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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-22 · Heft 21 (22.5.1854) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 21 (22.5.1854)
Date
1854-05-22
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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261 lerhalb der Mauerlinie in daS Innere der Stadt führte. Herr Place nahm sofort an, diese Straße müßte zu dem von Herrn Botta erkannten Monumente leiten, und durch eine der interessantesten Entdeckungen, die er seitdem irgend gemacht, fand sich jene Voraussetzung vollkommen bestätigt. Er hatte an der südwestlichen Seite des Umfanges der alten Stadt einen ziemlich hohen und an Flächenraum dem Hügel des großen Palastes gleichen Erdaufwurf bemerkt, der sich einem anderen von derselben Höhe anschließt. Herr Botta hatte diesen Punkt in seinem Grundriß angedeutet und war nach seiner Versicherung auf zahlreiche E puren von Bauwerken gestoßen. Es galt, diesen Stadtthetl zu durchforschen. Zwei an entgegengesetzten Abhängen der Erhöhung — der eine der Stadt, der andere dem freien Felde zugekehrt — eröffnete Gräben ließen bald zwei von härtestem Kalkstein erbaute, neben einander laufende Mauern erkennen; der, 3,i MLtres breite Zwischenraum an ihrer Basis war in cyklopifcher Weise gepflastert, in der Art, wie schon früher am Fuße einer anderen Erhöhung bemerkt worden. Es blieb kein Zweifel, man stand hier am Eingänge der Stadt. Bei der weiteren Verfolgung dieser Mauern bemerkte man, daß sie, 21 Mötres von ihrem Anfang, rechts und links unter rechten Winkeln aus einander liefen und eine Art Saal oder Hofraum einschloffen, wie er sich noch heute an den Eingängen der morgenländischen Städte findet, um daS Gedränge der Wagen, Pferde, Kameele zu verhüten und die Circulation zu erleichtern. Herr Place, um endlich dieses archäologische Problem gründlich aufzuführen, ließ aus dem höchsten Punkt deS Hügels, in gleichem Abstande von den beiden schon entdeckten Gängen, einen Graben einschneiden. Hier nun stieß er nach einer viertägigen Arbeit auf ein weites Gewölbe von Backsteinen in Vollbogen, gestützt auf eine Widerlage ebenfalls von Backsteinen; es war unbezweifelbar der Obertheil des Thorcs, zu dem die zwei entdeckten Eingänge und der cyklopische Weg führten. Die großen Backsteine, wovon das Thor aufgeführt ist, laufen gegen einen Mittelpunkt zusammen, diesen schließt eine Doppelreihe von flachliegenden Backsteinen innen und außen wie ein Bandftreifen ein. Die Mauer, in die es eingefügt ist, ist von gleicher Höhe mit demselben, und eine Kalklage oben bildete ohne Zweifel die Basis eines Thurms, der es beherrschte und vertheidigte. Dieses Werk läßt überdies die Vorstellungen, die man sich von dem Bautalent der Affyrer gemacht, weit hinter fich; niemals ist der Backstein so geschickt und'kunstsinnig gehandhabt wor^ den. Dieses Stadtthor ist 10,33 Mötres hoch und 3,iv Mötres breit. Der Fund dieses Thores ist ein unermeßlicher Gewinn für die Wissenschaft, und wenn unsere wissenschaftlichen Nachgräber hier nicht stehen bleiben, so werden wir eines Tages Niniveh — wenn nämlich diese Mauern die alte biblische Stadt in sich schließen — vollständig, wie Herculanum und Pompeji, aus ihrem Grabe erstehen sehen. Zu großen Erwartungen berechtigen die Nachgrabungen, die der Konsul Place bei Teil-Girgor vorzunehmen beabsichtigt; die Hügel hier gleichen denen zu Schleif- Kau, wo die Engländer nach einjährigen Nachgrabungen jetzt eben so schöne Sachen, Goldschmuck, Cylinder, sculptirtes Bafaltgeschirr und wundervolle Elfenbein-Arbeiten fanden. Mit gleicher Sorgfalt hat Herr Place die Hügel von Semel und Dülup untersucht, wo er Mörser und anderes Geräth gefunden; bei Gerepane kam er in einen Unterbau in Backsteinen,, wo er Knochen, eine eiserne Pfeilspitze und eine Keilinschrift von vier Zeilen fand. Diese wurde Herrn Rawlinson vorgelegt, und er las darin einen neuen KönigSnamen; Anzeichen also eines assyrischen Denkmals. Die merkwürdigste dieser Nachgrabungen aber ist die des Hügels von Malta;. Malta: ist ein befestigter Flecken auf einem.Hügel, der die weite Ebene hinter ihm von der ersten Linie des mesopotamtschen Gebirges trennt. Malta: heißt im Chaldäischen Eingang. (?)*) Seiner Lage hat also dieser Flecken den Namen zu verdanken. Jenseit eines am Fuße der Anhöhe, worauf das Städtchen steht, fließenden Bächleins ragt ein steiler Berg mit einem langen Gürtel senkrechter Felsen auf seiner Kuppe, die eine Art naturwüchsiger Mauern bilden. An. einer dieser Felsenwände zeigen sich große Halbhochbilder, bestehend aus zweiunddreißig Figuren von 1;s3 Mötre Höhe, in drei Felder abgetheilt; sie stellen Personen dar, in einer Linie gereiht, mit Befehlshaberstäben, Kronen oder Ringen, Zweigen und anderen Dingen in der Hand, und von Stieren oder Löwen getragen; die letzteren unterscheiden sich von denen zu Khprsabad dadurch, daß ihnen die Flügel, der Menschenkopf und die Tiara fehlem Dieser Personenzug geht feierlichen Schritts einem Häuptling oder Könige entgegen, der die assyrische Tiara trägt und dessen Anzug dem *) Vielleicht besser: Wall oder Schanze, das hebräische S o 1 e 1 a h (Schanze, Wall) giebt die chaldäische Version durch Milta wieder. D. R, 21

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