Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1854)
- Date
- 1854-08-21
- Page
- Seite 434 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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434 verbreitete man nicht nur eine reinere Auffassung der heiligen Schriften, sondern man suchte auch den Leuten begreiflich zu machen, was Subject und Object, Nominativ und Accusativ, Mathematik und Phpsik n. dergl.ffei. Ein richtiger Takt leitete diese Reformversuche und deshalb waren sie auch mit Erfolg gekrönt. Immer mehr Jünglinge strömten zu den Gymnasien und Universitäten, und die Kenntniß des klassischen Alterthüms wurde verbreiteter, welche auch jüdische Realschulen für eine tüchtigere Bildung der Nichtgelehrten sorgten und den Wissensdrang erweckten und nährten. Die Folgen waren nun, daß man sich wieder auf die alten Schätze der jüdischen Literatur warf und wie auch in der allgemein wissenschaftlichen Welt das Mittelalter einem -neuen Studium unterworfen wurde und die historische Begründung und Entwickelung einer jeden Wiffenschäft, so wie der staatlichen und bürgerlichen Institutionen überhaupt als die sicherste Basis der Erkenntnlß erkannt war, — so unterzogen die jungen jüdischen Gelehrten die alten Schätze ihres Volkes von Neuem einer wissenschaftlichen Prüfung und Durchforschung, immer meht sie auch aus ihrer Individualität sondernd und mit dem Geiste und der Wissenschaft der Zeit ihrer Entstehung^ in Verbindung bringend. Männer, wie Jost, Zunz, Rapvport, Sachs leuchten hier als Sterne erster Große. Nach und nach werden diese Forschungen auch Gemeingut der. Wissenschaft werden. „Daß die männichfachen philologischen Disciplinen," sagt der Verfasser in der Vorrede obigen Werkes, „auch auf diesem Gebiet ihre Thätigkeit zu üben, und ihre Ernten noch zu halten haben, versteht sich eben so sehr von selbst, als es fürerst noch vergeblich ausgesprochen wird." Und in der Anm. S. 37: „Das Verdienst von A. Asher und Zunz um die Rehabilitation des jüdischen Reisenden, Benjamin von Tudela, ist am reichsten durch die Einweihung Benjamins in die Quellenschriftsteller für die Geographie des Mittelalters in Ritters unvergleichlichem Werke gelohnt. Nur in den weitläufigen Hallen solcher großfinnig angelegten Paläste der Wissenschaft, wie die Erdkunde und der Kosmos des Nestors europäischer Wissenschaft findet auch die jüdische Geistesthätigkeit eine Stelle, für die in den Handwerksbuden der Zünftler kein Raum ist/' Herr vr. Sachs sucht nun durch die in dem Werke gegebenen Erläuterungen einiger dunkler Wörter und Stellen aus den beiden Talmuden und Midraschim die Aufmerksamkeit der Sprach- und Alterthumsforscher auf dieses jüdische Schriftenthum zu richten.' Eine Menge interessanter Einzelheiten für Cultur und Leben, für Sitten und Gebrauche, für die Geschichte der Natür und der Völker, liegen in jenen weiten und tiefen Schachten geborgen und begraben. Der Verf. giebt daher keine blos trockene Erklärung, überall verwerthet er das Gefundene für die Wissenschaft überhaupt und weiset die Verbindung mit Griechen- und Römerthum nach. Aus der unübersehbaren Fülle des Stoffes hat er einige Einzelheiten mitgetheilt, an die er, wie an eine lehrreiche Beispielsammlung manche Bemerkung anreihet, die, beachtet, zn weitern Ergebniffen führen möchte. Am meisten steuert das Sprachgut der spätesten griechischen und römischen Zeit für die Erklärung bei; es gehören daher andere Mittel dazu, zur deutlichen Erkenntniß zu gelangen, als der Tertzusammenhang und die Tradition, die alleinigen Hülfsmittel der meisten Talmudjünger, von denen sogar manche griechische und lateinische Wörter wie hebräische oder aramäische angesehen und selbst ihrer Bedeutung Nach dem Semitismus vindicirt wurden.' Von ihnen wurden selbst diejenigen Hülfsmittel vernachlässigt, welche, bis jetzt erschienen, die Fremdwörter im Talmud zu erklären suchten, wie der Gründer einer Lericographie, R. Nathan ben Jechiel (11. srwe.), Elias Levita (gest. 1542), Benjamin Muffasta (1655), Menachem di Lonsano (Ans. 17. säso.), Burtorf (gest. 1629), David Cohen di Lqra (1674) und die der neuern Zeit, Bondi im Or Esther und M. I. Landau. Wenn nun vr. Sachs in dieser Schrift nicht die Absicht hatte, alle Fremdwörter zu erklären, was schon bei einem großen Theil durch die Leistungen jener Vorgänger geschehen ist, so wäre es doch wünschenswerth, daß er sich an eine größere lericographlsche Arbeit int Geiste des vorliegenden Werkes machte, etwa an eine lleberarbeitung des vergriffenen Landau'schen Wörterbnches, wodurch diesem Zweige der Literatur und der Wissenschaft ein großer Dienst geschähe und dem Studium ein reiches Hülfsmittel geboten würde. lSchluß folgt.) Anzeigen. In 3 Gemeinden meines Sprengels können sogleich 3 befähigte Elementar- und^ .Religionslehrer (ünverh.eirathet), die auch das Vorbeteramt auf anständige Weise versehen müssen, Stellen erhalten. Resiectirende wollen, unter portofreier Einsendung ihrer Qualifications - und Aufführungszeugniffe sich bei mir melden. Trier, 8. August 1854. I. Kahn, Oberrabbiner.