Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1852)
- Date
- 1852-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xvi. Jahrgang. Allgemeine No. 34. unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. - Redaktion: Vr. Ludwig PHLlippfon, Dr. B. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 16. August 1852. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal', Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u.s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis-äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Me Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. In h a l t. Leitender Artikel: Was wir von der Jugend erwarten? Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Preußen: Berlin, Goch. Oesterreichisch er Kaiserstaat: Prag. -Frankreich: Paris. Rußland: Mitau, Mitau, Mitau, Warschau. Amerika: Havre. Kleine Berichte aus den Gemeinden:. Adelsdorf. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Die mathematischen Wissenschaften unter den Juden. Eine historische Skizze von Daniel Ehrmann, Rabbiner in Hohenems. (Schluß.) Literarische.Nachrichten: Prag (Fortsetzung). Korrespondenzen: Lippstadt, Synagogenweihe. — Briefe aus Holland. Zweiter Brief. Leitender Artikel. Magdeburg, 9. August. * Was wir von der Jugend erwarten? AuS einer großen Stadt eines großen Staates schreibt mir eben ein sehr würdiger Mann : „Es wäre höchst traurig, wenn Hunderten von Jünglingen, die im Vertrauen auf die ausgesprochene Gleichberechtigungseitdem ihre kostbare Zeit und Kraft auf ihre.Vorbereitung zum Staatsdienst verwendet haben, eine jede Aussicht benommen und nur die Wahl zwischen einem erzwungenen Religionswechsel oder der Resignation auf eine gehoffte ehrenvolle Berufsthätigkeit übrig bleiben würde. Ich zweifle nicht, daß Viele den Kampf müthig bestehen würden; denn es ist unglaublich, wie sehr der religiös-fittliche Ernst, trotz der Larität in äußerlichen Handlungen, hier unter den jungen Leuten, erstarkt ist; die religiöse Ueberzeugüng und ba& Festhalten an ihr ist Vielen eine Ehrensache, eine unverbrüchliche heilige Pflicht, die man um so strenger erfüllen müsse, je größer der Widerstand, je lockender das Ziel des AbfallsM" * ' : Ich gesteffe^diese Worte eines wahrheitsliebenden Beobachters, der damit gar nicht für die Oeffentlichkeit schrieb, so wenig unvermuthet sie mir kamen, so sehr erfreuten, beglückten sie mich doch. Denn das ist es ja, was wir vor Allem vor der Jugend erwarten: eine erstarkte religiöse Ueberzeugung und die dadurch befestigte Glaubenstreue! Es war eine Zeit, wo vom strengsten Rigorismus, von der eifrigsten Beobachtung der Ritualien,/mit einem Worte von der äußersten s. g. Orthodoxie im Judenthume bis zur äußersten Religionslosigkeit nur Ein Schritt schien, wo man die Söhne der orthodoxesten Eltern mit dem ersten Schritt aus dem väterlichen Hause zu Religionsverächtern, Religkonslpöltern werden sah, wo die Vernachlässigung der geringsten der Ä^ri-Mizwot das Losungswort zum Wegwerfen alles religiösen Verbandes schien. Es war hinwiederum eine Zeit, wo daö Judenthum allein in der strengen Uebung der jüdischen Asketik.enthalten schien, wo, wer von den tausend Verpflichtungen dieser nur die geringste nicht erfüllte, des Judenthumes baar erschien, eine Zeit, in der man keine Ahnung halte, wie man vom Judenthume erfüllt, begeistert, entflammt sein könne, ohne stets mit Zizit und Tefillim sich sehen zu