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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-24 · Heft 30 (24.7.1854) · p. Seite 378

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 30 (24.7.1854)
Date
1854-07-24
Page
Seite 378 (sequence 10)
Language
German
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878 storben. ES ist Madame Sophie von Barbe - Marbois, Herzogin von Plaisanee, gestorben in Athen den 14. Mai. „Sie hatte uns," sagen die Arcbives, „letzten December Details angegeben, welche wir nicht veröffentlichen dürfen, die aber bis zu ihrer Geburt (2. April 1785) hinaufsteigend, uns ihre Sympathie gegen die Israeliten erklären." Den 18. Juni, sechs Uhr Abends, hat das Consistorium von Metz einen feierlichen Gottesdienst für die Ruhe der Seele dieser ausgezeichneten Dame in der Consistorialfynagoge begehen lassen. Der Großrabbine selbst hat eine Trauerrede gehalten und einen Kaddisch recitirt. Der schön erleuchtete Tempel war sehr gefüllt, der Gesang wohl ausgeführt. ES stoffen viele Thränen um die edle Christin in dem jüdischen Gotteshause. Eine ihrer letzten Handlungen war eine Dotation von 60,000 FrcS. zu Gunsten von israelitischen Ackerbaulehrlingen. — Die Arch. geben eine traurige Schilderung von den empörenden Mißhandlungen, welche sich die arabischen Zuaven bei ihrem Durchzug durch das von Truppen entblößte Algier, als sie sich nach der Türkei einschifften, gegen die dortigen Juden erlaubten, und die nur abgebrochen werden konnten, indem sie schnell aus Algier beordert wurden. Die Juden setzten sich zur Wehr, und es gab Verwundete auf beiden Seiten. Die Veranlassung war, daß wenige Tage vor der Ankunft der Zuaven ein Muhamedaner und ein junger Israelit in Streit geriethen, jener diesen schlug und dafür von dem Israeliten getödtet wurde. Das Tribunal hat diesen zu sechs Jahren Gefängniß verurtheilt, und dies schien den Muhamedanern nicht genügend. Schweden. Stockholm, im Juni. Den in Schweden geborenen Juden ist das Recht der Freizügigkeit im ganzen Lande mit 68 gegen 58 Stimmen zuerkannt worden. Die Schweiz. Endirrgen, im Juni. (Privatmitth.) Der 10. Juni, als der Tag der Installation des neu gewählten Rabbiners dahier, des Herrn Dr. Julius Fürst auS Heidelberg, war für die israelitische Gemeinde ein schöner Freudentag. Mit schönen Kränzen und sinniger Inschrift war die Synagoge geziert. Morgens 9 Uhr wurde nach Beendigung des r>^nw und einer ständigen Unterbrechung das wohlehrwürdige Rabbinat von dem tit. Bezirksamte, den tit. beiden Herren Ortspfarrern, von der tit. Vorsteherschaft und der sämmtlichen, sehr zahlreichen Jugend — die Mädchen weiß gekleidet und Blumensträuße in den Haaren — mit ihren drei Lehrern abgeholt und in die Synagoge geleitet. 'Die Behörden nahmen auf dem Almemor Platz, der Chor an den Stufen des Tabernakels; ein deutscher Choral vom gemischten Chor (vierstimmig) gesungen, eröffnete die Feier. Das tit. Bezirksamt stellte den Rabbiner der Gemeinde vor und beeidigte ihn. Mit sichtbarer Rührung legte dieser das Versprechen ab, das Heil der ihm anvertrauten Gemeinde im Sinne des Gesetzes zu fördern und ver Landesregierung Treue und Gehorsam leisten zu wollen. Nun wurde eine Motette gesungen. DeBRabbiner bestieg die Kanzel und hielt seine Antrittsrede, worin er in einem klaren, logisch wohlgeordneten Bortrage die Aufgabe der israelitischen Geistlichen trefflich zeichnete. Der populäre und dennoch edle Styl des Vortrags, Haltung, so wie sonore und kräftige Stimme deS Redners, machten einen guten Eindruck auf das anwesende Publikum, das nicht bloS auS Israeliten, sondern auch aus einer zahlreichen christlichen Zuhörerschaft bestand und während der Feierlichkeit immerfort tiefe Ruhe und Stille beobachtete. Nach der Predigt Lied rihp und rjöttt* Am Schluffe abermals ein Choral. Der Rabbiner wurde in gleicher Weise nach Hause geleitet, wie er abgeholt wurde, und dankte in paffender Ansprache, und mit kurzen Worten den Lehrern und der Jugend für ihre Bemühung am heutigen Feste. Nachmittags,, bei einfachem Festmahle, wurde von dem tit. Bezirksamte der Eintracht ein Hoch gebracht, von den Vertretern der verschiedenen religiösen Richtungen dem neu gewählten Rabbiner und allen schönen und guten Vorsätzen ein Hoch gebracht. Besonders gemüth- und sinnvoll sprach sich der ehrwürdige evangelische Pfarrer Sutermeister — ein sehr liberaler und edler Greis — auS, der dem konfessionellen Frieden, wozu er das Bild von dem Thalbache nahm, das Wort redete. Wir glauben mit Grund die Hoffnung auSsprechen zu dürfen, daß unsere Gemeinde in Herrn Dr. Fürst den würdigen Rabbi gefunden hat, der für ihre BildungSintereffen warmen Antheil nehmen und dazu beitragen wird, die religiöse, sittliche und bür-

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