Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1854)
- Date
- 1854-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Jahrgang. Allgemeine k. . o JW 29. gk»Vf-fl SV Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her au sgeg eben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 17. Juli 1854. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und'wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben,. ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate— 22'/a Ngr. (18 gG.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der Evnflict im Orient keine Calamitat, sondern eine reichhaltige Quelle des Heils in den Händen der Vorsehung. Von vr. M. Stern. — PhilonischeJdeen ührr Gottesverehrung. Von vr. Wolfs. — Gaden für die Nothleidenden in Jerusalem. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M. Preußen: Stolp, Berlin, Berlin, Breslau. Oefierreichischer Kaiserstaat: Wien,Kanitz. Correspondenz: Magdeburg. Pariser Skizzen. VII. Leitende Artikel. Bützow, 3. Juli. Der Confliet im Orient keine Calamitat, sondern eine reichhaltige Quelle des Heils in den Händen der Vorsehung. Der treffliche, dem edlen, versöhnlichen Gemüthe Josephs entquollene Ausspruch (6ene8. 50, 20): „Ihr habt eS zwar böse mit mir gemeint, Gott aber hat es zum Guten gelenkt rc.," ein Trosteswort für Alle, die unter der Gewalt des Stärkeren zu leiden haben, jedoch der weisen göttlichen Weltregierung fest vertrauen; er soll, wie schon so vielfach in der Geschichte der Menschheit, allem Anscheine nach sich auch in der Gegenwart wieder auf's Vollkommenste bewähren. — Rußland hat (wie vor Aller Augen klar zu Tage liegt, die sie nicht absichtlich verschließen, um nicht zu sehen) mit seinen Schritten gegen die Türkei nicht, wie es nach Innen und Außen vorgab, blos der griechisch-orthodoren Kirche hülfrcichen Arm leihen, sondern vornehmlich die Intentionen zur Ausführung bringen wollen, die bereits seit dem vorigen Jahrhundert zur feststehenden Norm seiner Diplomatie geworden, und seine Uebermacht über alle anderen Staaten, die sich bisher schon so überaus fühlbar gemacht, für alle Zeit sichern sollten. Die Devise: „divide et impera“ an der Spitze all seiner Handlungsweise, glaubte es mit Leichtigkeit an's Ziel seiner Wünsche zu gelangen , doch „der Herr hat die Pläne der Klugen vereitelt, sie in ihrer Lisi gefangen, daß ihr Rathschluß sich als übereilt erweist" (Hiob 5, 12. 13); die drohende Gefahr wohl ermessend, haben nicht nur die seit Jahrhunderten einander feindlich gegenüber stehenden Wesimächte (etwas kaum für möglich Erachtetes!) ein festes Bündniß zu ihrer Abwehr geschlossen, sondern ergriffen auch die bisherigen treuen Alliirten Rußlands mehr und mehr Partei für die gerechte Sache, und stehen eben auf dem Punkte, dem Worte nun auch die That auf's Nachdrücklichste folgen zu lassen. — Ist dieser Verlauf der Ereignisse nun ein unberechenbarer Gewinn für die europäischen Staaten und Völker, ja für die gesammte Menschheit, so dürfen wir Israeliten uns dessen sicherlich ganz besonders freuen. Denn, abgesehen von der höchst zweifelhaften Emancipation der Inden (gleich den Christen) im türkischen Reiche, wird doch wohl jedenfalls der hemmende Einfluß, den Rußland stets hinsichtlich unserer Gleichstellung im übrigen Europa ausübte,