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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-08 · Heft 19 (8.5.1854) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 19 (8.5.1854)
Date
1854-05-08
Page
Seite 228 (sequence 2)
Language
German
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228 Sabbat Abend an ist er wieder in den Schmutz der Woche versunken, Alles ist unreinlich an ihm, M ihn, namentlich die Frauen rpit den schmutzigsten Gewändern behängen, wer ihn steht, muß ihn verachten, sich scheuen, ihn zu berühren. Nichts abstoßender, als die Erscheinung der jüdischen Frauen auf der Straße , in unpassendster Kleidung schlürfen fie in ihren Pantoffeln einher, mit lautem Geschwätz in ihrem Jargon. Denn der Jude in Constantinopel spricht noch jetzt ein höchst verdorbenes Spanisch mit unzähligen Brocken anderer Sprachen vermischt. In den Häusern herrscht Schmutz und Faulheit. Selbst der Handwerker hat keine Werkstätte zu Hause, sondern läuft mit seinem Geräth zur Arbeit umher. 3m dreizehnten Jahre heirathet der jüdische Knabe und wohnt mit Frau und hindern beim Vater oder Schwiegervater im dichtgedrängt vollen Hause. Nach wenigen Jahren trennen stch die Eheleute wieder und gehen neue Ehen ein. In religiös-ceremonialer Beziehung lebt der Jude äußerst streng und halten die ChachamS, denen die Gerichtsbarkeit zusteht, strenge Wacht, da auf jede öffentliche Verletzung die Bastonnade den Thäter erwartet. Dies sind mit kurzen Zügen die Zustände der orientalischen Juden, und unter den 70—100,000 Juden Constantinopels ragen nur einige wenige durch äußeren Reichthum über die große in Armuth und Schmutz versunkene Masse. Es ist hierin Nichts übertrieben. Alle Reisende berichten hierüber gleichmäßig. Erst in diesen Tagen schreibt mir ein frommer- und wahrheitsgetreuer Israelit, Amerikaner, Herr Leon Dyer, der Syrien aus Liebe zum heiligen Lande bereist hat: „Die ärmsten Juden in Europa sind reich im Verhältniß zu denen in der ganzen europäischen und astatischen Türkei, und man kann sich von der Ar-, muth und dem Elende dieser Leute keine Vorstellung machen. Dazu nun die Verachtung, in welcher sie bei Türken und Griechen, Armeniern, Kopten und Lateinern stehen,^ Die erste und Hauptursache aller dieser Uebel ist — Hie grenzenlose Unwissenheit, in welche der orientalische Jude versunken ist. In Eonstanttnopel besucht der Knabe die jüdische Schule nur bis zum achten Jahre. Er lernt darin Nichts, gar Nichts als correct Hebräisch lesen — im achten Jahre ist er fertig und läuft in ein Gewerbe! Selbst aber, wenn er sich bestimmt, Chacham zu werden, ist dies nicht schwer, denn man liest nur die großen Cömmentatoren des Talmuds trocken Wort für Wort, den Pilpul kennt man nicht. Diese Unwissenheit ist so schreiend, daß z. B. unter den 8000 Juden in Jerusalem nur ein Einziger die dortige Landetzstzrache schreiben kann..., Jp MM hftse Ursache des 'VtsffaD. dep ötftytglischen Judenheit H, desto einfacherist aü^die MerMnH dsstz einzig möglichen Heilöder doch Hülfsmittels. Der Jude hat keine äußere Machte Niemand ist da, der sich seiner annimmt, dep ihn schützt. Er ist auf sich, auf seine Kraft verwiesen, die er in seinem Geiste findet. Hat er da Nichts, so ist er verloren und wird unter die Füße der Völker getreten. Besitzt er aber Geistesschärfe, Intelligenz, Kenntnisse: so iss er befähigt, sich Macht und Ansehen zu verschaffen. Die Bildung des Geistes allein wacht fähig, die großen industriellen und commerciellen Wege des Weltverkehrs zu beschreiten, selbst im Kleinhandel das Bedürfniß des Orts und der Zeit zu verstehen und speculativ zu benutzen, auch im Handwerk Neues und Ersprießliches hervorzubringen und den Schlendrian zu überspringen. Die Bildung des Geistes allein setzt ihn in den Stand, Schmutz und Unsitte von sich zu entfernen. Zu allem diesem kommt nun die Verwirrung, der Sturm in der Gegenwart, wie er über den Orient ausgebrochen. Welcher aber der AuSgang desselben ist, das kann Niemandem entgehen, daß das europäische Element immer mächtiger dort wird, und daß früher oder später daS Ergebniß fein muß: Diejenigen Elemente der Bev ö lkerun g, namentlich der europäischen Türkei, welche bildungsfähig sind, find fortan berufen, zur europäischen Bildung anzuftreben — diejenigen Elemente dieser Bevölkerung, welche nicht bildungsfähig sind, müssen unter g e h e n. Dieser Satz wird aber von unumstößlicher Geltung für die Juden jener Gegenden sein. Man vergegenwärtige sich nur, was aus dem Juden in Europa geworden wäre, wenn er nicht, an sich durch die Uebüng deS talmudischen Geisteskampfes durch die vorletzten Jahrhunderte hindurch etwas geistig wach erhalten , so immer tiefer gesunken wäre, wie er im sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderte begonnen hatte,, anstatt daß er seit einem Jahrhundert mit Riesenkraft sich aus das Niveau der europäischen Bildung erhoben hat. Ist es aber nothwendig, wenn der jüdische Stamm, namentlich bei der immer großer werdenden Herrschaft des Geistes in der Türkei, nicht auf die niedrigste Stufe herabstnken,. wenn er vielmehr sich von Neuem erheben und aus einer unwissenden und schmutzigen Masse eine intelligente, behäbige und einfiußreiche werden soll, daß er zur

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