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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-22 · Heft 21 (22.5.1854) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 21 (22.5.1854)
Date
1854-05-22
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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S64 Angellöchern, sieben Stückchen Pech von sieben Schiffen, sieben Körnchen Kümmel, sieben Haare aus dem Barte eines alten Hundes. Alles zusammen genommen trage man an einer Haarschnur auf dem HalSgrübchen. Hier freilich verzichten wir auf jede physikalische oder chemische Erklärung und überlassen es den Liebhabern, zur „verborgenen Sympathie aller Dinge" ihre Zuflucht zu nehmen. Herr Wunderbar handelt nun (S. 16) von dem Heilverfahren der Gnostiker und Essäer und giebt die antiquarischen Notizen über die Amulete («shfcp); welche einer Verbindung von theosophischen und medicinischen Anfichten ihr Dasein verdanken , daher Medikamente mit Bibelsprüchen, dem Gottesnamen u. dgl. vereinen und natürlich zu allerhand Aberglauben Anlaß geben mußten. — Äas die natürlichen Heilmittel des Talmuds betrifft, so bestanden sie meist aus Pflanz- und Thierstoffen, weniger aus Mineralien (S. 17). Sie bedienten sich äuch der Präservativ-Euren und find die Grundsätze der Anwendung der Aderlässe, Brech- und PurgirMittel u. dgl. vernünftig und erfahrungsgemäß. Die Trinkcuren und Purgircuren werden auch schon vom Talmud auf das Frühjahr verlegt. Die Mittel sind meistens gelinde, wie Datteln, Dättelpalmwein u. dgl. Ueber einige Arzneien, wie daS babylonische Bier 8-Qw), ägyptisches Detoct ü. dgl. findet der Freund der Geschichte der Pharmakologie interessante Angaben (S. 20). Es werden dann die speciellen therapeutischen und sympathetischen Euren beleuchtet: bei Abortus, über desseii Verhütung sehr rationelle Vorschläge gemacht werden; jedes Abortivüin war streng verboten. Höchst' interessant ist daS, waS über Augenkrankheiten angeführt wird und kann die Geschichte dieses Theils der Heilkunde ergänzen. Freilich fehlt es nicht an Uebertreibungen, z. B. hat eine Braut schöne Aügen, so ist sicherlich auch ihr ganzer Körper normal (Taanith 24). Das Nachtheilige der Hämorrhoidalleiden auch für die Augen wird wohl erkannt (Nedarim 22), eben so die Zuträglichkeit eröffnender und auflösender Mittel. 27 spricht Vers, über die Heilung des Tobias. Wir fügen hinzu: Mauchart hält die Krankheit für ein Leukom. Andrea (Gesch. der Augenheilk. Magdeb. 1843) sagt: „Nehmen wir an, daß die augenblickliche; Heilung nicht wörtlich zu verstehen sein möchte, sondern! vielleicht nur das Wunderbare der Hülfe mehr in's Licht j stellen sollte, so ist jene Hypothese allerdings nicht von! Wahrscheinlichkeit entblößt. Was man aber auch davon j behferi mag , so bleibt diese erste Nachricht von der Bel Nutzung der Fischgalle als äußeren Augenheilmittels *■ immer von Interesse, da noch bis diesen Augenblick' die Galle vom Hecht und der Aalquappe eine Stelle unter den Augenmitteln einnimmt." — Ueber-den Biß giftiger Thier e ist bereits im dritten Hefte abgehandelt wörden. Hier werden nun die talmudischen, allerdings sonderbaren, aber auch bei andern Schriftstellern vorköMmenden und empfohlenen Mittel erwähnt. Eben dasselbe gilt von den Mitteln gegen Blutflüsfe. Die Bräune wird (Taanith 27) als Kinderkrankheit bezeichnet, die Form ■’ärhö bei Erwachsenen soll wohl mit Verwechslung des ", und 2 Cyxianche bedeuten. Brust- und Herzkrankheiten werden auch vom Talmud als sehr gefährliche Nebel anerkannt, als besonderes esräiseum rühmt er den Spargelwein. Spaßhaft ist wieder daS Mittel gegen Herzschwäche. Man nehme Fleisch aus dem rechten Schenkel eines Widdersbrenne Rindermist, im Frühjahr abgesetzt, und brate das Fleisch darauf. Man esse dieses Fleisch und trinke dazu leichten Wein (Grubin 29). Es ist leicht zu erklären, daß Wein und Braten, auch nicht auf Rindermist bereitet, zur Herzstärkung gereichen können! Noch rationeller ist das Milchtrinken bei Brustkrankheiten (S. 40). Es wäre zu weitläufig, hier noch die andern angeführten Krankheitsformen (Därmleiden, Fieber, Gelbsucht u. s. f.) zu besprechen, die Therapie derselben hat denselben vermischten Charakter, wie er zum Theil noch ercentrischer sich bei andern Schriftstellern jener Zeit vorsindet. DaS Werk des Herrn Wunderbar ist ein reicher Schätz für die Geschichte der Medicin; wir wünschen, daß es bald eine zweite Auflage erlebe und dann noch reichlich vermehrt hervorgehe; wir wünschen dies um so mehr, da Herr vr. Trusen die Freude gehabt; sein Werk in zweiter Auflage erscheinen zu sehen, Herr Wunderbar aber sein Buch auf eigene Kosten drucken ließ, hoffend auf daS Interesse seiner Glaubensgenossen. vr. well. Philipp son. Korrespondenz. Otterndorf im K. Hannover, im April. Sie haben Ihren Lesern vor einiger Zeit die CultuSverhältniffe der Israeliten Hannovers mitgetheilt und -find nach dieser neueren Regelung den Rabbtnem größere Befugnisse ertheilt. Der Zweck gegenwärtigen Schreibens soll nun kein anderer sein, Äs den Wunsch Hu äußern, daß nun auch die Herren Rabbinen dahin streben mögen,

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