Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1854)
- Date
- 1854-04-17
- Page
- Seite 199 (sequence 11)
- Language
- German
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m Fluth verwüstet/ was nicht rettbar Ist. Man zeigte mir im Ghetto hie/ Markes welche den? Wäfferstand des Tiber während der großen Ueberschwemmung vom Jahr 1846 bemerkt; die Fluth Hatte damals alle unteren-Zimmer bis zur Decke ungefüllt. In verwichenem.Herbst und in diesem Frühjahr war der Tiber nur für kurze Zeit ausgetreten, doch dünkte mich auch diese Noch bereits höchst empfindlich für daS arme Volk, und ihre unausbleiblichen Folgen äußerst traurig bei so großer Enge und so großer Armuih. ' . i Vor dem Jahre 4847 trennte noch eine hohe Mauer den Platz Cenci von dem Platz der Juden, welcher auch Piazza delle Scuole heißt. Hier befand fich das Hauptthor des Ghetto; Mauer und Thor find nun niedergerissen, und der Schutt liegt noch zum Theil umher. Gehen wir nun in. eine der Ghettostraßen selbst, hinein^, so finden wir Israel vor seinen Hütten in voller, rastloser Arbeit und. im Mühsal begraben. Sie fitzen in den Lhüren, oder draußen auf der Gaffe, die kaum mehr Licht gewährt, als die feuchte und dumpfige Kammer, und wüsten im Plunderkram, oder nähen und flicken cmsiglich. ES ist nicht' zu sagen, welches Chaos von Flicken, und Lappen (Cenci genannt: im Italienischen) hier zusammengehäuft ist. Die ganze Welt scheint hier als Plunder in zahllosen Fetzcn und Lappen zerzupft-und zerrissen umher zü litzgen. . Haufenhoch liegenMeLapalien vor den Thüren, und jeglicher Art und Farbe, goldiges Franzengeflitter, Stückchen Seidenbrocat, Sammetläppchen, rothe Flickchen, blaue Fetzchen, orange, gelbe, schwarze, weiße, alte, zerschlissene, zerfaserte, abgeriebene Stücke und Stückchen. Ich habe nimmer ähnlichen Plunder gesehen. Die Juden könnten damit die ganze: Schöpfung ausflicken, und die ganze Erde so bunt belappen, wie ein Arlechino bunt ist. ES fitzen die Töchter Zions an diesen Lappen und nähen, waS nähbar ist. Groß ist ihre Kunst, so rühmt man, im Sticken, Stöpfen, Vernähen, und man sagt, daß.- es keinen noch so fürchterlichen Riß in irgend einer Draperie oder Gewandung gebe, welchen diese Arachnen nicht unsichtbar und spurlos zu machen wüßten. In der Fiumara zumeist, der untersten am Fluß gelegenen Gasse, und in den Winkelgaffen,' von denen eine delle Azzimelle, d. h. Gasse der ungesäuerten Brode, genannt wird, treibt man diese Plundergeschäfte. Ich sah ihnen manchmal mit peinlichem Gefühl: zu, wenn sie, bleiche und verkommene Menschen, in sich gebeugt, mit der Nadel emsig arbeiteten — Männer so gut als Weiber, Mädchen und Kindes DaS Elend starrt gesträubt aus dem wirren Haar, und klagt a«S dem braungelben Angesicht, und keine Schönheit der Gefichtszüge erinnert an Rahel Und Lea? öder Mirjam; nur bisweilen begegnet der Blick einem tiefversunkenen, schwarzen, blitzenden Auge, daS von der Nadel find dem Lappen aufblickt, als wollte es sagen: „ES ist von der Tochter Zion aller Schmuck dahin. Die eine Fürstin unter den Heiden und eine Königin in den Ländern war, muß nun dienen. Sie weinet des Nachts, daß ihr die Thränen über die Backen laufen; eS ist Niemand unter allen ihren Freunden, der sie tröste; alle ihre Nächsten verachten sie und sind ihre Feinde geworden. Juda ist gefangen im Elend und schweren Dienst, sie wohnet unter den Heiden und findet, keine Ruhe; alle ihre Verfolger hatten' sie übel. Wie hat der Herr die Tochter Zion mit seinem Zorn überschüttet!// . - <* .. .... (Schluß folgt.) . . . Anz ei g e«. Unterzeichnete Gemeinde sucht, zum alsbaldigen Eintritt einen zweiten unverheiratheten Lehrer, der Kindern, welche bereits I die Konfirmation' überstanden, außer der deutschen, hinreichenden Unterricht in e n g lisch e r und französischer Sprache und in den Bildungsfächern crchxilen. kamt. Auch wären Musik, ClavierkenWisse sehr erwünscht. Nach Leistungen wird Salair bestimmt. Baldige Offerten werden franco erbeten. Für die israelitische Gemeinde zu Niedermeißen bei: Hessencassel EaNer^K^DMMeVtht ckl. . CyjT Gesucht wegen Todesfalls Religioi aiWReflectirendc Einsendung ihre? Vor Dse hiesige Gemeinde wünscht welcher auch zugleich die Fähigkeit eines Schächters und Vorbeters besitzt, sofort oder zu Ostern d. I. zu engagiren, und wollen hierauf Reflectirende von Unterzeichnetem Vorstande daS Nähere franco entgegennehmen. Salzgitter (Landrabbinat Hildesheim), im April 1854. Der Vorsteher der Synagogen-Gemeinde Herrmann Fischer.