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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-10-09 · Heft 41 (9.10.1854) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 41 (9.10.1854)
Date
1854-10-09
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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523 vielten Nachtheil, der für die Stadt allemmehrere Millionen betragen mag; wer gedenkt des Stillstands aller Geschäfte und Erwerbsquellen! — Noch ist der Schrecken nicht völlig gebannt; noch zählt man täglich 16 oder 18 neue Opfer; aber zur frohen Gewißheit ist es geworden, daß die Plage im Erlöschen ist, und daß wir stündlich schöneren, lichteren Tagen entgegensehen. .— Schon tritt das frohere Leben wieder elastisch in seine früheren Rechte ein; die Ausgewanderten kehren zurück, die Straßen füllen fich wieder; die Fremden haben wieder den Muth, hier zu weilen, die verödeten Schauspielhäuser sehen wieder frohe Gäste,'man drängt sich wiederum zu Gemälden und Kunstwerken; der Freund freut sich wiederum des Freundes, der Gatte der Gattin, die Eltern der Kinder; wer noch lebt, der ist den Seinen neugeschenkt und darf hoffen, schöner mit ihnen fortzuwandeln auf Erden; — ja selbst beim Gottesdienste erschreckt nicht mehr das bange Hülftflehen um trostlose Kränke? — Glücklich diejenigen, die gleich mir den Muth hatten, einer schweren Zeit in's Auge zu schauen, um den Kelch des neuen Lebens nach den Schrecken des Verhängnisses zu kosten. Auf die Freiheit der Ferien verzichtend, habe ich -die ganze schwarze Epoche mit erlebt, täglich Kranke besucht, Trauernde getröstet und vielfältige Erfahrungen gesammelt für den künftigenBeruf der Seelsorge. — Gelassenheit und furchtlose Ruhe haben mich nebst starkem Gottvertrauen und strenger Mäßigkeit aufrecht erhalten, und so betrachte ich die Leiden dieser Tage als einen traurigen Gewinn', aber immerhin als einen Gewinn meines Lebens. Unter solchen Umständen sah Israels Gemeinde das erhabene Fest des Neujahres herannahen. Wer malt die Empfindungen, mit denen man sich in das Gotteshaus drängte, um den Herrn des Lebens und des Todes in seinen Schrecken und Stürmen wie in den Wundern und Reizen seiner^ reichen Schöpfung zu preisen! — Und als nun das erhabene Gebet des Märtyrers von Mainz, als die unsterblichen Klänge des £)pin rwrwi erschollen, wie Müßten sie die Herzen mit ewigem Weh und Wohl, mit Schmerz und.Hoffnung, mit Angst und Wonne durchzucken! —-Gewißwem der Quell der Thränen bis dahin nichts getrocknet' war,- der fühlte sie . in diesem .Augenblicke milder fließen; denn es ist süß für den sterblichen Menschen, zu wissen, daß alle seine Leiden von einer unendlichen Macht ausgehen, in deren Plan zwar die Vernichtung und die Strafe, aber auch die Rettung und das Heil liegen; es ist tröstend, sich dem Verhängniß eines Gottes unterzuordnen und seine Geschicke von höherer Hand zu nehmen; es ist tröstend, mit Vielen zu leiden; es ist herrlich, auf vergangene Schmerzen zurückzuschauen. — In dieser großen Stunde ist eS gewiß Jedem' klar geworden: eine weltgeschichtliche Mahnung ist an das Menschengeschlecht ergangen. Dieses Geschlecht war zu sehr versunken im materiellen Wohlbefinden, in behaglicher Erschlaffung; es war zu stolz auf die eiteln Gebilde der Zeit, auf die Erfindungen der Technik, die das Leben angenehm machen. Es verwechselte das Mittel. mit dem Zwecke; es kniete vor dem Götzen der Zeit, dem Golde; es schuf sich einen Fetisch und nannte ihn Zeitgeist und betete ihn an;. eS verwechselte einen Theil jener Urkraft, welche seine Schiffe treibt und seine Lasten schleppt/ mit der Urkraft selbst. Kurz, dieses Geschlecht vergaß Gott; und eine starke Mahnung war nöthig, daß Gott noch höher waltet als alle Gebilde des menschlichen Geistes. — Sie ist ihm geworden; möge es schöner und. reinersinniger und - bescheidener, demülhiger und nüchterner, gläubiger und besser fortleben! — Möge es an die Geschichte der Schrecken den Anfang einer edleren Zukunft knüpfen und so die göttliche Züchtigung zum. Heile und zum Segen ausbeuten, auf daß man vom Ende der Prüfung den Anfang einer großen Zeit datire. — Die Geschichte der. Menschheit ist um ein düsteres Blatt reicher.; eS gilt nun, die folgenden Blätter mit lichtvolleren und sonnigeren Zügen zu füllen.- Es gilt nun, den Faden vieler Aufgaben des Lebens Und der Zeit zur Vollendung zu führen, da, wo die Parze ihn durchschnitten hat. Denn das Leben will seine Rechte und die Geschicke der Menschheit, harren auf ihre werkthätigen Diener. Z. An zeigen. C-*C* Die Stelle eines.Lehrers und Cantors für.- .die hiesige israelitische Gemeinde wird mit dem 1. April 1855 vacant. Darauf Reflectirende,' welche gute Zeugnisse vorlegeü können, 'und' Unterricht im Französischen und Englischen ertheilen, und auch musikalisch find, wollen sich an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Gehalt 250 bis 300 Thlr., ohne Nebenverdienst. Salzkotten, den 30. September 1854. Der Vorstand. S. Mererhoff. Levi Blumenkohl. An der hiesigen israelitischen Gemeinde. Wird mit dem 1. Januar. 1855 die Lehrerstelle, welche mit einem Gehalt von 300 Thlrn. verbunden Ist, vacant. QualtficirenVe, die hierauf reflectireU,* 1 wollen sich' baldig st bei demhiesigen Schulvorstand melden. Briefe werden franco erbeten. G oeh (am Niederrhein), Septenlber.1854.

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