Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1854)
- Date
- 1854-06-12
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2S5 Wir haben aus Ihrer geehrten Zuschrift vom 1B. April d. I. und aus dem uns später mitgetheilten, gedruckten Programme, mit Theilnahme Ihre Absicht vernommen, dahin zu streben, daß durch Heranziehung und Bildung israelitischer Jünglinge aus dem Orient auf unsere Glaubensgenossen daselbst eine Rückwirkung in intellectueller, socialer und moralischer Beziehung erzielt werde. Es scheint uns dieser Gedanke eben so schön, als segensreich und ihn anzuregen und auszuführen eines Mannes würdig, der wie Sie, Herr Rabbiner! für unfern heiligen Glauben begeistert, denselben durch Schrift und Wort zu lehren und zu predigen berufen ist! Wenn erst die jüdischen Großgemeinden Europa's Ihrer Idee die materielle Unterstützung zugesagt haben und uns ein detatllirendes Programm vorliegen wird, werden wir nicht'zurückbleibett, auch in der hiesigen Gemeinde, die wir zu vertreten die Ehre haben, dahin zu wirken, daß Ihr frommes Werk Unterstützung finde. Indem wir Ihnen für dasselbe den besten Segen des Himmels und das frischeste Gedeihen wünschen, ergreifen wir den Anlaß zum Ausdruck unserer vorzüglichsten Hochachtung. Wien, 8. Mai 1854. Die Vertreter der israel. Cultusgemeinde: L. v. Wertheimstein. Joseph Wertheimer. SichnowSki. Goldschmidt. Joseph Biedermann. Wir konnten unS von diesen großherzigen Worten nur höchst angeregt fühlen, denn die Namen, die unterzeichnet sind, haben einen so herrlichen Klang, daß sie das Gewichtige des Versprechens genügend verbürgen. Alle Verhandlungen resultirten aber dahin, daß für diese Angelegenheit ein Mittelpunkt gewonnen werden müßte, ein Mittelpunkt, der durch seineAutorität zugleich die nöthige Sanktion erth eile und eine parteilose Ausführung verbürge. Es bot sich hierfür keine angemessenere Instanz dar, als das Consist6ire eentraI der französischen Israeliten tu Paris, und ~ bei den, genau genommen, geringen Opfern, welche das ganze Unternehmen im Falle genügender Organisation, erforderte —' konnte man die Realisirung für gesichert halten, sobald'das Lonsistoirs oentrsl sichdafür erklärte', die obere Direktion zu übernehmen. Wir beschlossen daher, deshalb nach Paris zu reisen. . Unsere Reise hatte einen zwieftchen Zweck, zuerst: aus den zuverlässigsten Quellen über das Schicksal unstrer orientalischen Glaubensgenossen in politischer Beziehung möglichst Gewißheit zu erlangen zweitens: das 6o»8i8loire eentrsl für die Ausführung des Planes , junge türkische Juden in Europa zu tüchtigen Menschen zu bilden, als Mittelpunkt zu gewinnen. Hinsichtlich des erstern Moments können wir — ohne die Details hier schon mittheilen zu dürfen doch mit Bestimmtheit aussprechen, daß, so viel bis jetzt fest steht, die türkische Staatsregierung niemals ihre jüdischen UnterthäNen von den RajaH'S zugestandenen Rechten aus schließen wird. ÄN diesem allgemeinen Satz kann jetzt kein Zweifel stattfinden. Aber allerdings wird es auf die orientalischen Juden selbst ankommen, wie weit sie sich die eintretendeN günstigen Momente zu nutze machen"werden, oder noch mehr, wie weit sie dies zu thun befähigt sein werden! Hierüber völlig beruhigt, wenden wir uns dem zweite n Moment zu. Schon in Vrüfsel hielten wir uns Mehrere Tage auf, und hatten die Ehre, mit den trefflichen Herren Präsidenten des belgischen ConsistoriumS La aß ett und I. Oppenheim und dem Oberrabbiner Herrn vr. Löb Besprechungen zu haben, in denen diese Herren ihre Geneigtheit für die Sache schon bis in'S Einzelnste darlegten; auf ein desfalls an daS Consistorium gerichtetes Schreiben meinerseits erhielt ich später folgende allgemeine Antwort: : „In unserer Sitzung vom 25. d. M. haben wir Kenntniß von dem Schreiben und dem Plane genommen, welche Sie uns den 14. d. gefälligst vorgelegt haben." - „Indem wir Ihnen den Auszug aus dem betreffenden Sitzungsprotocoll übersenden, sind wir glücklich, unsere einmüthigen Wünsche für den glücklichen Erfolg des großherzigen Werkes auszusprechen, welches Sie unternommen haben." : - - „Indem wir die Bildung: eines Speciakcomites erwarten, bitten wir: Sie, Ihre weiteren Mitteilungen dircet an uns zu richten.^ ' - > „Genehmigen Sie rc."; Aus dem beigefügten Prototollauszug theilen wir die Hauptsätze - mit : > ■■ > „Das Consistorium, erwägend den bedauernSwerthen Zustand, in welchem sich die zahlreichen Israeliten des Orients und des heiligen Landes, befinden, aus Mangel an Schulanstalten in diesen Ländern;" 24*