Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 37 (6.9.1852)
- Date
- 1852-09-06
- Page
- Seite 447 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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447 hob das Gesicht nach oben und schnuppte, wie wol Einer thut, dem was in der Luft nicht geheuer ist, und Ester hob auch ihr Angesicht und. schnupfte. Endlich murmelte der König: „ich wittre Morgenluft; schnell, Karpel, Du hast unsre Majestät fürbaß mit Deinem Spiel ergötzt, jetzt sollst Du auch Deinen Lohn haben.. .Heran trat auf des Königs, Wink ein Kämmerer mit einem großen Beutel voll köstlichen Goldes, da griff der König hinein, üNd stopfte mit eigner hoher Hand ein-, zwei-, dreimal dem Karpel das pure Gold in die weiten Taschen, daß es diesem schwer um die Lenden ward. Da strich ein scharfer Luftzug durch die offenen Fenster und Pforten, im Nu verlöschten die Lichter, Karpel hob den Kopf, der ihm auf die Brust gesunken war, in die Höhe, und er saß aus dem Eckstein, rieb sich die Augender Morgen war angebrochen, er wußte, wo er war. Rasch erhob er sich, schlurfte nach seinem Hause, warf sich aüf'S Bett, und schlief bis in den hellen Tag. Wachte er gegen Mittag auf, und lang, lang besann er sich. Allmälig lösten sich die Bilder dessen, waS er in dieser Nacht geschaut und erlebt, aus der Erinnerung; hell und klar stand es vor ihm, wie er unter den Meißim gewesen, und ihnen zum Tanz aufgespielt, wieAchaschweirasch so gnädig gegen ihn gewesen, und dessen Oberhofsänger ihm eine vierte Melodie gelehrt — halt, hat er Dir nicht auch pures Gold in die Taschen gestopft? ... Karpel, Du bist nun eia reicher Mann, und kannst selbst ein Purimmahl geben.... Rasch sprang er vom Bette auf, griff in die Taschen, ja, sie waren gepfropft voll — aber von Kuchenbrocken und Krumen . . . das Gold war fort. . . . Karpel besann sich — sollte der große König Achaschweiraufch einen Purimschwank mit ihm gespielt haben?. . . rasch die Geige zur Hand) der Bogen darauf -r ■— ach! wie lieblich klang ihm die vierte Melodie entgegen, in schönen, getragenen, sanft anschwellenden Tönen: „Wo bleibst du denn so lange, lange?" „Ich war ja auf der Wiese, Wiese!" und diese Strophen immer wieder/. . . Ha! über den Verlust des Goldes tröstete er sich bald, hatte er doch die Melodie, seine vierte Melodie, ein Lied, über das er seit Zähren gesonnen, und das er nie herausgebracht, nun aber vom Oberhofsänger des Königs Achaschweiraufch in einer Nacht gelernt hatte. ... WM war glücklicher? Am nächsten Purim, als Karpel wieder die Runde machte, war alle Welt über die Maßen erstauntda Karpel' zu den drei wohlbekannten Melodien eine neue, eine vierte hinzufügte, und was für eine? „Wo bleibst. Du denn so lange u. s. f." — „Karpel, wo hast Du die Melodie her?" Aber Karpel schüttelte mit dem Kopfe. Meinem Großvater aber, der Karpel sehr gewogen war, und von dem er sich jeden Sabbat sein Essen holte, vertraute er es in einer schönen Stunde geheimnißvoll an, daß er sie vom Oberhofsänger deS Achaschweiraufch ln jener denkwürdigen Purimnacht gelernt, und wie es dabei zugegangen... . Mein Großvater lachte anfänglich, und sagte: „Karpel, das hast Du geträumt, als Du im Räuschchen auf dem Eckstein eingeschlafen.... wenn es wahr ist, zeig' mir daS Gold!" — aber Karpel antwortete: „Reb Joffes, bei meinem Leben, es ist Alles wahr, das Gold hat mir der lästige König in Kuchenbrocken verwandelt, aber woher hätt' ich denn die Melodie?...Die konnte freilich mein Großvater nicht wegdisputiren, und glaubte daher auch, daß es kein Traum gewesen, und ich glaub' es auch, denn sonst wär's ja kein ~ Mährchen! (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Vakanz. Für unsere Gemeinde wird sobald als möglich ein Schächter und Vorbeter gesucht, der einen Chor einzuüben und zu leiten versteht. Das Gehalt beläuft sich auf 150 Thaler, außer den vorkommenden Akzidentien. Meldungen nebst Zeugnissen werden portofrei entgegengenommen., Neuwedell i/Neumark, im August 1852. Der Vorstand der israet. Gemeinde. Für die israelitische Gemeinde Hierselbst wird zu Ostern 1853 ein Religionslehrer gesucht, der nicht nur die Funktionen eines Vorbeters und Schächters zu verwalten hat, sondern auch zur Leitung des Chors und zur Haltung deutscher Vorträge in der Synagoge verpflichtet ist. Reflektirende belieben sich in portofreien Briefen an den Unterzeichneten Vorstand zu wenden. Malchow, den 16. August 1852. Markus M. Löwenthal, als Vorstand der israelitischen Gemeinde daselbst. Ein geprüfter jüdischer Lehrer, der schon mehrere Jahre eine Schule selbstständig geleitet hat, sucht eine angemessene Stelle. . Hierauf Reflektirende wollen sich ge-