Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1854)
- Date
- 1854-04-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Jahrgang. Allgemeine ■■■■ u' -es Iir-enthirrns Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. i HerauSgegebenvon Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Magdeburg. Leipzig, den 24. April 1854. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig; mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate— 22Va Ngr. (18 gG.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Solidarität der Juden. — Noch einmal die Freimaurerei. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Worms, Rudolstadt. Preußen : Berlin, Cöln, Oppeln. Oesterreich i sch er Kaiserstaat: Wien, Lemberg. Auszüge: Der Ghetto in Rom. (Schluß). Leitende Artikel. Magdeburg, 17. April. Die Solidarität der Juden. Allerdings findet eine Solidarität der Juden statt! Freilich suchte man sie oft genug da, wo keine solche liegt, aber die rechte tadelte und mißachtete man. Wenn ein Jude eine gute That gethan, oder wenn er sich durch ein Talent, ein schönes Erzeugniß, Tapferkeit nnd dergleichen ausgezeichnet hatte: so streichelten zahllose Juden das Kinn, und hielten sich Alle dadurch als edele, begabte, tapfere Menschen ausgezeichnet. Als ob es nicht unter einer großen Zahl Menschen immer edele, begabte, tapfere Menschen gäbe, ohne daß die Gesammtheit dadurch als jene charakterisirt würde. Wenn ein Jude gestohlen, betrogen, einen Meineid geschworen, einen Verrath begangen, eine Feigheit geübt hatte: so verzogen sich zahllose Mäuler höhnisch über die Schlechtigkeit, Verdorbenheit, Niederträchtigkeit der Juden. Als ob es nicht unter einer großen Zahl Menschen immer'Diebe, Betrüger, Verräther, Feiglinge gäbe, ohne daß dadurch die Gesammtheit irgendwie daran betheiligt - wäre. Diese Art von Solidarität findet nicht statt; in allen diesen, guten, wie bösen Dingen steht Jeder für sich; wir wollen die Verdienste eines Juden nicht auf Alle vertheilen; wir wollen aber auch nicht Alle in den Sünden des Einzelnen tragen. . "v ', Die Welt weiß nun — wemM dafür, wenn Manche:.e,s/doch.nicht.wissm/wollew — daß es gute Musiker, Maler, 'Schauspieler, Philologen, Mathematiker, Naturwissenschaftler; 'Dichter und• dergleichen aus dem Stamme der Inder/gab und giebt; daß wohlthätig^ ‘ edele, streng rechtliche/entschlossenes mannhafte u. f^fw. Charaktere im Stamme derÄuUnmicht; zur dtzn/<tzel!cn- Herten gehören; und wir wissen gar wohl^Haß> es recht schlechte, gottlose, silienlose, widrige, erbärmliche, frevelhafte Menschen unter uns gab und giebt, die wir als solche nicht im Geringsten bemänteln, sondern sie ihrer gerechten Strafe vereint mit unserer Verachtung überlassen. Also diese Art von Solidarität halten wir von der Welt wie von unserer Seite als höchst veraltet, als Gerümpel, wozu sich freilich immer noch viele Liebhaber finden, wir weisen sie von uns. Aber es giebt eine Solidarität der Juden, die wir nicht allein uns nicht nehmen, nicht, verdächtigen lassen