Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1852)
- Date
- 1852-07-05
- Page
- Seite 332 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225768-3225797--12515-3242693- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
die■ Straßen; Aehordea!S.;: so wird kaum Jemand; daran denken, den sonst so bescheidenen Gelehrten, -der nicht ohne 'Grund-: von seinen.-Zeitgenossen „der Mondenberechner" *) genannt wurdeder Prahlerei zu beschuldigen. Man unterzog die wichtigsten Fragen' über Stand und Bewegung der Erde und der Himmelskörper, über die Umlaufszeiten der Planeten einer gründlichen. Erörterung, und war -auch mit den hergekommenen.Grundsätzen in der Astronomie vertraut. 28 Jahre hießen auch : ihnen ein Sonnenzirkel 2). Auch kennen sie Gebrauch und Einrichtung-der Sonnenuhren, welche „Stundensteine" genannt werden 3)» Bei dem äußern Druck,: unter welchem die Juden schmachteten,, bei der düstern Lebensweise, innerhalb welcher sie: gebannt waren, ist eS wol natürlich, daß jene wissenschaftliche»; Resultate die nicht durch die bloße Forschung ermittelt werden können, sondern der Ausmessung bedürfen, weniger genau waren; doch fehlten, ste auch. hierin nicht gar: weit vom-Ziele, nur muß man die Ver-- schiedenheit der Maaßeinheit in Anschlag zu bringen nicht vergessen. Wenn der Talmud behauptet, der Umfang der Welt — und es sei zugleich bemerkt, daß er meistens unter Welt die Erde versteht — habe 6000 Meilen, so muß man dabei an den Umfang des Aequators denken, was mit Berücksichtigung der erwähnten Umstände nicht zu sshr von der Wahrheit abweichen mag 4). Die Behauptung, daß PythagoraS bereits.das kopernikanische^ System kannte, ist nicht unbekannt 5)11 ES ist aber jedenfalls merkwürdig, daß auch dem Talmud dieses System nicht fremd war, der eS ausdrücklich den jüdischen Astrondmen vindizirt ^). Die Weisen Israels'behaupten: Das Rad (Sonne) stehe fest und ble -Pläneten wandeln^ die Weisen anderer Völker behaupten: Das Rad bewegt sich und die Planeten stehen?). Hier treten die Juden schon : *) Baba Mezia 85 b. 2) Berachot 59 b; ‘ 3) Ediot Kap. 8. Kelim 12, 4, 4) Pesachim 94 a. -5) David Gans führt sie^ in seinem Buche -über Astronomie aus dem Werke aV)3>m an.« . ■...■]> . p) Vielleicht wußten es die alten Hebräer schon, daß die Erde sich bewege, und der Name dürfte von laufen, abstammen,, wenigstens kennt der Midrasch (Rabo Genes. 5) bereits diese Etymologie, wenn er sie auch zu ' einem andern Zwecke benutzt ,n?ai .Ndist'jiL'i :nwJiV nnariiö -/yi« T), Pesachim 94 b. Rasch! hat natürlich diese Stelle anders aufgefaßt, weil auch er das neue System nicht kannte. in den^ äitestm Zeiten als,- selbstständige gründliche -Forscher auf.. Auch steht man deutlich, daß: sie die wissenschaftlichen Ansichten fremder.Völker kannten und-, schätzten. Bei einem andern. Streite über den Stand der Sonne bei, Nacht; stimmt der bekannte Mischnaredakteur. „Rabbi", d^en nichtisraelitischen Astronomen bei, welche behaupten: die Sonne beßnde sich bei Nacht unter dem Boden ^), was so.'viel sagen will, als: sie scheine bei den Antipoden. Wir, dürfen es - uns nicht verhehlen, daß die Talmudisten über die Gestalt der Erde keine ganz klaren Begriffe . hatten?). Es ist, viele Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß ursprünglich, bevor die theologischen Kontroversen durch die Schulen Schamai'S und Hillels an die Tagesordnung kamen, die Astronomie besser gepflegt, wurde, worauf auch der Ausdruck.„die Weisen Israels" deutet. Man scheint, in, einer Weise nach dem Muster der.Griechen, jene ausschließlich ,Meise" genannt» zu haben, die sich mit den mathematischen Wissenschaften beschäftigten 3). : : Die Bewegung der Sonne von Osten nach, festen war gleichfalls bekannt, darüber wird uns ein Gespräch überliefert, welches Kaiser AntoninuS,mit seinem Freunde Rabbi hielt 4). Sonnen- und Mondesfinsternisse, unwissenden Völkern ein Gegenstand der Furcht, und deö Schreckens, machten den Israeliten, welche, deren Entstehung kennen, durchaus keine Angst 3). Der bereits.erwähnte Naßi Gamaliel hatte die Zeichnung deS Mondes....in.allen seinen Gestaltungen auf eine Tafel, um darnach die Zeugenaussage über den Neumond zu konstatiren?)... . ..•-.V'- (Schluß folgt.) . Literarifche Nachrichten. Aus Mähren. (Zur ^chulliteratur in Oesterreich.) N'rVa idi Leitfaden beim *) Pesachim 94 b. 2) Ibid. . _ ,; i, * 3) Daher mag es koimnen', daß' die Stelle im Peiüateuch: „Das ist eure Weisheit und euer Verstand'vor'den Augen der Völker" vom Talmud gerade auf die Tüchtigkeit der Juden ini der Astronomie angewendet wird: Auch heißt es von . dem bereits erwähnten Astronomen Samuel: Ein Weiser werde er genannt, aber nicht ein Rabbi. 4) Sanhedrin 91 b. 5) Sukka 29 a. ' '• /.; 6) Rosch Haschana 24 s. . :