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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-08-07 · Heft 32 (7.8.1854) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 32 (7.8.1854)
Date
1854-08-07
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
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Leben des Judenthums nicht beharren kann, so mußte sie bei richtjgxm. Heilverfahren mit der Zeit Wieder weichen, oder doch rchnehmen. Schön tn den zwanziger Jahren trat: manches Symptom der Besserung ein. Insbesondere aber war es die »Aufgabe der „Allg. Zeit, des Judenth." und der Presse, die aus und nach dieser erstand, den Gemeinfinn unter den Juden zu wecken und zu nähren. Indem man die Kenntniß von den Zuständen der Glaubensgenossen, den inneren und äußeren, verbreitete, indem man deren Bedeutung in Helles Licht stellte, indem man gemeinsame Unternehmungen, Anstalten, Kundgebungen u. s. w. anregte und förderte, indem man die verschiedenen Richtungen in den Gemeinden als überall vorhanden, als Gesammtrichtungen nachwies, indem man Angriff und Vertheidigung als gemeinsame Akte charakterisirte, gelang es, nach und nach den Gemeinsinn zu wecken und zu erziehen. Wir könnten eine lange Reihe von Facten aus den letzten beiden Jahrzehenden aufzählen, wo dieser Gemeinsinn durchzubrechen versuchte, und endlich durchbrach. Wir können setzt wohl auf das Vorhandensein dieses Gemeinsinns Hinweisen, und wenn er auch noch lange nicht in seiner größten Energie da ist, so finden wir doch selbst schon für gemeinsame Unternehmungen in ganzen Ländern die Anfänge. Wir glauben aber nicht zu irren, wenn wir diesem erwachten Gemeinsinn für Judenthum und Judenheit die größte Bedeutung für unsere Glaubensgenoffenschaft beilegen. Die Zeit ist wohl vorbei, wo man die Existenz desselben erst rechtfertigen mußte, wo man tausend ComplimeNte und Umschweife machen, und immer wiederholt stink Humanität beschwören mußte, wenn man einen speciell-jüdischen Zweck nur zu besprechen wagte. Aber in einer Zeit, wo der cultuelle Sinn, das cultuelle Leben so schwach geworden, hat das Judenthum kein besseres Aequivalent, keine wesentlichere Stütze, als diesen Gemeinsinn. Bringen wir es uns zum Bewußtsein, daß wir auch als Juden einem großen, lebensvollen Ganzen angehören — bethätigen wir dieses Bewußtsein bald durch ein kleines, bald durch ein großes Scherflein — und fürwahr! es Ist Diel gewonnen! Als Gabe« für die Juden in Palästina find eingelaufen durch den Eorporations-Vorstand in Unruh st ad t (Karge), die Herren D. V o a s, Falk Mi ch a e l, E. S. Rothe: 11 Thlr.— durch Herrn Moritz Feist in Coblenz ans Creuznach: 13. Thlr. — durch Herrn Lehrer Ket m e n h a g e n in Tessin 5 Thlr. 20 Sgr. (nämlich die Herren H. und B. Cößmann 5 Thlr., A. Müller V3 Thlr., U. lj& Thlr., U. 5 gGr.) — von: „wer schnell giebt, giebt doppelt" 5 Fl. — durch Herrn Rabb. M. Lebrecht 25 Fl. aus Niederwerra, (die früher übersandten 30^2 Fl. waren aus Obbach.) Die Naturwisscnsch aften und der Aberglaube. II. Wir haben jüngst (Nr. 30) zu zeigen Gelegenheit gehabt, daß die Naturwissenschaften auch zum Aberglauben, oder doch Afterglauben führen. Wir bringen heute ein neues Beispiel heran. In einem Aufsätze: „untergegangene Schöpfungen und die Räthsel der Zeugungen" sagt Karl Vogt: „es will mir nach und nach so Vorkommen, als habe die Natur in einen Jeden eine gewisse Quantität dogmatischen Unverstandes hineingestopft*), der früher oder später zum Durchbruche kommt und Lücken in den Gedankengang reißt, über die man nicht hinüber kann. Schon oft habe ich mich verwundert, wie die Fahrstraßen im Gehirn so wunderbar angelegt sind **). Eine Weile hindurch geht's ganz glatt, wie auf der Eisenbahn ) hat man auf die Straße eingebogen, so rutscht das ganze Gedankenfuhrwerk wie von selbst, aber plötzlich gähnt uns ein Abgrund an — ein Riß — man schweift links ab, rechts ab, umgeht ihn zuweilen oder springt hinüber und kommt auf die andere Seite, wie der Schimmel durch die Hecken; drüben geht's wieder glatt und eben weiter u. s. f." ... Und in der That, Herr Karl Vogt zeichnet sich selbst mit diesen Worten meisterhaft ab. Wir werden sehen. *) Ei, Herr Karl Vogt, wie kann denn „die Natur" (wer ist denn die Karl Vogt'sche Natur?) „dogmatischen Unverstand" (welche elektro-magnetische Strömung ist denn das?) „hinein stopfen" (wo hinein denn?). **) Ei, Herr Karl Vogt, wer hat denn diese „Fahrstraßen" angelegt? und „wunderbar" angelegt? Es ist doch „wunderbar angelegt," daß mit dem besten Willen diese Vergötteret der Materie von der Sprache selbst aller Augenblicke sich selbst zu widersprechen gezwungen werden., und unwillkürlich anerkennen müssen, was sie eben läugnen wollen ~ — doch die Sprache ist wohl auch so eine Wurst, in welche „dogmatischer Unverstand eingestopft" ist?

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