Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1854)
- Date
- 1854-11-06
- Page
- Seite 571 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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571 dacteur des „Zuschauer," heute ebenfalls an der Cholera gestorben sein. ES ist daS bekanntlich das einzige Blatt außer der Kirchenzeitung, das so oft feindselig gegen die Juden aufgetreten ist. Nichts desto weniger fei es dem Verstorbenen zum Ruhme nachgesagt, daß er vor dem Jahre 1848 nicht so bösartig war und so manches junge jüdische Talent unterstützte und ermunterte. So wurde auch Schreiber dieses' vor sechszehn Jahren, wo derselbe kaum dem Knabenalter entwachsen war, von demselben in die Literatur eingeführt. Zum Schluffe noch etwas, was nichts mit der Cholera zu thun hat. Man beginnt bereits das alte Haus in der Leopoldstadt einzureißen, um dann den neuen Tempel hinzubauen. Frankreich. Lyon, im October. (Privatmitth.) Der Artikel aus Paris in Nr. 37 hat in Frankreich viel Aufsehen erregt, aber nur, weil er leider! nur Wahres enthält. Wenn man sich in Frankreich herausnimmt, über die deutschen Rabbinen die Achsel zu zucken, weil einige derselben im reformatorischen Furor etwas zu weit gegangen, so sollten doch die französischen Rabbinen, denen — mit Ausnahme für ihre eignen Personen, für welche sie eS sich ziemlich bequem gemacht — man jenen Vorwurf nicht machen kann, zu den deutschen Rabbinen hinübergehen, und sehen, was diese arbeiten, und wie diese ihres Amtes pflegen! Ja, unsre Rabbinen sind Staatsbeamte, sie thun das, was zu thun wegen Reglements sie nicht umhin können, überlaffen aber unserm Herrgott die Sorge für ihre Heerde, leben wie die Rentiers, kümmern sich nicht um Religionsunterricht und Seelsorge — daß sich der Himmel erbarme!-- Glauben Sie nicht, daß ich dieses Liedchen angestimmt habe, bloS um im Allgemeinen zu raisonniren — sondern weil einemahe liegende, schreckliche Veranlassung mich dazu treibt! Hier in Lyon sind zwei junge, reiche Brüder, rin Zwillingspaar,. Lehmann. Sie wurden, da sie Waisen find, durch ihren Onkel, den Kaufmann Lehmann, in daS Lyceum gebracht, um dort Sprachstudien zu treiben. Daß ein Jüngling außerdem auch in seiner Religion unterrichtet werden müsse, daran wurde nicht gedacht, und der Herr Rabbiner in Lyon bekümmert sich wenig darum, ob jüdische Kinder in dieser Anstalt sich befinden oder nicht, ob sie religiös gebildet werden oder nicht — das sind für einen französischen Rabbiner lauter Chimären . — aber wohl bekümmert sich die katholische Geistlichkeit darum, und nimmt sich der verlassenen Jugend an, und drängt sich zu ihr, und thut ihr wohl — sie sah hier zwei reiche, junge Israeliten ohne Religion, ohne Aufsicht, und brachte sie so weit, daß jetzt Niemand im Stande ist, sie von der Taufe zurückzuhalten! Sie, im Alter von 19 Jahren, sagen: man hat uns keine israelitische Religion gelehrt, die katholische aber ist uns gründlich beigebracht worden, wir haben nie einen Rabbiner gesehen, auch nicht als wir krank waren — — so geht eS in Frankreich zu, wo man freilich! alle Piutim noch sagt! . Aber was fragen die Herren nach den Gemeinden? Erziehen ja nicht wenige derselben ihre eigenen Kinder auch ohne Religion. Gehet lieber nicht in die Casinos, Zeitung zu lesen, und unsichtbar zu sein, wenn Fremde sie sprechen wollen. Wann werden die Herren einmal Zusammenkommen, um sich über daS Judenthum und dessen Förderung, über Religionsunterricht und Synagogenweihe zu beruhen? Aber Zusammenkommen — nicht Wenige scheuen dies gerade, damit ihre Unwissenheit nicht herauskomme! Es ist fürwahr Zeit, daß etwas geschehe! Die Presse hat begonnen, sie muß ihre Aufgabe ferner lösen. Türkei. Constantinopel, 4. October. Allen Nachrichten zufolge ist das Conseil des Tansimats nun in der That berufen, wesentliche Verbesserungen in'S Leben zu rufen. Zu den bedeutsamsten Momenten gehört die Trennung der weltlichen und geistlichen Gewalt Seitens der Geistlichen aller Religionsparteien, und die Besoldung der letzteren durch den Staat. Ob dies gelingen, ob man dabei mit noch mehr Energie als Einsicht verfahren werde? Dies ist die Frage. Confiantinopel, 5. October. (Privatmitth.) Ich habe diese Tage Briefe aus Jerusalem gesehen, und kann Ihnen daraus eine Mittheilung machen, die von Bedeutung. Herr Albert Cohn hat in Jerusalem nicht ganz geringe Schwierigkeiten bei den Juden gefunden, und" das Einzige, daß man ihn gewähren ließ, war, -weil er das Wort „scola"