Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1854)
- Date
- 1854-04-24
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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211 tholischen Kirchen Roms , wenn Feste kn ihnen gehalten \ werden, hatte man bie. Wände der Zimmer mit rothen und in Gold gestickten Tapeten behängt, die Pfeiler mit Damast überzogen. Häufig las man Sprüche aus dem alten Testament darauf gestickt. Die Decke der Zimmers ist nach Art der römischen Basiliken gefeldert, doch nur 1 mit gemalten Cassettoni geziert. Ringsum trägt das Fries in Stuck gearbeitete Reliefs, welche den Tempel und alle auf den Cultus bezüglichen Geräthe oder Dinge darstellen , und verwundersam find sie gerade hier in Rom zu schauen, wo man ihrer einige auf dem Titusbogen dargestellt findet. Man sieht den Tempel Salomons kunstvoll abgebildet, mit allen seinen Thoren und Seitenhallen, Altären, das eherne Meer, die heilige Lade mit den Cherubim, Priestergewänder und die Priestertiara, Urbilder der bischöflichen und päpstlichen Costüme. Man sieht aller Art Tempelgeräthe, Töpfe, Schüsseln, Schaufeln, Becken, Löffel, Pfannen und Gestühle auf dem Friese) endlich sämmtliche musikalische Instrumente, Pauken, Tamburine, Harfen, Sichern, Flöten, die Jubeljahrstrompete, die Sackpfeife, Cimbeln, auch das Sistrum der ägyptischen Isis, wie man es so oft auf Jsisbildwerken im Batican sieht. Mit diesen Geräthen, Erinnerungen an den Tempel Jerusalems, hat sich also hier die Phantasie des Juden umgeben. ' In der nördlichen Wand fällt ein rundes Fenster in die Augen, welches in zwölf Felder verschiedener Farbe getheilt ist; dies Symbol stellt die Stämme Israels dar und ist das Bild der Urim und Thummim, jenes aus köstlichen Steinen zusammengesetzten Schmuckes, welchen der Hohepriester auf der Brust zu tragen pflegte. Westwärts an der Wand steht der runde Chor, ein hölzernes Pult für Vorsänger und Sänger) auf ihm der silberne Tempelleuchter und andere verwunderliche Gefäße von Silber, welche auf den Pentateuch als Schmuck gelegt werden. Gegenüber steht an der östlichen. Wand das Allerheiligste, ein kleines Tempelfrontispiz mit herausragenden Stangen (als für das Tragen der Bundeslade bestimmt), auf corinthischen Säulen ruhend. Der Vorhang bedeckte dies Allerheiligste, auf ihm sind in Goldstickerei Sprüche zu lesen, und allerlei Werk von Rosen Saarons und von zierlichen Arabesken nach Weise des Tempels SalomoniS. Die Spitze des Ganzen krönt der silberne, siebenarmige Leuchter. In diesem Allerheiligsten liegt nun der Pentateuch verschlossen, eine große Pergamentrolle. Er wird in Procession durch den Saal getragen, und von dem Pulte nach allen vier Weltgegenden gezeigt, wobei die Juden die Arme erheben und ein Geschrei ausstvßen. Bedeckten Hauptes , Hut oder Mütze auf dem Kopfe, sitzen die Juden in ihrem Tempel, und ziemliche Ungenirt-- heit herrscht beim Singen und Beten, da jeder singt, wann er will, oder mit seinem Nachbar plaudert.' Der Vorsänger sitzt dabei auf dem Chor. Mir fiel die Hast auf, womit alle diese Gebete abgesungen oder abgemurmelt wurden. Die Frauen sitzen in einer obern Galerie, hinter einem Gitter, und sind nicht sichtbar. In einem zweiten Saal wurde nun die Vesper gesungen. Auch er war auf das Beste decorirt, und flimmerte reichlich von Lampen. Nicht platt gedeckt wie der erste, erhob er sich vielmehr stockweise über einander in einer bizarren Küppelform. Auf dem Chor saßen die Sänger hinter dem Vorsänger. Dieser trug einen schwarzen Talar, ein hohes schwarzes Priesterbarett, von welchem ein weißer Schleier zu beiden Setten herabfiel. Die Einfachheit dieses OrnäteS fiel mir auf, gedachte ich des alten jüdischen Priestercostüms, dessen wunderbare Pracht noch das päpstliche Costüm erhalten hat. Denn der hohe Priester im Tempel Jerusalems muß an herrlicher Gewandung noch den Papst übertroffen haben. Die Chorsänger sangen die Vesper ganz vortrefflich, während der Vorsänger pausenweise betete und das Gesicht in den Schleier barg, bitterliches Weinen ausdrückend. Die Gesänge waren harmonisch, doch nicht von altem Gepräge, sondern vielmehr modern und im Style der Oratorien. Schöne Knabenstimmen, prächtige Bässe — und so war denn auch in dieser Vesper im Ghetto der Einfluß Roms zu erkennen, und auch das Judenvolk hatte seine kleine Sirtinische Capelle aufzuweisen. Nicht wenig fühlten sich diese armen Menschen erhoben und glücklich, daß auch sie in ihrem Winkel und in ihrer Armuth eine schöne Kunstproduction zu leisten vermöchten. Gespendetes Lob wurde mit sichtbarer Freude ausgenommen) der Gast, neben den sich ein jüdischer Jüngling gestellt hatte, hörte mit Vergnügen, wie sein reichlich ausgesprochenes Lob von diesem weitergesagt wurde. Was hat er gesagt? Er hat gesagt: „herrlich ausgeführt, denone, eeeellentisLime, Ihr habt eine Sirtinische Capelle." — Von den Anschauungen des Alterthums der Griechen und Römer nicht zu sprechen — so durchwandere man Rom und seine Herrlichkeiten: überall springt in die Augen Geist und Gestalt des Hebräerthums selbst auf den Gipfeln der christlichen Kunst. Ist es die Sculptur, so ist das höchste, was Genie nach dem PhidiaS in Marmor