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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-27 · Heft 9 (27.2.1854) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 9 (27.2.1854)
Date
1854-02-27
Page
Seite 107 (sequence 7)
Language
German
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107 zusammen halten nicht ein Eremplar irgend.einer jüdischen Zeitschrift. Dafür findet man da ein ma für verwahrloste Müßiggänger, eine Missionsanstalt, gefüllt von jüdischen Kindern, und eine jüdische Schule — unter aller Würde. Wie ich aus zuverlässtger Quelle erfahre, sollen die Frauen eS den Männern da nicht gestatten wollen, für irgend eine Lectüre Etwas zu verwenden; aber an LuruS und Feten fehlt eS durchaus nicht da bei diesem zarten Geschlecht. — Freue Dich, lieber Leser! daß Deine Frau, wenn Du eine hast, entweder besser ist, oder nicht eine solche Macht über Dich hat. — Solche ebenbürtige Schwestergemeinden giebt eS in Chodzesen mit 300, Wreschen mit 400, Lobsenz mit 300, Gollancz mit 100, Schocken mit 100, Samoczin mit 200 jüdischen Familien, Anstatt jüdische Zeitschriften zu lesen und fich überhaupt mit jüdischer Wissenschaft zu beschäftigen, sucht man in diesen Städten die Mußezeit durch Kartenspiel zu lobten, der pob wie der Idiot, der sogenannte Gebildete wie der Unwissende/ der-Leh rer wie der Handwerker. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Februar. lPrivatmitth.) Die neue orientalische Frage hat auch bei uns die alte in den Hintergrund gedrängt. Fast scheint eS, daß der gerechte Weltenlenker die Völker dafür bestrafen wollte, daß sie eine durch die Umstände gleichsam von selbst gelöste Frage gewaltsam wieder heraufbeschworen haben. Er. sprach: Gelüstet euch so sehr nach einer orientalischen Frage, so will. Ich euch eine vorlegen, an der ihr zu knacken haben sollt. DaS Traurigste dabei ist nur, daß hüben und drüben gerade der am meisten leidet, der eS am-wenigsten verschuldet hat. Von. dem Legat der jüngst in Wien verstorbenen Frau Babettav. L ä me l zur Gründung eines jüdischen Krankenhauses in.P.ra g werden Sie wohl schon wissen. . Damit aber die 100,000 Gulden C.-M. ungeschmälert dem Fond verbleiben,wollendie Erben daS nöthige Gebäude nebst allem Zubehör aus eignen Mitteln errichten, Brav! sehr brav! Nun wäre noch zu wünschen', daß andere reiche Leute etwas für die Gesunden gründeten! Z. B. eine Erziehungsanstalt für Kinder unbemittelter Eltern, oder Stipendien für arme Studirende, namentlich Theologen, -7- oder , endlich, einen dem Bedürfniß der hiesigen Israeliten- Gemeinde angemessenen Tempel, wenn auch uicht so großartig, wie der, den die Wiener Israeliten- Gemeinde projectirt. Zwischen großartig und kleinartig giebt es noch einen Mittelweg. Man würde gern auf allen LuruS Verzicht leisten, wenn nur der Raum entsprechend wäre, damit doch der Einlaß in daS Gotteshaus nicht mehr als eine besondere Gunst und Gnade betrachtet werden müsse. Unter den 1218 Studirenden, die gegenwärtig diehiesige Universität besuchen, befinden, fich 99 Juden. Lehrstühle haben 4 Juden inne. — ... Wien, 12. Februar. lPrivatmitth.) Wenn ich mir.erlaube, Ihnen eine Privatangelegenheit mitzutheilen, so geschieht eS nur, weil dieselbe einen er? freulichen Refler der Stimmung deö^ PublicumS bietet. Die Tochter des Herrn Predigers Mannheimer wurde Braut mit dem sehr ehrenwerthen Kaufmann Herrn Fischel aus Prag. Die Freude in der hiesigen Gemeinde über dieses Familienereigniß spricht sich überall unverhohlen auS. Ich brauche Ihnen wohl über das Wirken des Herrn Mannheimer nichts zu sagen; wo die Geschichte den Namen der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde nennen wird, wird. sie seiner mit Ehren gedenken. Derselbe ist an 30 Jahre hier im Amte, und um in wenigen Worten Alles in Allem zu nennen, er hat unverdrossen und unermüdet Tag und Nacht gearbeitet, und nie etwas für sich-gewünscht und verlangt. DaS Heil seiner Gemeinde war die Sorge seines Lebens, der hat er sein Leben im vollsten Sinne deS Wortes geweiheU Ich, kann hier nicht darauf eingehen, dies weiter, auszuführen, und ich will bloS das. allgemeine Urtheil.anführen: Jeder Zoll an ihm ist der eines edeln Charakters, — DaS muß ich allerdings Hinzufügen, daß er den andern Beamten als. Muster und Beispiel vorangegangen ist, und ich glaube eS mit Recht aussprechen, zu dürfen, - daß sämmtliche hiesige Gemeindebeamten einen point ä'donlieur darein setzen, für die Gemeinde.zu wirken, ihr Wohl zu fördern. Möge.eS demselben gegönntsein, noch lange mit Freuden, bas Werk z.u schauen, daS er im Vereine mit-hochherzigen Männern in'S Leben rief! u-, AndererseitS aber freuet es, mich, dabei zugleich berichten zu können, daß,der Gemeiydevorstand auch zu jeder Zeit das Verdienst der Beamten, wo sich, ein solches herausstellte, zu würdigen wüßte. Gelegen-

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