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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-09-18 · Heft 38 (18.9.1854) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 38 (18.9.1854)
Date
1854-09-18
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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480 Mittagsstunde ausgebrochenen Brand, der mit großer Heftigkeit in mehrern Stunden über vierzig Gebäude in Asche legte, find an neunundachzig jüdische Familien obdachlos geworden, und haben ihre genüge Habe gänzlich verloren. Da nun auch ein großer Theil der wohlhabenden Mitglieder unserer Gemeinde, die über 2000 Thlr. jährlich an die hiefigen sehr zahlreichen jüdischen Armen und an fremde Hilfsbedürftige meist aus eigenen Mitteln verausgaben, durch diesen Brand bedeutende Verluste erlitten, so können die armen Abgebrannten auch von dieser Seite her nur wenig Ansprüche auf Hilfe machen. Hoffnungslos würde ihr Zustand sein, bei herannahendem Winter ohne Obdach, Kleidung, Nahrung; jeglicher Eristenzmittel beraubt, würden sie und die Ihrigen in einem bejammernswürdigen, trostlosen Zustande sich befinden, wenn sie nicht vertrauungsvoll die Hülfe ihrer Glaubensgenoffen anflehten und gewiß wären, daß ihr Flehen gehört werde und zahlreiche Gaben aus allen Gemeinden und aus allen Ständen einfließen würden. Verzweiflungsvoll wäre ihre Lage, wenn sie nicht fest überzeugt wären, daß die Milde und Barmherzigkeit ihrer Brüder, deren WohlthätigkeitSsinn ja eine patriarchalisch ererbte Tugend unseres Volkes ist, ihnen in reichem Maße zu Theil werden würde. Die Thranen deS Dankes der armen Abgebrannten, die für die eingehenden Gaben ihrer Brüder zum Himmel emporsteigen werden, werden deS Allbarmherzigen Segen auf die Geber und Helfer herabflehen, und die Huld des Herrn wird ihnen tausendfach vergelten, was ste Gutes gethan. Zahlreichen Gaben sieht also erwartungsvoll entgegen Der israelitische Gemeinde-Vorstand. A. Pfeffermann, Vorsteher. Meyer LaSker, Stellvertreter. Jacob Liebes, Beisitzer. S. D. Gallewski, Beisitzer. M. Unger, Repräs.-Vorsteher. H. Spitz, Repräsentant. W. L. Schlesinger, Repräsentant. Julius Goldberg, Beisitzer. Aus dem GroMxrzogthurn Posen, den 30. August. (Privätmitth.) ES ist eine der schönen Aufgaben des jüdischen Journalismus — als ein treuer Wächter Israels — jedes in seinem Bereiche vorkommende Ereigniß einer strengen Rechenschaft zu unterziehen, und daher gegen daSBöse mit aller Machte anzukämpfen, wie daS Gute anzuerkennen, damit der Spruch: mb eine volle Wahrheit werde, und daß auch Andere von der Sorte Bileams ausrufen: m» man u. s. w. — Wenn darum die Gemeinde in Rogasen bisher mit Recht von Seiten der jüdischen Presse den heftigsten Angriffen ausgesetzt war, und die letzte That — einen Schrei der Entrüstung hervorgerufen hat, so ist es mir um so erfreulicher, heute mitzutheilen, daß da eine vollkommene Rückkehr, nivbw stattgefunden hat. Nicht allein haben sämmtliche Eltern, bis auf einen rvistn machenden Kürschner, ihre Kinder den Missionsschulen entrissen — sondern es werden jetzt auch die jüdischen Zeitschriften gelesen, und die Lehrer haben ihre Denunciation gegen den Verfasser des incriminirten Artikels in Nr. 9 dieser Zeitung zurück genommen. Rabbiner, Vorsteher, Lehrer und die andern einflußreichen Männer suchen die Scharte wieder auszuwetzen. Ich bin überzeugt davon, daß sie, eingedenk des Ausspruchs unserer Weisen: baourtt nna iösb niws, b2, auf halbem Wege nicht stehen bleiben, sondern auch das von hoher Seite in Betreff der Aufnahme jener Kinder in die jüdische Schule gemachte Hinderniß — zu überwinden wissen werden. Unsere Jugend nach einer Anstalt zu schicken, wo eS allein auf deren Bekehrung abgesehen ist, dazu darf man in Preußen wohl uns von keiner Seite zwingen. Ein energisches Auftreten dagegen würde unbedingt zum Ziele führen. — Gemeinden, welche Rabbiner, Prediger oder Lehrer berufen, geben immer einen Beweis , daß in ihnen noch ein lebendiges Interesse für Religion und Wissenschaft vorhanden ist, und daß der alles höhere Streben niederhaltende Materialismus ihrer sich noch nicht bemächtigt hat. Darum werden Berichte über Besetzung solcher Stetten gewiß mit Freuden gelesen. Auch ich bin in der angenehmen Lage, heute mitzutheilen, daß die Gemeinde zu Krojanke, obgleich nicht zu den reichen gehörend, ihre seit längerer Zeit erledigte Rabbinerstelle wieder besetzt hat, und zwar durch den bisherigen Rabbiner zu Czerniejewo, Herrn Jadesohn. Man kann der Gemeinde zu dieser Acquisition nur Glück wünschen, da Herr Jadesohn bei seiner Tüchtigkeit im Talmud auch den Anforderungen der Zeit genügt. Seine logisch geordneten deutschen riw'ii finden den besten Anklang. Bei seinem eifrigen Streben, jüdisches Wissen wie die neuern

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