wiederfpiegeln und die dunkle Riesin Notre Dame sich wie ein finsteres Geheimniß erhebt, oder um Mitternacht, wenn der Mond, am Hellen Nachthimmel aufgegangen, zwischen den Heiden Thürmen von Notre-Dame hindurchscheint, und die Balustrade zwischen beiden mit Silberlicht überströmt, und nun das Geräusch der Stadt schwächer geworden, und der dunkle Mantel sich über die Häuser und die Hunderttausende von Herzen gelegt.... ....