Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1854)
- Date
- 1854-02-13
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Beilage zur Allgemeinen Zeitung des Judenthums No. 7. R e f t o t o g deS Ritter- Tanchum Pollack Daniels MuS dem Haag, im Januar 1854. Ist e- Bedürfniß für ein trauerndes Herz, das den Verlust eines hochgeschätzten, theuern Hauptes beweint, 'durch Mittheilung seiner Empfindungen seinen Schmerz zu lindern, so ist eS nicht minder eine heilige Pflicht, dem Andenken eines Mannes selbst in der Ferne allgemeine Theilnahme und Anerkennung zu gewähren, der sein ganzes Leben dem öffentlichen Wohle und dem Jntereffe deS JudenthumS mit Liebe und Aufopferung gewidmet hat. Unsere Dankbarkeit findet nur dann einigermaßen Beruhigung, wenn wir die LebenSskizze eines Mannes der Oeffentlichkeit übergeben, auf dessen Befitz unser Land stolz sein konnte und durch dessen zu frühes Ableben nicht nur die Seinigen, sondern auch seine Gemeinde und die Stadt, der er angehörte, einen unersetzlichen Verlust erlitten haben. Ein solcher Verlust hat uns getroffen durch den am Vorabend deS 21. Marcheschwan d. I. erfolgten Tod des sel. Tanchum Pollack Daniels, Präses der Hauptcommission für die israelitischen Angelegenheiten, Mitgliedes des Stadtraths, Vorsitzenden in der Verwaltung der Anstalt trfci» Nid (für alte Leute) und Ritter des Niederländischen Löwenordens. Geboren im I. 5556 a. in. auS einem der ältesten hier ansässigen jüdischen Geschlechter, zeichnete, er sich schon früh durch einen hellen Verstand, klaren Blick und Streben nach Wissen, so wie durch ächte Frömmigkeit und WohlthätigkeitSsinn aus. Seine Jugend fiel gerade in die Kröche, wo das Bedürfniß nach allgemeiner Bildung anfing gefühlt zu werden- und er gehörte zu der damals gewiß kleinern Anzahl von Männern, die jene mit der strengsten Anhänglichkeit am traditionellen Glauben und Cultus zu verbinden verstanden. Einen hervorstechenden Zug seines Charakters bildete seine stete Freundlichkeit und Toleranz, die bei ihln Frucht seiner HerzenSgüte und Achtung der Meinung Anderer war» Indem er daS sich vorgesteckte Ziel fest und unveränderlich im Äuge behielt, glaubte er durch Milde und Versöhnlichkeit auf einen, wenn auch langsamern, doch aber sicherem und nachhaltigem Erfolg rechnen zu können. Ohne seinen Grundsätzen und Strebungen etwas zu vergeben, gelang es ihm, die Achtung, ja Freundschaft der entgegengesetztesten Meinungen sich zu erwerben, so daß die Erhaltung des Friedens und der Eintracht unter seinen Niederländischen Glaubensgenossen als Erfolg seiner Bemühungen betrachtet werden darf, was dem edlen Verstorbenen ein herrlicheres Monument in ihrem Herzen gesetzt hat, als selbst erlaubte Cultusveränderungen vermocht hätten, die mit den oft daraus entstehenden Trennungen und Zwisten in den Gemeinden zu thcuer erkauft werden. — Kaum in'S Mannrsalter getreten, war er für das Wohl seiner Gemeinde rastlos thätig und stand schon früh durch Geist und Charakter, wie durcb fromme Lebensweise und Menschenliebe, bei seinen Mitbürgern in-hohem Ansehen. Sein Wirken im öffentlichen Leben erhielt aber erst einen höhern Schwung, als er, nach dem Ableben seines Onkels, des Herrn A. Pollack Daniels zu Amsterdam — eines Mannes, der sich gleichfalls um Judenchum und Menschheit vielfach verdient gemacht und welchem er theilweise seine Erziehung und Bildung verdankte — 1836 in die Hauptcommission für die israelitischen Angelegenheiten eintrat. Jeder, der unsere Verhältnisse kennt, wird einräumen müssen, daß seine rastlose Thätigkcit in diesem Wirkungskreise-Außerordentliches geleistet und daß seine ungeheuchelte Frömmigkeit auf dem religiösen Gebiete viel Gutes gefördert und gestiftet hat. Steiö bestrebt, die Lehre deS göttlichen Wortes in niedern wie höhern Lehranstalten zu unterstützen, scheuere er keine Mühe, sich dafür bei Regierung und Vorgesetzten zu verwenden, und