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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-28 · Heft 27 (28.6.1852) · p. Seite 315

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 27 (28.6.1852)
Date
1852-06-28
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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es unter den Menschen gelten soll und muß, schöpfen und erkennen wollen? Es ist 'barer Unsinn, Vorspiegelung, Täuschung. Die Natur kann Dich niemals belehren, wie der Mensch gegen sich selbst und gegen seine Mitgefchöpfe handeln soll, was er an seiner freien Willkür zu Händeln aufzugkben habe, waS er -zu opfern habe, um dem Rechte zu genügen, das ihm Gesetz sein soll bei der Wahl seiner mit Bewußtsein vollbrachten Thätigkeiten. Die Natur als Quelle irgend eines Rechtes ansehen zu wollen, ist ein völliger Widerspruch, da die Natur kein Recht, kein bewußtes Aufgebcn seiner -persönlichen Willkür, keine bewußte Willkür, sondern nur die Nothwendigkeit eines unveränderlichen, allgemeinen Gesetzes hat. Was ist aber nun die wahre Quelle des wahren Rechtes? .'. Wir sägten oben, jedes Volk, jeder Volksstamm hat sein Recht, seine Sitte, sein Gesetz.. Aber welche Verschiedenheit fand in allem Dem unter, allen Völkerschaften aller Zeiten statt! Und nicht etwa blos unter zivilisirtcn und unzivilisirten. Die. Sparter belohnten den mit List und Gewandtheit ausgeführten Diebstahl; die Völker des Mittelalters hielten die Anwendung der fürchterlichsten Torturen für Recht; der Religionsfanatiker zündet Scheiterhaufen dem Ketzer voller Bewußtsein seines Rechtes hierzu; wie Vieles gilt noch heute in den erleuchtetsten Staaten für Recht, was späteren Folgezeiten fast unbegreiflich, erscheinen wird> während wilde Völker die Tödtnng greiser Eltern - wegen ihrer Altersschwäche und das Verzehren ihrer Feinde für Recht halten; aber gehet noch heute nach den Sklavenstaaten, gehet nach dem sogenannten freien Nordamerika, und sehet, waS dort Rechtens gegen die Sklaven ist. Aus der Geschichte des Rechts wird uns eine Re chts unsicher he it entgegenkoinmen, die uns die Unzulänglichkeit des Menschen, das Recht festzustellen, erweisen wird. Wollen wir also irgend ein-allgemeines Recht haben und erkennen, ein Recht, das unter allen Himmelsstrichen und in allen Zeiten seine Geltung haben sollte, ein Recht, daS unverkürzt bleiben muß, so daß das Gesetz eines Volkes oder Staates, welches ein andres feststellt, das wahre Recht verkürzt: so bleibt uns als einzige,' sichere und unwandelbare Quelle^ allein die Po fit iv e Relig ion, b ic religiöse.Idee, wie sie von der Religion Israels in die Menschhüt gebracht worden. Sie. allein stellt unS die ewigen Grundsätze, des Rechts anft auS-denen die einzelnen Rechte und Gesetze fließen und abzuleite'w sind; sie, die religiöse Idee,' giebt üns den Bodens ausnwelchem das ewige Menschenrecht--hervorsprießt,n und mögen nun die Zeiten und Zonen daran modeln und modkfiziren, wie sie wollen'— wir vermögen immer wieder zum wahren Rechte zu gelangen, sobald wir zur religiösen Idee in der Religion Israels zurückkehren und zu dem Rechte, das unmittelbar aUS ihr hervorgegangen und hervorgeht... . All dies zu erkennen, ist an der Zeit. Die Natur, der unendliche Kreis der Schöpfung ist eine unerschöpfliche Lehrquelle, wenn wir den Schöpfer erkennen und verehren lernen wollen, wenn wir Ordnung, Zweckmäßigkeit, Schönheit der Gebilde lernen wollen — aber für die Gesetze der menschlichen Gesellschaft, für die Gesetze der menschlichen Industrie, die Gesetze der Liebe, die Gesetze des Rechts giebt sie Nichts, giebt sie keine Basis, giebt sie nicht einmal Analogiccn, sie kennt sie nicht, sie hat sie nicht, sie hat nichts Aehnliches. Wollen wir aus der Natur vermittelst unserer Vernunft die Gesetze der menschlichen Industrie und Sittlichkeit, d. i. der menschlichen Gesellschaftziehen, so werden wir das gerade Gegentheil , erfahren, so werden wir nur das finden, was die Gesellschaft auflöst und vernichtet-—die rohe Gewalt , eine Oekonomie, eine Zusammensetzung, die das Leben des Einen auf den Tod des Andern gründet, die nur erhält, indem sie vernichtet^ während auf per Pforte der menschlichen Industrie die Inschrift steht: Geben und Empfangen, Leisten und Erhalten; auf der-Pforte der menschlichen Sittlichkeit : . Liebe und Recht. Du hast demnach nur die eine Wahl: entweder Du löschest, diese Inschriften aus, Du meinst und behauptest, der Mensch ist nicht jenen als ewig proklamirten Grundsätzen und Gesetzender Liebe und des Rechts, jenen Grundgesetzen des Gebens und Empfangend, des Leistens und der Gegenleistung unterworfen, sie sind gänzlich falsch und Wahn — oder Du müßt anerkennen, daß die einzig richtige Quelle der Erkenntniß für sie war und ist die von Israel verkündete und getragene positive religiöse Idee. Denn die Natur schweigt : über sie, und die menschliche Vernunft, die ewig abhängig von dem Geist und den Leidenschaften der Zeit! und von der Persönlichkeit, in der sie thätig ist, immerfort schwankt und individualisirt, vermag nichtsie aus'sich selbst zu produziren. Sie begreift, prüft, erkennt sie, leitet von ihnen ab, spezialisirt und wendet sie an auf Zeit, Ort, Verhältnisse, Kasus— aber sie hat sie nicht produzirt und kann sie nicht end-

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