Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1854)
- Date
- 1854-07-10
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Der Herr Oberrabbiner Kahn in Trier bemerkt bei Uebersendung seiner Sammlung, daß sein Bezirk ganz nach dem von uns in Nr. 24 gegebenen Plane in Zukunft verfahren werde; eben so Herr Prediger Edler in Minden. Herr Landrabbiner Herrheimer in Bernburg hat am nbtö 's 'lö eine treffliche Predigt „die Hülfsleistung für die Juden im Orient" gehalten und erscheinen laßen, deren Ertrag (3 Sgr.), so wie die aus den in seinen Gemeinden erstehenden Caffen zur Bildung junger, türkischer Juden zugehenden Beiträge er uns zukommen lassen wird. In der Predigt zeichnet der Redner zuerst daS warme Interesse, welches wir stets für den Orient in uns tragen, und erörtert alsdann auf Grund von Psalm 122, 6 — 9 die drei Fragen: Wozu? warum? und wie? sollen wir unfern orientalischen Glaubensgenossen zu Hülfe kommen. In der Beantwortung der zweiten Frage spricht der Redner unter Anderm: „Es muß endlich drittens auch die Erhaltung und Ehre des Judenthums uns antreiben, kräftig und einmüthig unfern Brüdern im Orient Hülfe zu leisten, und so das Judenthum nach Innen zu beleben, nach Außen zu heben. Ach, es herrscht in Israel eine erschreckliche Gleichgültigkeit, Kälte und Unempfänglichkeit für jüdische Religionsinteressen, für jüdisch gemeinnützige Angelegenheiten. Wohin soll es kommen, wenn solche religiöse Erschlaffung der Gemüther fortdauert, solche Zerfahrenheit der Gemeinden zunimmt? Was hilft es/ wenn man hie und da innerhalb der einzelnen Gemeinde eine Synagoge erbauet, das unstchtbare „Haus des Ewigen, unsres Gottes" aber, den Tempel jüdisch religiösen Glaubens und Wirkens verfallen läßt, für das Gemeinsame des Judenthums außerhalb der Gemeinde keinen Sinn hat? — „Ich erhebe meine Augen zu den Höhen; woher wird Hülfe kommen?" (Ps. 121.) Etwa von der Höhe einer geistlichen oder weltlichen Macht, die „mit starker Hand und auSgeftrecktem Arme" den religiösen und Gemeingcist weckt und psiegt, die Zersplitterten für das Noththuende vereinigt? aber eine solche ist ja in Israel nicht. — Israel, hilf dir selbst, so wird dir Gott helfen! Erwecket in euch das jüdische Herz, zeiget, daß die Funken der Liebe und Anhänglichkeit für Relizu gleicher Zeit für die Abgebrannten in Zempelburg gesammelt worden, daß in Lauenburg Kinder aus ihren Sparbüchsen beitrugen, daß in Belgard, in der kleinen Gemeinde, durch den Vorsteher, den durch Herz und Geist, durch Wissenschaft und ächte Frömmigkeit ausgezeichneten Herrn M. G. Lewy verhältnißmäßig viel beigesteuert wurde. gion und Judenthum noch nicht in euch erloschen, beweiset, daß in Israel noch frisches Leben) alte Opferfähigkeit, die Mächte der Eintracht und Begeisterung' vorhanden sind, wo es gilt, für das Allem eine Gutes zu stiften, wo es gilt, einen Theil der Judenheit von leiblichem und geistigem Untergang zu retten, ihn den Schlingen ftevler Religionshändler zu entreißen, das Panier des JudenthumS im Orient nicht sinken zu lassen, und so unserm erhabenen israelitischen Berufe gemäß zu Wp, zur Heiligung und Verherrlichung des göttlichen NamenS zu wirken! O wie segensreich wird eS für die innere neue Kräftigung des Judenthums sein, wenn wir uns so unsres großen Berufes und der lebendigen Kraft bewußt werden, die wir daran setzen! Wie muß das Band des Glaubens, das das zerstreute Israel noch zusammenhält, durch solche Werke, durch solche neue Fäden der Einheit und Einigung wieder fester sich schlingen! Wie muß es in den Augen der Völker dem Judenthum zur Ehre und Anerkennung-gereichen, wenn seine Bekenner zu solchen Werken der Wohlthätigkeit, der Pietät, der GlaubenSerhaltung wie Ein Mann opftrbereit zusammenstehen! — Wer weiß, Andächtige, ob in der Alles wunderbar verkettenden Hand der Vorsehung die diesjährige furchtbare Theuerung, Hungersnoth und politische Verwirrung im heiligen Lande nicht eben Israel zum gründlichsten Heil nach Innen und Außen dienen soll! „Verborgene Dinge find des Ewigen, unsres Gottes, aber das Offenbare ist unser und unsrer Kinder" (5 Mos. 29, 28). — Im dritten Theile empfiehlt Herr Dr. Herrheimer: „So lasset uns denn nur rasch Sammlungen veranstalten, daneben aber auch den Gemeindevorstand eine feststehende Gemeindeauflage oder eine besondere Casse aus fortwährenden freiwilligen Beiträgen zum Besten der Juden im Orient bilden. In diese wöchentlich mindestens Etwas, wenn auch die allerwinzigste Gabe zu spenden, verpflichte sich Mann, Weib und Kind. So werden die Betheiligunzen leicht und dadurch allgemein, dauernd und erfolgreich, und Frauen, Söhne und Töchter daran gewöhnt, nicht wie einst beim goldnen Kalbe alles Gold und Silber dem Götzendienst der Mode und Vergnügungssucht, sondern auch etwas dem heiligen Dienst der Wohlthätigkeit und des Judenthums zu weihen." In Dessau hat sich ein „Comits für Unterstützung der nothleidenden Juden in Jerusalem" gebildet und mit Erlaubniß der Herzoglichen Regierung ein dringendeskräftiges Ausschreiben erlassen. Unser Programm über die Erziehung junger türki-