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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-12 · Heft 24 (12.6.1854) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 24 (12.6.1854)
Date
1854-06-12
Page
Seite 303 (sequence 11)
Language
German
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lich der Rabhinerfrage der hiesigen Gemeinde, wurde der hiesige Gemeinde-Vorstand hierorts von der zu erneuernden Rabbinerwahl verständigt und somit über die Annullirung der ersten Wahl mittelbar inKenntniß gesetzt. Die Wahl wurde auf den 10. Mai.festgesetzt und auch wirklich am bestimmten Termine in der strengsten Ordnung vorgenommen. Als. Resultat ergaben sich 147 Stimmen für den Dr. Igel und 34 Stimmen gegen denselben. Dieser Tage wird auch die Beeidung des neuen Rabbiners stattfinden. Großbritannien. London, im Mai. So ist denn diesmal die Judenbill schon im Unterhause gescheitert.. Daß sie dies vermochte, ist der Geschicklichkeit des Lord John Ruffel zu verdanken, welcher sie in eine Aufhebung des EideS, der gegen eine päpstliche Suprematie in England gerichtet ist, eingeschachtelt hat. Geben wir einen kurzen Bericht über die Sitzung: Unterhaus-Sitzung vom 25. Mai. Lord I. Rüssel beantragt die zweite Lesung der Parlaments-Eide-Bill. Sir F. Thessiger stellt dagegen ein Amendement, daß die Bill nach sechs Monaten gelesen, d. h. verworfen werde. Der Schatz - kanzler erinnert daran, daß Lord I. Ruffel vier Jahre vor seiner Erwählung für die City die Juden-Emancipation verfochten und 1846 einer jüdischen Deputation seine Bereitwilligkeit, eine Bill zu jenem Zwecke zu unterstützen, ausgedrückt habe. Was den SuprematS-Eid betreffe, so schienen viele Mitglieder den merkwürdigen Umstand zu übersehen, daß dieser Eid kein Wort über die Oberhoheit der Krone enthalte. Gerade in der Zeit, als die Verfassung wesentlich protestantisch wurde, nämlich im ersten Regierungsjahre von William und Mary, ward die das Suprematder Krone betheuernde Clausel auSgestrichen. BloS der Name SuprematS-Eid wurde beibehalten. Sonst könnte ja kein einziger Dissenter oder Presbyterianer im Parlament sitzen. Sir I. W a l m s - ley bedauert nur, daß die Regierung aus dieser wichtigen constitutionellen Maßregel nicht eine CabinetSfrage gemacht habe; denn er wünscht von ganzem Herzen, sie durchgeführt zu sehen. Mr. Newdegate stellt sich ganz auf den Standpunkt von vor bald 200 Jahren und führt Beispiele aus der Geschichte Jakobs II. an, um vor Begünstigung der Katholiken zu warnen. Lord I. Rüssel bemerkt, daß in allen früheren Debatten die Juden der Sündenbock waren, den jeder gute Christ für sich opfern wollte; diesmal habe man die Juden geschont, aber dafür gegen die Katholiken so wüthend declamirt, als wollte man die Akte von 1829 rückgängig machen. Seiner Meinung nach gebe ein Eid einer Bekräftigung gewisser Thatsachen den Stempel der Wahrhaftigkeit; aber anders sei es, wenn Jemand sich eidlich an eine Pflicht binden müsse, die seinen Ueberzeugungen widerstreitet. Whigs und Tories schwuren einst, keine Waffen gegen Jakob II. zu tragen; aber als Jakob die Verfassung brach, was frommte der Eid? Wenn eine politische Frage dem Hause.vorliege, sollten die Mitglieder frei stimmen können, wie eS ihnen das Wohl des Landes gebiete; wie unlogisch sei es dann, gewissen Mitgliedern zu sagen, sie könnten und dürsten nicht nach ihrer eigenen Ueberzeugung stimmen, ohne meineidig zu werden? Für die Juden wisse er kein neues Argument anzuführen; er wiederhole nur seinen alljährlichen Protest gegen den Geist der Unduldsamkeit, der einen loyalen und zur Ausübung politischer Rechte eben so, wie jede andere Claffe, befähigten Theil des Volkes zurücksetzen wolle. DiSraeli bedauert auf das Schmerzlichste, gegen die Bill stimmen zu müssen, so begeistert er für die Sache der Juden-Emancipation sei. Er befürworte die Juden-Emancipation nicht aus Gründen eines flachen Liberalismus oder religiöser Indifferenz, sondern im Gegentheil aus christlicher Gläubigkeit. DaS Christenthumsei der legitimeSprößling des Judenthums und demselben zu ewigem Dank verpflichtet; die jüdische Race sei noch immer eine auserwählte, und kein Land, das sie verfolgte, sei dem Verfall entgangen; siehe Spanien, Portugal u. a. m. Aber er . bedauere, daß die Judenfrage mit der katholischen EideSfrage zusammengeworfen worden. Der Supremats-Eid sei im Gedächtniß des Volkes mit großen politischen Ereignissen verknüpft, auf deren Grund die Verfassung ruhe. Solche Erinnerungen anzutasten, halte er für unstaatSmännisch; und daß die Macht des Papstes an gefahrdrohendem Einfluß verloren habe, sei eine arge Täuschung. Nach achtstündiger Debatte schreitet man zur Abstimmung : 247 Stimmen sind für" die zweite Lesung; 251 für das Amendement. Majorität gegen die Bill und die Regierung: 4 Stimmen. —. Den Grund der ministeriellen Niederlage er-

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