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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-11-20 · Heft 47 (20.11.1854) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 47 (20.11.1854)
Date
1854-11-20
Page
Seite 592 (sequence 6)
Language
German
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392 gen (mit 30 Juden) besitzt ein anständiges Gotteshaus, einen geregelten Gottesdienst, eine Elementarschule; an hohen Festen Predigt, eine gemäßigte Reform auf dem liberalsten Wege; es bestehen dreirii^QN, wovon die eine Kohlen und Matzoth für die Armen beschafft, die zweite für die Synagoge wirkt, aber auch im Sommer Brod vertheilt, die dritte, erst neu errichtet, nimmt sich der Kinder an, die aus der Schule kommen und führt dieselben da weiter, wo sie in der Schule stehen geblieben, stehet unmittelbar unter dem Lehrer, die Mitglieder lernen selbst gratis —: trcona, "im - u. s. w. Auch eine Armenkasse besteht für durchreisende Arme. Auch hat die Errichtung von einer Kinder-Bibliothek, wie sie den Herr Redacteur dieser Zeitung vorgeschlagen, mit gutem Erfolge begonnen. — In Saarlouis ist der JndifferentiSmuS zu Hause, es ist .ein Prediger angeftellt, der predigt nicht, wenn er predigt, läßt man ihn stehen; selbst eine Elementarschule kommt nicht gut fort. — Merzig, ein schönes Gotteshaus mit einem ausgezeichneten geregelten Gottesdienst; Herr M. Levy versieht die Stelle eines Rabbiners — aber gratis — und benutzt jede Gelegenheit und Veranlassung, um die Gemeinde mit seinen gediegenen Reden zu erbauen; auch die Schule ist gut, wie zu erwarten unter der Aufsicht eines solchen uneigennützigen, ächten Juden. — Ottweiler besitzt eine ausgezeichnete Schule, an deren Spitze Herr S. Levy mit gutem Erfolg wirkt. — Trier ist der Sitz des allgemein verehrten Obercabbiners Herrn Kahn, der alles Gute in seinem großen Sprengel anfeuert und belebt; er macht jedes Jahr seine Rundreise auch in die kleinsten Gemeinden; er lebt ganz für das Judenthum; so hat er jetzt die Jünglinge am Gymnasium und an der Bürgerschule um sich versammelt- und ertheilt ihnen in ihren freien Stunden — gratis — Religionsunterricht und hebräische Grammatik. Aber sein'Verdienst wird auch anerkannt; so wurde ihm dieses Jahr die Ehre zu Theil, nach Münster berufen zu werden, um die dortigen Lehrer- Candidaten zu prüfen; überhaupt gehört ihm das Lob, zur Hebung des dortigen Instituts in der Rheinprovinz Großes geleistet zu haben. Nur schade, daß in Trier der Synagogenbau keinen guten Fortgang nehmen will, sonst würde sich noch mehr Gutes von dorther über das Land verbreiten. Trier besitzt auch, einen akademisch gebildeten Lehrer und eine ausgezeichnete Schule. — In unserm Nachbarländchen Birken selb ist . es eben so rührig zum Wohl des'Judenthums, besonders ist es der Rabbiner Herr Goldmann, dessen Hauptbestreben es ist, Liebe zur Religion zu erwecken. Rühmend zu erwähnen ist noch das Bestreben des jetzigen Lehrers E. Hecht in Hoppftatten, den die verehrlichen Leser in dem jüdischen Volksblatt kennen gelernt haben; er ist der Verfasser einer jüdischen Lesefibel und biblischen Geschichte, die sich allgemein durch ihre Brauchbarkeit selbst in die Schulen einführen; seine neu herausgegebene nbsh mit methodisch bearbeiteter Übersetzung, so, daß das Kind bei-einer geringen Anleitung von Seiten des Lehrers, leicht dahin gebracht wird, alle Gebete frei zu übersetzen, ist sehr empfehlenSwerth. — Man braucht überhaupt nicht zu denken, daß das viele Geschrei nach Rückschritt im Leben wirklichen Boden habe! Eine arme, aus zwölf Mitgliedern bestehende Gemeinde, Na lb ach, eine Stunde von Saarlöuis, hatte für die Synagoge ein baufälliges Gebäude, aber keinen Fond, um es zu renoviren; da. gingen Leute aus der benachbarten Gemeinde Saarwellingen hin'und schossen den Armen, der Vorsteher L. Lazar an der Spitze, die noch nöthigen Gelder auf fünf Jahre ohne Zins vor, und nun wurde die Einweihung am /ts irnöfina wirklich erhebend vorgenommen; in dieser kleinen Gemeinde, wo noch nie eine Synagoge war! versammelte sich die ganze Gegend, sie bekamen hei 100 Thaler geopfert,, unter allgemeiner Theilnahme der christlichen Bevölkerung, Beamten und Geistlichkeit: Vom NLederrhein, im November. (Privatmitth.) Während in dem ganzen preußischen Staate die Verhältnisse der Juden nach Maßgabe des Gesetzes von 1847 geregelt werden, sind wir hier, so wie in den Nachbarstädten Eleve, Uedem, Ealcar u. a. völlig in der Schwebe. Die alte Consistorial-Verfassung ist nun factisch aufgehoben, wenn gleich unser allgemein so hochgeachteter Herr Oberrabbiner Bodenheimer noch in seiner Stellung Oberrabbiner verbleibt, und das neue Gesetz ist noch nicht eingeführt, weil obgenannte Gemeinden sowohl auf Grund deS die Freiheit der Culte garantirenden Paragraphen der Verfassung, als auch des Gesetzes über die Eonsiftorial-Verfassung, dagegen protestier haben. Eine Petition um Beseitigung des Gesetzes an die vorigen Kammern ist — angeblich eines Formfehlers

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