Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1852)
- Date
- 1852-08-16
- Page
- Seite 403 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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403 Formheil,gkekt, und seine Begeisterung riß Alles mit sich fort, so daß es ihm gelungen ist, einen großen Theil der pröjektirten Synagogenordnung sogleich einzuführem Möge es diesem allgemein beliebten'Ehrenmanne vergönnt sein, bei den seiner geistlichen Leitung anvertraüten Gemeinde echte Religiosität und Gesittung einheimisch zu machen, und der Vergelter alles Guten sein edleS Streben mit dem besten Segen krönen. L. Bü ch m a n n, Religionslehrer. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die mathematischen Wissenschaften unter den Juden. Eine historische Skizze ' von Daniel Ehnnann, Rabbiner in Hohenems. (Schluß aus No. 11. 25. 28.) Auch Über die Verschiedenheit der Zonen wird eine Erklärung gesucht. Zwei Talmudisten sind' hierüber verschiedener Meinung. Nach dem Einen gleicht die Erde einer Halle, deren Nordseite nicht eingeschlossen ist, so daß die Sonne an jener Stelle gegen Nordost über den Horizont steigt, her Andere hingegen ist der Ansicht, die Erde sei eingeschlossen (rund), allein die Sonne kehrt bei Nordost wieder zurück. *) So unklar das Alles ist, enthalt es doch eine dünkte Andeutung von der EüypseNbewegung der -Erde. Am Deutlichsten bewährten aber die Rabbinen ihre astronomischen Kenntnisse durch' folgende Angabe der Umläüfszekten von den meisten damals bekannten Planeten.* 2) Die Sonne, heißt eS, in einem Jahre oder 12 Monaten, der Mond in 30 Tagen, Jupiter in 12 Jahren, Saturn in 30 Jahren, Venus in 10 Monaten, Mars in 18 MoNaten. Einige dieser Zahlen sind allerdings nicht ganz genau, aber der Wahrheit ziemlich nahe. ‘) Baba Batra 25 b. 2) Midrasch Rabo Genes. 10. Diese Stelle ist auch für die Kritik des Midrasch Rabo wichtig, und zeigt, daß die Redaktion des'Buches erst spät seiner Abfassung folgte. Die Umlaufszeiten von Venus und Mars werden falsch angegeben, und die Verbesserung wird mit den Worten: „Es muß gefragt werden" —- ein. neuer Ausdruck! — eingeführt. In der nachtalmüdischen Periode lagen die Gefilde des Wissens im Allgemeinen brach, und so wurde auch auf Mathematischem Gebiete nicht viel geleistet. Erst zu Anfang des lOteN Jahrhunderts lernen wir in Sabatai ben Abraham Dinolo (di Nola) einen tüchtigen Astronomen kennen. Er war zu Aversa in Italien geboren Und verfaßte mehrere astronomische Schriften. Durch die Araber wurden die Wissenschaften nach Spanien verpflanzt, und aNch die dortigen Jüdeü zeichneten sich ehrenvoll auS.. Namentlich in den mathematifmen Wissenschaften wurde Treffliches geleistet. MaimonideS hat im Traktate hinlänglich seine Gelehrsamkeit in diesen Fächern bewiesen. Aben Esra schrieb'mehrere mathematische Werke, darunter eines über die Anwendung des Astrolab, ferner eine mathematische Spielerei rii!?l2NN betitelt *). Sarachja Hallevi, Levi ben Gerschon^ besonders aber Abdäham ben Chm waren tüchtige Mathematiker. Jfak Aben Said verfertigte 1251 astronomische Tafeln für König AlphonSdie 9 Jahre später auf Befehl des Königs von Jakob Alkarst in's Hebräische übersetzt würden. David GanS in Prag, Verfasser des Geschichtswerkes -ii"! N-2L, übersetzte sie für Tyho di Brahe in's Deutsche 2). Jsak Israeli verfaßte 1310 in Toledo fein bekanntes Werk über Astronomie iiv''. Moses Aben Tibbon übersetzte 1370 den Euklid aus dem Arabischen in's Hebräische. In der ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts schrieb auch Kalonimos ben Meir ein mathematisches Werk. So ließen sich aus der spanisch-arabischen ° # *) Ich habe dieses Schriftchen nicht gesehen, bin aber schon als Kind von meinem seligen Vater mit dem Inhalt desselben bekannt gemacht worden, den ich hier für Freunde von dergleichen geistigen Unterhaltungen mittheile : Ein arabischer Kapitän hatte auf seinem Schiffe 30 Reisende, .15 Araber und 15 Heiden. Ein heftiger Sturm entsteht, und er sieht darin das einzige Rettungsmittel, wenner die Hälfte seiner Mannschaft über Bord wirft, um so das Schiff zu erleichtern. Die Heiden waren als Opfer auserlesen, doch möchte er die Unglücklichen nicht mit Gewalt, sondern durch eine List, durch einen mathematischen ÄZitz dem Wassertode preisgeben. Er stellt seine 30 Mann in eine wohlberechnete Reihe, und bestehlt, daß immer der 9te Mann den Wellen übergeben werde. Auf diese Weise kamen alle Heiden um's Leben und die Araber wurden geschont. Lassen wir die Araber durch Striche und die Heiden durch Rädchen dargestellt sein, so war die Reihe wie folgt, wobei man von der Rechten zur Linken zählen muß': •0! I 0 0 | 0 0 0 | | 0 0 I 0 I I | 0 11 0 0 0 oöm I 2) Gans: vvdi Vorrede.