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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-17 · Heft 29 (17.7.1854) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 29 (17.7.1854)
Date
1854-07-17
Page
Seite 367 (sequence 11)
Language
German
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367 dings verbindet Rawlinson mit seiner Entzifferungslust, noch eine ausgezeichnete Gelehrsamkeit, welche gewissen Hieroglyphenentzifferern abgeht — indessen Gelehrsamkeit und Scharfsinn scheitern an dem Mangel aller Tradition, welche das Band zwischen Schrift, Wort und Gedanke übergeben könnte. Zweitens halten wir es doch für eine Versündigung an der griechischen Plastik, wenn man dieser die altassyrische an die Seite stellen wollte. So weit die letztere bereits über die ägyptische hinaus ist, so weit ist sie noch hinter der griechischen zurück. ES ist ein sehr willkommenes Mittelglied, aber mehr nicht. Die ägyptische Knechtschaft ist gebrochen, aber die hellenische Freiheit noch nicht gewonnen. Man ist in der assyrischen Kunst immer noch nicht zum reinen Menfchenthum angelangt; es ist noch immer die Narurgottheit, die man in die Form zwängen will, während die hellenische Kunst nichts weiter als — den Menschen will, den idealen Menschen. Doch statt allen Raisonnements geben wir lieber eine kurze Schilderung dessen, was wir gesehen. 1) Zunächst erblickten wir ein Basrelief, auf welchem ein Zug von Pferden mit Männern, die allerdings eine sehr lebhafte Physiognomie zeigen. An den Pferden bewundert man die schon sehr genaue Muskulatur. Die Haare und der Bart der Männer sind sehr regelmäßig gelockt, was jedoch jedenfalls Tracht der Assyrer war, nicht Mangel der Kunst ist; über Schulter und Rücken fallt eine Art Fell, das richtig ausgedrückt ist. 2) Ein großes, sehr merkwürdiges Basrelief, indem eS ein Gewässer vorftellt mit Schiffen bedeckt. Es versteht sich, daß von Perspective keine Rede, sondern daß ein Schiff über dem ändern steht. Die Wellen find durch krause Linien angegeben. Die Schiffe haben schön gearbeitete Köpfe an der Vorderspitze; das eine hat vier Ruderer, darüber eines mit fünf Ruderern , die Ruder aus Brettern bestehend, in welche' schief ein starker Stab steckt; darüber ein Schiff mit einem Zelte, worunter Personen fitzen, und dann wieder Schiffe, auf denen Männer stehen. Mitten zwischen diesen Schiffen stehen im Wasser geflügelte Stiere mit Menschenköpfen, der eine mit einer Krone. 3) Ein Kasten mit kleinen Piöcen. Z. B. Stücke von Kämmen, oben weit, unten eng , mit eingeschnitzten Figuren, nämlich ein Mann, ein Stier und darunter Hunde; dann ein Kamm, in der Mitte ausgeschnitzt, ein wunderschöner kleiner Löwe aufrecht stehend; Broncefiguren, Bronceschalen vergoldet mit Figuren und Schrift, in der Mitte eine Sphinx; Köpfe mit wunderschönen und charakteristischen Zügen, portraitartig. 4) Ein großes Basrelief mit zwei bewaffneten Figuren, die eine trägt einen mit Rädern versehenen Sitz auf der Schulter, die andere die Stange davor; an den Beinen ist die Muskulatur sehr stark ausgeprägt, und zwar am schreitenden und stehenden Beine verschieden^ 5) Ein großes Basrelief, welches das Vorhergehende erweitert enthält; denn während in der Mitte sich dieselbe Gruppe mit dem Sitze zeigt, geht hier eine bewaffnete Figur voran, die in jeder Hand einen mit einem Thierkopf verzierten Schlauch trägt, und es folgen zwei bewaffnete Figuren mit in einander gelegten Händen; von diesen fünfen find drei ohne Bart, einer mit gestochtenem, und einer mit sprossendem Barte. 6) Ein Hautrelief übercolossal, eine Figur, in einem Arm einen Löwen, den sie lächelnd erdrückt, in der andern Hand den Kopf einer Schlange. 7) Unstreitig das bedeutsamste Monument, in der ganz eigenthümlichen Weise, daß es auf beiden Seiten Hautrelief, vorn aber frei gearbeitet ist. Es stellt einen Stier mit Menschenkopf, Tulbund und Krone in übercolossaler Größe dar. Die eigenthümliche Composition macht es denn, daß man auf jeder Seite vier Füße sieht, und der Stier, der vorn mit der Brust frei ausgearbeitet ist, wieder zwei Füße zeigt. Auch diese Beine des Stieres haben eine sehr stark ausgeprägte Muskulatur und besonders sehr stark ausgeprägte männliche Geschlechtsglieder. 8) Ein Basrelief mit sehr eigener Gruppe. An der Seite ein Krieger mit Bogen und Schwert, in der Mitte ein König mit vier entfalteten Flügeln, (wie ein Seraph), in der linken gesenkten Hand einen Schlauch, in der rechten erhobenen eine Frucht haltend; ihm zur Seite zwei Figuren, von denen die eine mit einem Ziegenbock auf dem linken Arm, und in der rechten gesenkten Hand eine Blume, die andere die Rechte wie schwörend in die Höhe hebend. 9) Ein Basrelief mit fünf Figuren. Voran ein Krieger, den folgenden zugewandt; dann der König mit dem Zepter, die linke Hand auf dem Schwerte, noch rothe Farbe am spitzen Tulbund zeigend (wie man an mehreren dieser Steinwerke noch Spuren von Farbe sieht); hieraus, wie es scheint, ein Priester an einem Altar, und dann zwei mit großen Schalen; der Priester hat,, wie der König, gelocktes Haar und Bart, 'während die beiden Träger ohne Bart find, auch die drei außer König und Priester eine Art glatter Kopfbedeckung haben.

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