Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1854)
- Date
- 1854-10-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225922--14187-3243678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
18. Jahrgang. Allg e m e ine JW 44. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Vir. Ludwig Philippson irr Magdeburg. Leipzig, den 30. Oktober 1854. ' Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s.' w. umfassen. : In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verdreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr für den Mhrgang; — l Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22'/- Ngr. (18 gl8.) für das Vierteljahr «ngesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; derHauptspedition für beide Letztere . ' hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen.; ■■ Z N h a l t. Leitender Artikel: Heinrich Heine's jüngste „Geständnisse". Zeitungsnachrichten: Palästina: Magdeburg. Deutschl a n.fc: aus Mecklenburg-Schwerin, Worms,. Fulda. P r e listen: Berlin, aus dem Westpreußischen. Correspondönz: Magdeburg. Pariser Skizzen. IX. Leitender Artikel. Magdeburg, 20. Oktober. Heinrich Heine's jüngste „Geständnisse." / Heinrich Heine beugt das Knie vor den von ihm so oft verspotteten Juden! Man weiß, daß Heinrich Heine sich bekehrt hat. Er hat schon so oft, z. B. in der Vorrede zum „Romanzero," sich selbst, aber in der frivolsten Weise darüber ausgesprochen, daß wir niemals einen Werth darauf legten. Es ist in der That nicht genug, hinzutreten und zu sagen: ich habe, den Atheismus aufgegeben, und nun selbst darüber zu satyrisiren. Man will wissen, wie geschah diese Peränderung in Dir, und welche sind die geistigen Zuglinien, die Dich vom Leinpfade des Unglaubens zurückbrachten? Diese Fragen ließ Heine unbeantwortet. Man konnte in der That glauben, daß — er es selbst nicht, wisse. Heine hat zwar die Marotte, sich als einen Metaphysiker auSzuschreien, als einen Jünger Hegels — aber vielleicht weil er dies am wenigsten war und ist. Gewöhnlich will der Mensch ja gerade das am liebsten sein, was er am wenigsten ist. Jetzt liegen vor unS drei Bände „Vermischte Schriften," die so eben erschienen sind. An der Spitze des ersten stehen: „Geständnisse. Geschrieben, im Winter.1854." In diesen Geständnissen rückt er sich selbst, etwas, naher zu Leibe., Er gesteht, daß er nicht zu einer besondern Kirche zurückgekehrt, daß er keine besonderen. Dogmen angenommen, sondern daß ex gottgläubig g e W orden, di essen Gottglauben als eine Gabe der Juden an die Menschheit ansehe, getragen durch die Bibel. Man erinnere sich hierbei, daß Heine von getauften Juden abstammt, und schon bei der Geburt Christ wurde. Nun lassen, wir ihn selbst sprechen. Er beginnt seine „Geständnisse" mit seiner Stellung in der deutschen Lyrik, spricht dann besonders von seinem Buche „de rAlIemagne,“ polemisirt gegen die Stael und deren gleichnamige Schrift, berichtet über seine Ueberstedelung nach Paris 1831, über die Europe liUeraire, in welcher er den Franzosen Aufschluß gab über „die deutsche Philosophie und romantische Schule." Hier sagt er: ' „Ja, was die deutsche Philosophie betrifft, so hatte, ich.unumwunden das Schulgeheimniß ausgeplaüdert, das, eingewickelt in scholastische Formeln, nur den Eingeweihten 'der ersten Classe bekannt war. Meine Offenbarungen erregten hier zu Lande die größte Verwunderung, und ' ich erinnere mich, daß sehr bedeutende französische Denker. mir yaiv gestanden, sie hätten, immer geglaubt,