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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-01-23 · Heft 4 (23.1.1854) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 4 (23.1.1854)
Date
1854-01-23
Page
Seite 40 (sequence 2)
Language
German
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40 noch Ausnahmen und zwar in einigen wenigen Gegenden. Und endlich in den Beneficien des Staates können die Juden nun einmal gar keine Cöncurrenz machen, denn da kommt eS ja niemals auf die Empfänger, söndern auf den Geber an, und wir Juden danken schon Gott auf's Inbrünstigste, wenn wir nur mit Maleficien verschont werden. Ucbcrhaupt erkennen wir Juden dankbar an, daß . unter allen modernen Momenten immer noch der Staa i, und zwar gerade der bureaukratisch e Staat der freisinnigste gegen uns war und ist, denn bei jeder fortstürmenden Periode erhob sich das Volk gegen unS, ünd1 b'ei jeder' Reaction Adel und oberer Bürgerstand — nur der ruhig sich entwickelnde Staat giebt uns Ruhe, Recht,- Freiheit, und er allein die Hoffnung in die Zukunft. Warum also aber doch dieser unersättliche Judenhaß der Junkerpartei? Dennoch aber erst noch die Frage, war er immer so? war er im Mittelalter, in der eigentlichen Zeit des Judenhasses, auch bei derselben Classe? Wir müssen diese Frage bejahen. Die eigentlichen großen Herren des Mittelalters sahen die Juden gern, und förderten meist die - Niederlassung von Juden auf ihren Ländern, in ihren Städtchen und Flecken; weil diese Juden ihnen die Bedürfj nisse des Lurus leichter verschafften, ihnen Unterhändler j bei Anleihen waren, Steuern bezahlten, und durch Verj kehr die Einnahmen steigerten. Der niedere Adel aber - gerieth immer in Schulden, in die Hände der Wucherer, , und zwar immer tiefer, und natürlich zu einer Zeit, wo i die Juden zum Geldhandel und Trödel verurtheilt waren, - insbesondere bei diesen. Wie man nun den schon von; sechsten hasset, den man braucht, noch mehr wenn dies ein vermeintlich niederer,- verachteter Mensch ist, so haßt man noch mehr den, dem man verschuldet ist, und kann; man ihn durch diesen Haß gar los werden und verderben, i wie steigert er sich da sä inlmllum. Man kann daher; dreist sagen, ohne der Unwahrheit oder Uehertreibung! gczeiht zu werden, daß drei Viertel der Verfolgungen, Verbannungen, Confiscationen u. 's. w., welche die Juden; im Mittelalter erlitten, lediglich vom verschuldeten kleinern , Adel angeregt wurden, der damals das Ohr der Fürsten! belagerte, während der hohe Adel fast selbst souverain , auf seinen Schlössern und Burgen lebte. Aber diese Verhältnisse haben sich vollständig geändert, j Die Juden haben aufgehört, den kleinen Geldhandel zu! betreiben; die Juden haben ausgehört, die alleinigen Ver-! borger zu sein, denn eö verborgt jetzt Alles, fast bis auf deri Holzspalter herab; und eS wird überhaupt nicht mehr so viel Geld verborgt, wie Maaren; auch haben die Verbanüungest Confiscationen ü. dglftn GrWMgeHn die Juden Kufgehö'rt, und find Kr.klchsirchen ÄissDiHungSmaßregeln zusammengeschrumpft, die drücken, aber" nicht drängen, wodurch die selbst verlieren, welche sie auSüben, und Keiner gewinnt. Also warum doch? Und um so mehr, da nicht zu leugnen ist, daß gerade in der Junkerpartei eine große Bildung und gesellschaftliche Tournure vorhanden ist; daß sehr viele Heroen der Wissenschaft und Kunst auS ihr' hervorgegangen, und' nicht minder eine bedeutende Zahl der erleuchtetsten Staatsmänner und Administratoren? Seieü wir offen; man haßt nur, worin man eine gegnerische Macht erkennt, und dem' man Ansprüche zu- Lraut. Wahr ist es, man kann sich in dem Glauben an eine Macht, wenigstens über ihre Stärke, irren, aber eben so wahr ist es, daß der, wem man Ansprüche zütraut, auch ein Recht auf diese besitzt. Weil also die Juden ein Recht besitzen, und darum Ansprüche machen, im modernen Staate gleich allen Bürgern nicht ausgeschlossen zu werden, und weil man ihnen eine Macht, theils materielle, theils intellektuelle, zutraut, diese Ansprüche geltend zu machen — darum dieser Haß gegen die Juden bei allen Denen, welche diesen modernen Staat .als ihnen nachtheilig, ihre Vortheile und Vorrechte beeinträchtigend bekämpfen^ Sie glauben, daß, weil die Juden mehr als irgend ein Theil der bürgerlichen Welt persönlich hierbei betheiligt sind, denn es geht sie und ihre Kinder in ihren persönlichsten Verhältnissen an, darum werden sie am meisten dafür einsetzen. Es liegt hierin etwas Wahres. Wären die Herren aber bloße Politiker, d. h, würden sie nicht außer diesem politischen Motiv auch noch von anderen Vorurtheilen, von religiösen, socialen u. W. getrieben,, so müßten sie einfehen, daß, wenn sie die alten Elasten und Stufen im Staate Herstellen wollen, sie gerade die Juden mit den Bürgern gleichstellen müßten, um in den Juden nicht noch besondere, und weil benachtheiligtste, darum hartnäckige Gegner zu haben, so müßten sie einsehen, daß, sobald die Juden als solche keinen besonderen Beschränkungen unterworfen sind, sie aufhoren, ein besonderes Interesse an den staatlichen Vorgängen zu haben, daß sie dann nur eine Zahl Individuen werden, wie alle Anderen, und keine. große. So aber, wie die Partei gegen die Juden jetzt handelt, ist es klar, daß sie in den Juden dem schweren Gewicht aller Zeit- und Weltverhältniffe noch eine

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