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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-04-17 · Heft 16 (17.4.1854) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 16 (17.4.1854)
Date
1854-04-17
Page
Seite 198 (sequence 10)
Language
German
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m M u^"z Ä -g , Der Ghetto in Rom. <...-(F.ortsetzun.g aus Nr.,.48. .deS . vorigen Jahres.) .; Leo XU., von dem wir gesagt haben, daß er den Juden-nicht freundlich -gesinnt gewesen, güb ihnen ' gleichwohl das Recht-, Häuser als Eigenthum zuerwerben, wenn sie-schon daS dü8 OsrLsZL hatten. Er' erweiterte auch den Umfang' des Ghetto, indem er zu dem alten Elausiro noch die' Via' Reginella und einen Theil der Pescari'a hinzufügteso daß der Ghetto im Ganzen acht Thore hatte,- -die- 'überwacht - und allnächtlich " geschlossen wurden^ -- Während dersräUzöstschen Herrschaft'- in Rom war, wie-män' leicht begreifen' wird, -die Ghettosperrung aufgehoben, -und den Juden alle ''Freiheit,- in der Stadt zu" -wohnett - und" Gewerbe zutreibengesiättet wordeN. PiüS VIl. aber schloß Nach seiner Rückkehr im' Jahr 1814 den Ghetto von Neüem, -und er "blieb inder alten Verfassung bis auf den heute regierenden Papst. " M gereicht Pius IX^ zur Ehre, daß 'er, menschenfreundlich - und.^ liberaler alsseine Vorgänger,' die Ghettoschranken' niederriß, Und -dies geschah, wie eS mir-Juden ausdrücklich selbst bemerkten, nicht durch die jüngste Revolution fn Rom, sondern ein Jahr zuvor, da die ö WM liche Meinung 'und der reformirende Sinn des Papstes dieses-Zugeständniß an die Moral des Jahrhunderts verlangten. -E^Mbm^demnach alle jene Mauern und Thore, welchedMW Umschwung der öffentri^e Folge, daß den; überall in Rom tRecht, Gewerbe also als Zwin- ^sort als das trautes Schmutzes und der der Jude von seinem Recht Stadt zu ziehen, weih wie man^ml^^^wäS nun das Gesetz freistellt, doch durch daS unausrottbare Vomriheilunendlich erschwert, wenn nicht unmöglich gemächt wird: Die politische Reform deö Jahres 1847 bezeichnet also das Ende, jener fürchterlichen. Sklaverei der Juden Roms, welche so viele Jahrhunderte hindurch gedauert hat; so wenigstens hoffen wir, daß die Macht der öffentlichen Meinung sich stärker zeigen werde, als ein willkürliches Vorurtheil, wenn es sich in späterer Zeit erneuern sollte, und daß die geringen Freiheiten, welche nunmehr die Hebräer errungen haben sich aüch so weit -üusdehnen werden -' daß-ihnen ein ungeschmälerter Antheilan - allen Gütern der-Eultür und der Zivilisation gegeben werde. Die AüsfichUn' stehen' freilich inder Ferne, aber' sie --find näher geruckt.- - ' - -' - - •- Gegenwärtig berechnet man die Gesammtzahl der Ghetto- Bevölkerung auf 3800 Menschen^ eine ünberhältnißmäßig große Menge, überblickt Mn den kleinen Raum des Ghetto, welcher an Flächen'ausdehnung 'weniger betragt, als ein /fünftes Theil irgend eines Städtchens von 3000 Seelen. Die ganze Judenschaft (Universitk dei Ebrei) steht Unter der obersten Congregation der Inquisition, und ihr Special- Magistrat für alle civilen und criminellen Vorkommenheiten ist das Cardinalvicäriat. Das-Tribunal, welches, sie richtet, besteht aus dem Cärdinalvicar- - aus dem Prelato Vice- ' gereute, dem Prelato Lnogotenente Civile und dem Criminallieutenant. In polizeilichen Angelegenheiten übtdie - örtliche PolizeiMägisträ'tur - der -Präsident der Regionvon S. Angelo und Campitelli. - Diejüdische Gemeinschaft selbst hat das Recht, ihre innere Ordnung durch drei sogenannte Fattori -del Ghetto zu regeln, -welche auf-ein halbes Jahr gewählt werden: Diese sorgen für-Erhaltung der Straßenordnung, für Erleuchtung und Brunnen, -vertheilen die Abgaben auf die Einzelnen, tariren sie nach / dem- Vermögen, handhaben Krankenpflege, Almosenspende »und dergleichen. Im Ganzen beträgt die jährliche Abgabe deS Ghetto an den Staat und an verschiedene, religiöse Körperschaften gegen 13,000 Franken. Als ich den Ghetto zum ersten Mal besuchte, war dör Tiberfluß, vom Herbstwaffer angeschwollen, gerade ausgetreten, und seine gelbe Fluth strömte durch die Fiumara, die unterste Ghettostraßederen Häuserfundamcnte unmittelbar als Kai den Strom selbst einfassen; es strömte der Fluß auch am Bogen der Octavia, und das Wasser bedeckte die untern Räume der am tiefsten stehenden Häuser. Welch ein unsäglich melancholischer Anblick', das elende Judenviertel in den trüben Tiberfluthen versunken zu sehen! Alljährlich geschieht es, daß Israel in Rom die Sündstuth an sich erleben muß, und daß der Ghetto in den Wellen schwimmt, wie die Arche Noah mit Menschen und Gethier. Bisweilen steigt die Noth fürchterlich, wenn der Tiber, vom Schnee der Berge Und' der Regenfluth schwellend, noch durch den Westwind vom Meer zurückgetrieben, überströmt; -dann flüchtet sich, was zu unterst wohnt, in die oberen Stocke, welche sichunerträglich anfüllen und von erstickender Atmosphäre sich dmchpesten. - Das- Unglück ist größer, weil die Nahrung und der Erwerb stockt, und die

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