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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-07-19 · Heft 30 (19.7.1852) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 30 (19.7.1852)
Date
1852-07-19
Page
Seite 355 (sequence 7)
Language
German
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855 Ministerium hat wiederholt beider Berathung damals sich dahin ausgesprochen, -daß - der- Artikel 16 und die darin enthaltenen Beschränkungen hinsichtlich deS Gutsbesitzes Ger Juden durch dieses Gesetz aufgehoben seien, und dennoch, haben Kreisregierungen in Baiern ungescheuet die entgegengesetzte Ansicht nicht nur ausgesprochen, sondern fortwährend geltend gemacht, und zwar in einer 'Weise, wie sie bisher gar nicht vorgekommen ist; es' wurden nämlich diese Verfügungen in einer ähnlichen Weise publizirt^ wie sonst die allgemeinen Ministerialerlasse publizirt worden sind. Es scheint, daß die Kompetenzverhssltniffe in dieser Beziehung rein auf den Kopf gestellt sind. > Um nun nicht abermals m die traurige Lage zu kommen, daß man in jedem einzelnen Fall an das StaatSministerium gehen muß,' und etwa gar wegen Frist- oder Formversäumniß um sein gutes Recht kommt, und um den interpretiven 'Scharfsinn der Leute, denen Nichts deutlich genug sein, wenigstens bei dem vorliegenden Gesetze'mir den Worten des Gesetzes selbst matt zu machen, habe ich den vorliegenden Antrag gestellt. Die Modifikation wird unterstützt.; Dr. Ruland, sonst ein arger Judenfresser, spricht sich diesmal glimpflich aus und will ein bischöfliches Landmandat von dem Kauf und Verkauf liegender Güter von Juden, vom 20. Juli 1795" zwar nicht für eine bestimmte Klaffe, aber allgemein angewendet wissen. Ein allmeines Gesetz auch gegen die christliche Gütermäkelei rc. Reinhart erzählt ein Beispiel, wie einem Juden die Verprotokollirung eines Gutshandels dreimal verweigert wurde. Endlich sei ein Jude als Käufer.aufgetreten, der in den Adelsstand erhoben war. Dieser hat seinen AdelSbries vorgezeigt und nun wurde auf den Namen des adeligen Juden das Gut zertrümmert , die anderen Juden waren es aber eigentlich, welche daS Gut zerschlagen hatten h. k. Ministerpräsident v. d.-Pfördten vertheidigt den Gesetzentwurf und berührt obige Verhältnisse nur ganz allgemein. (Schluß folgt.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, 5. Juli. kW. Ll.) Der pesther Groß- Händler und Vorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr David Fleisch!, hat zur Feier der Ankunft Sr. I I apost. Maj. in Pesth und zur Verewigung des Andenkens an dieses Ereigniß den Stiftungsbeitrag von 1000 Fl. bei dem hohen k. k. Zivil- und Militärgouvernement zu irgend'einem wohlthätigen Zwecke erlegt. Se. k. t. .Hoheit Erzherzog Albrecht -haben diese Stiftung dem pesther Blindeninstitut zugewendet. Prag, 6. Juli. Die Direktion des Vereins zum Wohle hilfsbedürftiger Kinder belobt öffentlich einen Herrn Simon Pollder sich unentgeldlich.der Einsammlung von Beiträgen mit der rühmlichsten Strebsamkeit unterzogen hat,' nachdem er schon bei mehreren WohlthätigkeitSvereinen der israelitischen Gemeinde sich gleiche Verdienste erworben. Wien, Anfang IM (Privatmitth.) Wir leben jetzt hier in der --stillen Zeit". Nach allen Ecken und Enden ist die Bevölkerung Wiens zerstreut und darunter freilich auch die Juden.- Ich erlaube mir hier gleich eine Bemerkung anzuknüpfen. Wer an Feiertagen Ausflüge macht — ich meine an christlichen Feiertagen, da der alte.Jude am Sabbat wegen Techum rc., der neue Jude des Geschäftes halber keine Ausflüge machen kann der wird sich bald überzeugen, daß an allen Punkten, wo es schöne Naturansichten giebt,' Israel sehr stark vertreten ist. Ich rechne dies meinen Glaubensgenossen zum Ruhme an. Während die sonstige Bevölkerung der sogenannten Mittelklasse nur darauf auSgehet, bei ihren Gelagen Harfe und Pauke und Pfeife zu haben, und Gottes Werke und Thaten nicht schauen und keinen Sinn dafür haben: ist eS der Jude, der nicht bloS den sinnlichen Genuß haben will. Sie finden dasselbe Derhältniß auch aufanderm Gebiete. In den Schwimmschulen ist verhältnißmäßig die Zahl der jüdischen Zöglinge bedeutend größer; dasselbe gilt auch von den Turnanstalten. Der Jude scheuet keine Kosten und thut mehr, als ihm öfters die Verhältnisse gestatten, für die Bildung und Erziehung feiner Kinder. So sehr wir gewiß alles und jedes Vordrängen aus dem Grunde unserS Herzens verabscheuen, weil wir eS überhaupt vorziehen, wenn en eolonne gezogen wird, als wenn einzelne Plänkler da und dort ihr Pulver verpuffen: so fühlen wir ünS anderseits gedrängtdaS was anerkennenSwerth ist,, anzuerkennen.' Göthe sagt zwar: die Natur ist am Stillsten, Wenn sie am Meisten schafft; doch gilt dies bei dem

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