Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1854)
- Date
- 1854-11-06
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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562 ganz kleines Zipfelchen noch in unsren Händen ist oder auch dieses nicht) da ^n Kaiern noch hiß wesentlichsten makmelHOd^^^vieMtederlassmMstüdWewdrbebetrieb uns-beschrssnO sind., ist^es.sehr gleichgültig,^ob wir ein so nominelles Recht besitzen oder nicht. Es kommt in unsren Tagen auf ganz andre Dinge an. Aehnlich in Preußen. Da durch Interpretation das Wort ^staatsbürgerliche Rechte," .das'in der Verfassung geschrieben steht, so weit ausgelegt ist, daß wir weder ein, Staatsamt bekleiden, noch ständische Rechte ausüben, noch ein Lehramt überkommen rc. jc. können, so frägt es/sich, was wir durch Streichung jenes Wortes in der Verfassung verlieren können^ Ihr sagt: es könnten andre Minister kommen, die anders interpretirten — thörichte Hoffnung! Ja, im Gegentheil, wir gewinnen daran — denn das Sein ist stets besser als der Schein, unsre Stellung ist dann präcisirt, und Freund und Feind kennt sie, wir selbst wissen entschieden, woran wir sind. Das Gesetz von 1812 und die Verfassungen von 1848 und 1850 haben uns große Verluste i gebrächt.- Man glaubte, Re Zeit, wo der Staat sich ganz uns öffnete, sei gekommen, viele Jünglinge widmeten sich Carriören, auf denen ihnen hinterdrein ein „Entweder. -—7- oder" zugerufen wurde, und nur Wenige hatten Energie genug, das ,,Oder" lanzunehmen und — nicht uns, sondern den Rufenden den Rücken zuzuwenden. Also hinweg damit, wir wissen, woran wir find, und jeder Vater weiß, wozu er sein Kind bestimmt. Wir. wissen, daß es für uns in Deutschland nur materielle Stellungen giebt, oder solche öffentlichedie wir uns in Wissenschaft, Kunst, Literatur als Privatmänner erwerben. Erwarten wir hier nichts Anderes, so werden wir das Andere entweder gar nicht, oder anderswo suchen. . Magdeburg, 27, October. Heinrich Heine's „Vermischte Schriften" 3 Bände. i Wir haben in voriger Nummer das einleitende Wort Heine's zu diesen „vermischten Schriften," seine-„Geständnisse" besprochen. Wir haben diesmal seine Lossagung vom Atheismus , seinen - Heimfall zur „religiösen Jvee^ Israels-, - feine Verehrung - der Bibel, Moscheh's, der Juden registrirt, diesmalweil'sie unleugbar ernst .gemeint sind, undsich von jener Frivolität entfernt haben, die sonst den Ernst bei Heine verdeckte und zweifelhaft machte», AlleMngs gegenüber dem unverrückbarem BekennMß HtAes; Glaubens, wie'ganz.Juda es tragt^känn dieses-Wekeüntniß eines/Einzelnen,^ uüd wäre ess' des ausgezeichnetsten Geistes, keine außerordentliche Wichtigkeit haben — aber nichts desto weniger ist die Kraft seiner Aussprüche, der..Nachdruck seines Widerrufs, die Ehrenhaftigkeit seiner Ehrenerklärung'gewiß von großem Interesse. Wir sehen es aber eben überall, wie tief diese Umkehr ihn durchdrungen hat. In dem ersten Bande dieser ^-vermischten Schriften^-sind noch „Gedichte" enthalten, denen wir keinen Geschmack abgewinnen können, „die Götter im Eril," prosaisch, die wir eben dahin rechnen. Endlich „Ludwig Marcus. Denkworte. Geschrieben zu Paris den 22. April 1844." Aus diesen „Denkworten,^ welche damals in der „Augsb. Allg. Zeit." erschienen, haben wir im Jahrg. 1844 Nr. 21 S. 288 ff. einen ausführlichen Auszug geliefert. Aber Heine giebt hier eine „spätere Note, im März 1854," und diese ist beachtenswerth. Er spricht darüber, daß die Emancipation der Juden in Deutschland wieder rückgängig geworden, daß leider! unser Munk, der die Manuscripte des „Marcus" herausgeben wollte, erblindet ist (s. unsre Pariser Skizze VI. S. 354 d. J.> Er schreibt: „Blindheit ist wohl die härteste Heimsuchung, die einen deutschen Gelehrten treffen kann. Sie trifft diesmal die bravste Seele, die gefunden werden mag) Munk ist uneigennützig bis zum Hochmuth, und bei all seinem reichen Wissen von einer rührenden Bescheidenheit. Er trägt gewiß sein Schicksal mit stoischer Fassung und religiöser Ergebung en den Willen des Herrn." Nun fährt Heine fort: „Aber warum muß der Gerechte so viel leiden auf Erden? Warum muß Talent und Ehrlichkeit zu Grunde gehen*), während der schwadrönirende Hanswurst, der gewiß seine Augen niemals durch arabische Manuscripte trüben machte, sich räkelt auf den *) Da liegt's: „zu Grunde, gehen" — Munk zu Grunde gegangen! O, lieber Heine, Du verstehst's noch lange nicht! Ein Munk geht nicht zu Grunde! Er kämpft mit den neuen, unsäglichen Hindernissen, wie er immer gekämpft; er ringt jetzt und trägt, wie er sein ganzes Leben gerungen und getragen hat, wenn auch jetzt noch mehr; und seine Tugend und seine Weisheit und seine Frömmigkeit entwickeln sich nur noch stärker, lauterer, erhabner, sich zum Heile und uns Allen zum Vorbilde — und das nennt Heine „zu Grunde gehen! " Ist dies aber nicht zugleich die Lösung des ganzen RäthselS?; . Redact. '