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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-03 · Heft 27 (3.7.1854) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 27 (3.7.1854)
Date
1854-07-03
Page
Seite 342 (sequence 12)
Language
German
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342 von St. Louis und viele andere den rechten Gtadttheil umsäumen, während das Hotel 6e vieu mitten in der Lite liegt. So erhebt sich der berühmte Kirchhof des Pere Lachaise im Osteyder Kirchhof du Sud im Süden, und der Kirchhof Montmartre im■ Norden. Ueberflüssig wäre eS, zu bemerken, daß endlich die Industrie nicht allein jedes Viertel, jeden Bezirk, sondern auch fast jede Straße so mit Allem, was zum Leben gehört, versehen hat, mit Verkaufsläden und gewerblichen Anlagen aller Art, daß getrost jede Straße für sich bestehen könnte, ohne in Etwas Mangel zu leiden. Daß dieselbe Industrie dann aber wieder das Bedürfniß fühlte, sich an einem Platze wie an einem Mittelpunkte heimisch zu machen, wo dann die größten und kleinsten Bedürfnisse in reichster und lururiösester Weise beftiedigt werden können, läßt sich voraüssetzen. Früher hätte sie hierzu ihren Thron lediglich im Palais royal äufgeschlagen,. dessen ein ungeheures Viereck einschließende Arkaden zahllose der kostbarsten Verkaufsläden enthalten. Dann aber verpflanzte sie sich auch auf die Boulevards, auf denen der ungeheure Menschenstrom stets hin und her wogt, und von denen sie noch Platz hat, in die großen Nebenstraßen sich zu flüchten, welche auf die Boulevards; münden, und daselbst ungeheure, marmorbetleidete und glasbedachte Passagen?anzulegen und anzufüllen. Es giebt keinen prachtvollem und keinen unterhaltendem Spatziergang, als am Abend, wenn Hunderttausende von Gasflammen in den Verkaufsläden brennen und die Waaren in künstlichste Beleuchtung stellen, auf den Boulevards und in den Arkaden des Palais royal zu lustwandeln und die Schätze der industriellen Kunst zu bewundern — eine allabendliche Illumination, wie sie keinem Kaiser schöner gezündet werden-kann. Aber der organisatorische Geist ruht nicht, und wie er erst alle einzelnen Theile bis in's kleinste Aederchen hinein versorgt, dann wieder sich einen Mittelpunkt, ein allgemeines Reservoir, ein Herz, schafft, so will er dann wieder jedem großen Theil ein solches Reservoir schaffen, und bald werden^ die Arkaden der rue Rivoli dem Palais royal und den Boulevards einen neuen Rival geben. — — Aber noch einen zweiten Gedanken wollte ich aussprechen, nämlich: man kennt den kleinlichen Charakter, den die französischen Kunst-Schöpfungen im Allgemeinen haben, die alt-französische Tragödie, die alt-französische Baukunst, wie ganz besonders die alt-französische Gartenkunst. Ich setze absichtlich „alt" zu „französisch," denn ich will mir doch über alles Neuere unserer Nachbarn kein Urtheil anmaßen. Wer, der einmal eine Gartenanlage von 1e Nötre gesehen, konnte sich des Lächelns erwehren, über diese abgezirkelte Symmetrie, über diese wunderlichen Figuren, Arabesken, Schnörkeleien, in die die Beete, Voskets, Wege, Gebüsche gezwungen sind, und wo ein Theil dem andern so ängstlich entspricht? Und doch — stelle Dir dieses selbe kleinlich Symmetrische in ungeheurer Fülle, in unübersehbaren Dimensionen vor, und es erhalt den Charakter deS Erhabenen, des Ueberwältigenden, Hinreißenden, Großen. Ja, noch mehr, Du fühlst in Deinem Menschenherzen dar? über ein eigenes Entzücken,/ eine ganz besondere Befriedigung,-dieses menschlich Gedachte in so riesiger Größe vor Dir zu-sehen, daßan Verständniß so Leichte und Uebersehbare durch die ausgedehnte Ausführung so bedeutend, so— genial zu finden, daß dieses Gefühl Dich ganz überrascht. Wenn Du auf der Höhe der großen Marmorterrasse an der Hinterfrynte des Versailler Schlosses stehst, und/blickst' über die mannichfaltig gekräuselten Beete und Bassins zu Deinen Füßen,-und immer weiter solche und in der Ferne noch, und dann zuletzt die viereckigen Teiche mit wundervollem Spiegel , und Pappelreihen, und dahinter die. schimmernden Wiesen und ganz am Horizont den lieben, lieben Wald, und bis dahin Alles nach-bestimmten Gedanken und mythologischen Prämissen in. mathematisch genauer Symmetrie.geordnet und zurecht gebracht, .jedes Waffertröpfchen und jedes Sandkörnchen gezählt, gemessen und bedacht — fürwahr! es sind keine Alpen mit himmelhohen Gletschern und höllentiefen Schluchten — es ist auch kein Meer mit seinem Wogenschwall — es ist auch kein Münster und Dom, hinaufragend in wilder Romantik mit zahllosen Thürmchen und Knäufen und dennoch ist es groß und entzückend, fast erhaben durch die Fülle der sich weiter und weiter dehnenden Zirkel und Quadrate — Niemand wird den Anblick je vergessen oder vergessen wollen, auch wenn die Wasser nicht springen, wie es mir erging.... Nebenbei kann man in der That Ludwigs XlV. ganz eigenthümliche Größe nur in diesen seinen Schöpfungen begreifen, und trotz Allem , und bei aller Unliebsamkeit muß man . ihn doch groß nennen.... Ganz dasselbe empfindet man, wenn - man im Schlosse das Museum betrachtet, welches -Ludwig Philippe zusammengetragen und geordnet hat, dieses Museum allein der Geschichte — nein, nicht, der Geschichte, sondern, der „Gloire" der französischen Nationgewidmet. Denn Alles, was irgendwie einen Schatten auf diese geworfen hat — und das ist doch wahrlich nicht wenig — eine Niederlage, ein verlorener. Feldzug, eine Bartholomäusnacht, istausgeschieden geblieben. Nur Siege, nur Großthaten gemalt und

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