Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1854)
- Date
- 1854-06-26
- Page
- Seite 322 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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322 wie sie früher gebraucht wurde. ES denkt auch kein Mensch daran. — Die hiesige Gemeinde feierte diese Woche beider Hochzeit der Tochter des Herrn Predigers Mannheimer ein wahres Familienfest mit demselben. Der Tempel war schon lange nicht so gefüllt. Auch die in die Landhäuser Ausgewanderten fanden sich ein. — Mit vielem Interesse lesen wir hier Ihren Reisebericht, undwünschen nur, daß Ihnen Wien bald den Stoff böte. — Wien, 16. Juni. (Privatmitth.) Vorige Woche feierte im Kreise seiner Freunde Herr Josef Wertheimer seine silberne Hochzeit. Es kann nicht meine Absicht sein, bei dieser Gelegenheit das Wirken dieses ManneS zu beschreiben. Von ihm gilt daS Wort des Propheten: „Ich will ihnen geben in meinem Hause und in meinen Mauern Antheil und Namen, besser denn Söhne und Töchter; einen ew'gen Namen gebe ich ihnen, der nie vertilgt wird." — Die Schöpfungen? die derselbe hier in'S Leben gerufen, werden für ewige Zeiten fortdauern. Nicht blos seine Glaubensgenossen, für die er ein wahrhaft warmes Herz hat, haben ihm Vieles zu verdanken; er hat sich um Wien im Ganzen und dadurch um Oesterreich verdient gemacht, daß er die Kinderbewahranstalten hier anregte und einführte. Es gehört nur die außerordentliche Bescheidenheit dieses Mannes dazu, wenn bisher daS Verdienst von Seite des Monarchen noch keine Anerkennung gefunden hat. — Ich kann aber auch seiner Gattin nicht vergessen. Sie gehört zu den wahrhaften nvijpiit tpn». Sie reicht nicht bloS die Gabe, sondern sie verschmäht eS nicht, in die Hütten des Elends zu steigen und mit eigener Hand den Jammer zu lindern. Erlauben Sie mir noch, den Wunsch auszusprechen, es möge dem Paare gegönnt sein, ferner wohlthuend zu wirken,. Heil und Segen zu spenden. Prag, 16. Juni. (Privatmitth.) Ich sollte Ihnen eigentlich fiber den Empfang des Kaisers berichten; aber da die Juden nicht für sich als religiöse Genossenschaft eintraten, so hätte ich blos über die allgemeinen Festlichkeiten zu schreiben und diese werden wohl die Leser dieser Zeitung auS andern Blättern erfahren. Hingegen aber freut es mich, Ihnen sagen zu können, daß Se. Majestät die Werkstätte des jüdischen Schusters Busch besucht hat. Dieser hat erfunden, Stiefeln durch eine Maschne anfertigen zu lassen. Der Kaiser war anwesend bei der Anfertigung eines Paares, welche blos einige Minuten dauert und sprach sich sehr.gnädig darüber aus. Herr Busch liefert auch für daS Militair die Fußbegleitung. Unter den Schenkungen von Seite der Kaiserin befindet sich auch eine für das jüdische Spital, welches dieselbe bedacht hat. Es dürften auch mehrere Israeliten mit Orden ausgezeichnet werden/ da der Kaiser industrielle Etablissements von Juden besucht hat. In Brünn wurde Herr Mar Gomperz Ritter des Franz-Joseph-Ordens. Nun aber zu einer andern Angelegenheit. In der Nähe von hier befindet sich die Kreisstadt Gitschin. In dem Spitale lag ein jüdisches Mädchen schwer krank und dieselbe bat den Arzt, sie wolle ihren Rabbiner sprechen und vor dem Tode ihr Herz erleichtern. Der Rabbiner wurde nun ersucht, die Kranke zu besuchen und ihr religiösen Trost zu bringen. Doch derselbe schlug dieses ub und meinte, beim Juden gebe eS kein „Versehen" u. s. w. Die Kranke aber konnte dadurch nicht beruhigt werden und der Spitalarzt begab sich zum Rabbiner und bat ihn, er möchte doch die Kranke besuchen. Doch vergebens. Die Sterbende bat nun um den katholischen Geistlichen. Derselbe kam, erklärte aber derselben, daß er ihr nichts nützen könne, indem sie nicht zu seinem Glauben sich bekenne. Ich kann nun nicht sagen, was der Geistliche ferner mit ihr gesprochen hat; aber daS Mädchen ließ sich taufen, legte dem katholischen Geistlichen die Beichte ab und starb. — Ich habe zu diesem Factum, wie es mir so eben aus ganz glaubwürdiger .Quelle mitgetheilt wird, nichts hinzuzusügen. Im Allgemeinen möchte ich mir nur erlauben zu bemerken, daß es Zeit wäre, die Angelegenheiten bei Sterbenden zu ordnen. Die Schewra Kadischa allein genügt da nicht. ES sind das meist Leute, die abgehärtet, öfters roh sind; eS wäre das allenfalls Sache der jüdischen Geistlichen. — Lemberg, 7. Juni. (Privatmitth.) Die Herren Abraham MiseS und Samuel Kohn find zu Gemeindevorstehern erwählt worden; und man giebt sich der Hoffnung hin, daß es deren Thatkraft und gemeinnützigem Eifer gelingen wird, den durch den Tod des Herrn Isaak Rosenstein verursachten Verlust zu ersetzen. Vorgestern sind den neuen Vorstehern vom