Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1854)
- Date
- 1854-09-18
- Page
- Seite 487 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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wird doch nie Finsterniß!" persönlich kennen' zü'-lrtttem j 4luch keine Schilderung von dem freundlichenvon Wal-; desgrün uüd Bergeshöhen umkränzten Eisenach mit' seiner wundervollen, von der Mutter Natur wahrhaft verschwenderisch ausgestatteten Umgebung möge er erwarten.. Nur eine.Seltenheit erlaube ich mir von hier aus mitzutheilen, da man sie vielleicht nirgends weiter findet. Während man nämlich häufig Gemeinden antrifft"ohne Rabbiner, so findet man hier einen Rabbiner ohne Gemeinde, und noch dazu einen im Amte fich befindenden Landrabbiner. Noch eine andere Abnormität gewahrte ich Hierselbst: über einemHauseprangtedie hebräische Inschrift .üTPbü, und vielleicht feine Drei in der ganzen Stadt können sie lesen, und vielleicht keine. Zwei machen Gebrauch von diesem Fabrikat. — Auch keine Schilderung von der hoch iü den Lüften thronenden, altehrwürdigen Wartburg, wo die erste bessere deutsche Bibelübersetzung (wenn auch nur eines Theiles davon) angefertigt wurde, .und. wodurch sich deren Uebersetzer, Martin Luther, um seine Zeit und die christliche Welt eben so unsterbliche Verdienste erwarb, wie unsere großen Männer durch ähnliche Werke um die Gegenwart. Also keine Reisebeschreibung im eigentlichen .Sinne beabsichtige ich hier zu geben. Diese würde sich auch nicht am Besten ausnehmen, gegenüber, den meisterhaft geschriebenen und durch treffliche historische.Notizen bereicherten „Pariser Skizzen" oder den nicht minder interessanten „Reiseberichten" im vorigen Jahrgange dieser Zeitung. Zudem führt unser geschätzter Herr Redacteur eine sehr gefährliche Waffe gegen uns armen Correspondenten — es ist dies seine Cenfurscheere, mit welcher er unfern Artikeln erbarmungslos die Flügel beschneidet, wenn sie einen, zu großen Anflug : nehmen wollen, und da ereignet es sich denn häufig, daß gerade dasjenige gestrichen wird, was uns das Gelungenste und des Beifalls der Leser Gewisseste schien, — oder er verdammt unsere „mit Schmerzen geborenen" Geisteskinblein zu ewiger Gefangenschaft in feinem Schreibepulte, daß sie nimmer das Licht der Welt erblicken. Und was könnten wir bedauernswürdigen Correspondenzler dagegen thun? mit ihm rechten? Ein Brief kostet drei Silbergroschen, das wäre fürwahr ein theureö Gezanke. Wir machen lieber die Faust in der Tasche und — schreiben das nächste Mal kleinere Artikel. . Doch jetzt ist eS Zeit, daß ich endlich nach diesen Erpectorationen auf den eigentlichen Gegenstand losgehe, sonst müßte ich, sollte meinem Aussatze was Menschliches begegnen, daS Verfahren der Redaction selbst billigen. Also:; ■ In - dem kurhessischen > Orte Barchf e l d wohnt -eine jüdische Gemeinde von circa 40 Familien, die ungefähr 50 schulpflichtige Kinder; hat. Sie besitzt eine einfache, aber geschmackvolle- Synagoge, ein Gemeindehaus mit Schullocal und bequemem Frauenbadeeine gut aüsgestattete Elementarschule, eine Jugendbibliothek und ein Casino. - Der Gottesdienst, ist ganz musterhaft, es herrscht dabei die größte Ruhe und Ordnung) der Chasan gut geschult, der Gesang geregelt, und der größte Theil der Gemeinde betheiligt sich daran. Und da es derselben oft nachdem Worte Gottes dürstetsie aber keinen Rabbiner hat, der es ihr verkündete könnte, so hat sie mit ihrem Lehrer ein Abkommen gesunden, wonach er von Zeit zu Zeit Predigten halten muß. Ich habe schon einige dieser Reden gehört, sie warenganz dem Zwecke angemessen. Zu diesem Behufe ist auch eine Nette, bescheidene Kanzel hergerichtet worden. Die Jugendbibliothek ist eine - noch neue Schöpfung , und doch ist das Interesse daran schon recht groß, namentlich lesen die Frauen gern und viel — zwar keine Ritter- und RäubcrrdMane, aber gute Schriften über Erziehung. Das Casino besteht hingegen schon lange,-und find darin neben einem politischen Blatte die Zeitung des Judenthums und das jüdische Volksblatt aufgelegt. Das Vildniß deS Herrn Redakteurs dieser Zeitung schmückt die Wand, indem man seiner Anregung' das dankt, was die Gemeinde geworden. Im Laufe dieses JahreS ist zu den Gemeinde-Instituten auch noch, eine Armencasse für die jüdischen Ortsangichörigen in's Leben gerufen worden, aus welcher die Bedürftigen, wenn auch geringe, so doch regelmäßige wöchentliche. Unterstützungen empfangen. Ueberhaupt herrscht hier trotz den nicht allzugesegneten materiellen Verhältnissen viel Wohlthätigkeitssinn, woher cs auch wohl kommen mag, daß man niemals von schnurrenden (vulg. schnorrenden) Weltumseglern aus diesem Orte behelligt wird. Diese blühenden intellektuellen Zustände verdankt aber die Gemeinde ihrem wackern Vorstande, namentlich dem Herrn Synagogen-Aeltesten L. M. Lefor. Der geregelte Gottesdienst ist lediglich sein Werk: er betet abwechselnd selbst vor, oder nimmt Antheil an der Leitung des Chors. Da. er mit einem schönen Organ begabt ist, so bringt er .die besten Melodien aus den Leipziger Tempeln, die er während der Messe besucht, im Gedächtniß mit und hilft sie einüben. Fürwahr, ein schönes Meßgeschenk! UebrigenS hat auch das israelitische Provinzial- Vorsteheramt seine volle Zufriedenheit mit der Wirksamkeit dieses Mannes dadurch bekundet, daß eS die kurfürst-