Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1854)
- Date
- 1854-06-19
- Page
- Seite 308 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hannover, den 22. Mai.Privatmitth.) Seit meiner^ jüngsten Correspondenz ist hier nichts von Bedeutung vorgekommen, das einer öffentlichen. Erwähnung würdig wäre, es sei denn etwa, daß den technischen Fähigkeiten des Herrn Banquier Adolph Meyer in so fern die wohlverdiente Anerkennung zu Theil geworden ist, als der hiesige Gewerberath demselben für die Erfindung der besten Drainmaschine den ersten Preis von 200 Thalern zuerkannt, welche Summe Herr Meyer aber sogleich, unter seine Arbeiter vertheilt hat. Außerdem wäre aus der jüngsten Zeit auch noch zu erwähnen, daß von dem Ertrage eines zum Besten der hiesigen Armen hierselbst veranstalteten Maskenballs von Seiten der die Vertheilung desselben leitenden Commission der jüdischen Armencasse 100 Rthlr. zugestellt worden sind, eine Summe, welche bei weitem großer ist, als der Betrag, auf welchen die hiesige Judenschaft im Verhältnisse zur gesammten Einwohnerzahl der Stadt hätte Anspruch machen können. — Als Beweis, wie sehr sich die hiesigen Juden das Vertrauen ihrer christlichen Mitbürger immer mehr zu erwerben wissen, darf auch noch angeführt werden, daß bei den jüngsten Wahlen zu den Ehrenposten in. der hier noch bestehenden Bürgerwehr wiederum ein Jude- Herr Fellhändler M. BehrenS, zum Hauptmann erwählt worden ist, einem Range, den ein anderer Israelit, der genannte Herr Banquier Adolph Meyer, bereits seit längerer Zeit bekleidet. Sie wissen, daß unsere Stände, obwohl augenblicklich vertagt, in wenigen Tagen wiederum zusammen treten werden. ES war voraus zu sehen, daß denselben dieses Mal über VerfaffMgsänderungen keinerlei Vorlagen gemacht werden würden, und in dieser Voraussetzung hat man sich denn auch nicht getäuscht. Somit wäre den Israeliten unseres Königreichs der ungeschmälerte Besitz der vollen Emancipation wiederum wenigstens auf ein Jahr gesichert, und es ist überhaupt von Seiten unsers vorurteilsfreien Ministers des Innern, mündlicher Aeußerung zufolge, nicht zu erwarten, daß er zu beschränkenden Maßregeln gegen die jüdischen Unterthanen des Königreichs feine Zustimmung geben werde. Wir verfehlen nicht, bei dieser Gelegenheit mit dankbarer Anerkennung das überaus freundliche Erwiederungsschreiben der Regierung zu! erwähnen, welches nach den. von dem hiesigen und Hildesheimer Landrabbiner in Beziehung auf Schul- und Cultusangelegenheiten gemachten Vorschlägen den genannten beiden Herren zugegangen ist, in welchem sich die Regierung überall in Betreff der Bestrebungen derselben höchst anerkennend äußerr und selbst da, wo sie deren Ansichten und Vorschläge nicht für zweckmäßig hält, sich nicht damit begnügt, dieselben abzuweisen, sondern in freundlichster Weise das der Ausführung jeller Vorschläge Entgegenstehende auseinandersetzt und ihre eigenen Ansichten motivirt. Es würde sich wahrlich schon um des Gegensatzes zu andern, die 'jüdischen Angelegenheiten gleichgültiger behandelnden Regierungen willen löhnen, dieses Schreiben hier in seiner ganzen Ausdehnung mitzutheilen, wenn dasselbe nicht so umfangreich, weil auf jeden Punkt speciell eingehend, wäre. Eine solche Berücksichtigung jüdischer Angelegenheiten von Seiten der Regierung aber verfehlt -auch nichtden erwünschten Eindruck auf andere Behörden- und die Juden unseres Königreichs haben sich nicht wie anderwärts darüber zu beschweren, bei geeigneter Gelegenheit übergangen oder gar zürückgesetzt zu werden. So fand am 3. d. M. Hierselbst die Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes für das Lyceum und die höhere Bürgerschule statt, eines Gebäudes, wie eS wohl kaum noch eine andere Stadt Deutschlands zu Schulzwecken errichtet hat, und es wurden zu jener- Feier magistratsseitig außer dem Landrabbiner auch noch die Herren Oberlehrer vr. Frensdorfs und Dr. Wiener geladen. Am 8. des künftigen Monats.findet hier die zweite Conferenz der Landrabbiner des. Königreiches stattzu welcher den auswärtigen Rabbinern von. Seiten. der Negierung die Reisekosten und zwei Thaler Diäten für den Tag bewilligt sind. Die Conferenz wird im Ganzen drei Wochen dauern und. die Besprechungen in derselbenwerden insbesondere - die. Ausführung - der auch in . diesen Blättern bereits im Auszuge mitgetheilten Schulordnung für die jüdischen.Schulen des Königreichs vom 5. Februar d, I., die Einführung einer Synagogenordnung für särnrntliche Synagogen unseres Landes und endlich eine zweckmäßige Verwendung der von den Ständen'jährlich zur Förderung her jüdischen Interessen bewilligten 1500 Thaler zum-Gegenstände haben. Um die Bedürfnisse. der jüdischen Schule besser berücksichtigen und ihren gemeinsamen