Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1854)
- Date
- 1854-07-10
- Page
- Seite 355 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Tage zu leihen, und., mögen auch die Noten., wenn Herr Munk das Augenlicht behalten hätte, noch reichhaltiger ausgefallen sein, es ist ein bewunderungswürdiges Werk des Kleißes und des Scharfsinns, der Gelehrsamkeit und eines enormen Gedächtnisses. Die Kritik des Tertes und Wortstnns ist sehr scharfsinnig, die Ueberfetzung klar und treffend, die Anmerkungen inhaltreich. Man kann sich denken,- welche-Mühsal zu überwinden ist, um in solcher Arbeit vorwärts zu kommen. Denn — überraschender Weise genug— es sind in ganz Paris kaum zehn Männer, die sich ernsthaft mit orientalischen Studien beschäftigen. Herr Munk findet daher selbst zur Mechanik seiner Arbeit wenig Hülfe und muß sich eures Seeretairs bedienen, der nur sehr oberflächliche Kenntnisse hat. So muß er sich die Correctur. des Tertes vorbuchstabircn lassen. Manchmal nimmt eine Note, wenn einige Bücher nachzuschlagen sind, einige Tage in Anspruch.... Als ich einmal bei ihm verweilte, während er noch mit einem Andern zu verhandeln hatte, sprach er zu mir: „Bitte, hier äst meine Bibliothek zu Ihrer Disposition, aber um Gottes willen stellen Sie jedes Buch wieder dahin, wo es gestanden, sonst Lin ich rein verloren...." Munk erzählte mir Vieles besonders aus der Reise nach Alerandrien wegen der Damasker Angelegenheit. Er hatte .diese Reise mit Cremieur gemacht, während Dr. Löwe den Sir MoseS Montefiore begleitete, jedoch so, daß Munk ganz selbstständig war. Wie traurig der Zwist war, der schon in Marseille ausbrach, indem Montefiore durchaus den Vorrang haben, und Crömieur als bezahlten Advocaten behandeln wollte! DaS Neckischeste oder Ernsteste, wie man will, war Folgendes. Das Einzige, waS die Gesandtschaft bewirkte, war der Erlaß eines Firmans, durch welchen die Damasker Gefangenen befreit und in integrum versetzt werden sollten. Der französische Consul in Alerandrien bewirkte, daß in dem Firman als Beweggrund stand „aus -Gnade und Barmherzigkeit." Dieser Firman sollte Abends — es war ein Sonnabend — abgehen, und als sich Munk und Löwe früh beim ägyptischen Regierungssecretair befanden, zeigte ihnen dieser den Firman. Löwe sagte nichts. Munk aber, der kein Türkisch versteht, ließ sich denselben in's Arabische übersetzen, und nachdem er die betreffenden Worte gehört, eilte er sofort zu Cremieur, um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß mit den gedachten Worten der Firman den nachtheiligsten Einfluß ausüben würde, denn damit wäre die Schuld der Juden erst recht und officiell ausgesprochen. Da warf sich Crömieur in sein Advocatenkleid, und — um den Juden in Alerandrien keinen Anstoff zu geben — ging zu Fuß in der glühendsten Sonnenhitze durch die ganze Stadt nach dem Palaste Mehmed Ali's, erhielt eine Audienz, protestirte mit dem größten Nachdruck wider die gedachten Worte und erhielt deren Ausstreichung und Ersatz durch die Worte: „aus Recht und Gerechtigkeit." Noch denselben Abend ging der abgeänderte Firman .ab. Als am andern Morgen der französische Consul dies erfuhr, war er wüthend. Sir Moses war aber auch sehr entrüstet, daß man dies ihm nicht überlassen, während er doch um nznz: nicht fahren konnte, und er nie anders eine Audienz annahm, als in einer Caroffe mit zwei Vorreitern. Bald darauf trennte sich die Ambassade. Wie bedauerte Munk, daß diese Störrigkeit die Reise nach Jerusalem und Damaskus verhinderte! Vor: dem arabischen Moreh Nebuchim, zu dessen ganzem Druck die Mittel bereit sind, sollen die vorzüglichsten jüdischen Gelehrten, da der Preis auf 15 Thaler kommen wird, ein Freieremplar erhalten. Man erwartet, und mit Recht, daß das Studium des Arabischen..gerade durch diese Ausgabe bei den jüdischen Theologen sich, sehr heben werde. Schade ist nur, daß Munk -keine kritische Ausgabe dvr hebräischen Ueberfetzung TibbonS hinzufügen kann, da hieran es bekanntlich noch gänzlich fehlt. Il rr z e i g e n. Die hierorts vacant gewordene Rabbinats- und Predigerstelle mit einem feststehenden jährlichen Gehast von 450 Thlrn. soll nunmehr besetzt werden. Diejenigen Herren Prediger., re.sp. Doctoren, welche durch vollkommene Promovirung dieses theologische Fach studirt, aber auch in talmudistischer Wissenschaftlichkeit die Rabbinatsstuse erlangt haben, wollen unter portofreier Einreichung ihrer Universitäts- und Rabbinatszeugniffe fich beim Unterzeichneten Vorstande melden. Reiseerstattungskosten für abzulegende Probepredigten bleiben unberücksichtigt. Sch we tz an der Weichsel, den 2. Juli 1854. Der Syuagogeuuud Gemeinde-Vorstand S. Grunrnach. Ich suche zu Michaelis d. I. bei 4 Knaben im Alter von 6— 12 Jahren einen Hauslehrer mosaischer Religion, welcher gründlichen Unterricht im Deutschen und Französischen ertheilen kann; angenehm wäre es auch, wenn derselbe Unterricht auf dem Fortepiano giebt. Hierauf Reflectirende wollen sich baldigst in portofreien Briefen mit Angabe ihrer Bedingungen an mich wenden. Schwaan in Mecklenburg, Juli 1854. Joseph MareuS.