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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-06-21 · Heft 26 (21.6.1852) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 26 (21.6.1852)
Date
1852-06-21
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 religiösein Bedürfniß, die Oberflächlichkeit, die mit dem »gewerblichen Treiben und weltlichem Genuß sich begnügt/ und hinter diesen Nichts, Nichts mehr weiß, fühlt, verlangt — diese haben unter uns überhand' genommen in erschreckendem Maße. Für Zahllose ist die Religion höchstens noch da, weil noch eine gewisse Furcht in ihnen lebt, es könnte doch der Wegfall derselben Strafe und Unheil nach'sich ziehen; aber der Zug des Herzens, LaS Streben des Geistes nach Gott und Göttlichem ist verwischt, geschwunden.,... / , Und darum diese Gleichgiltigkeit gegen KultuS und Gemeinde, welche höchstens ein Aufflackern zuläßt, wenn . eine Synagoge zu bauen, nach deren Einweihung Alles wieder zur Ruhe und — Leere zurückkehrt, höchstens ein Auflodern, wenn man darum miteinander hadern kann.... Diese Gleichgiltigkeit, welche das Veraltetste und unserm Geiste Widersprechendste ruhig stehen läßt, so daß es ihm kaum auffällig ist.... Nun wiederum zum Gegentheil. Wir sprachen oben von einer Strömung der Zeit — bleibt diese bei dem Ausschluß aus dem öffentlichen Dienste stehen? In der That nicht. Sie äußert sich auf allen Gebieten, selbst in der Gesellschaft (im engem Sinne dieses Wortes), selbst in der Wissenschaft, in der man bittrep und exklusiver als je gegen jede jüdische Leistung auftritt; /sie wird noch Vieles heryorbrittgen, waS wir heute noch nicht glauben ... denn die Liebe kann Berge versetzen, aber der Haß sie in den Abgrund schleudern; die Liebe wird müde und matt, aber der Haß schläft nie.... Und doch ist andererseits nicht zu leugnen: der Deist der Anhänglichkeit unter den Söhnen Israels ist unter den Einwirkungen jenes gleichmachenden Geistes, der fich füt uns so wenig nachhaltig erwiesen, sehr mürbe geworden;. gegen uns hat er tüchtig gewirkt, denn er hat zahllosen Juden selbst die Scham, > für jüdisches Interesse, für jüdische Werke und Institute zu wirken, in'S Herz gepflanzt, die Scham Juden zu sein und Juden die Hand zu reichen..... Wie? schildern wir zu schwarz in der Wärme unserer Gefühle, in der Stärke unserer Befürchtungen, all Dies möchte immer weiter und weiter um sich greifen, immer weiter und weiter fressen als Krebsschaden am Judenthume?... In der That, wir wiederholen, jeder Tag bringt unS. solche Mahnungen mehr, und tausend widerliche Erscheinungen thun eS kund, nur daß das alte Bibelwort noch heute wahr ist: sie Haben keine Augen zu sehen, keine,Ohren zu hören, kein Hirz zu empfinden..,. ,... Wohl, unter solchen Drohungen der Zejt, da müssen wir ünS Allen zurufen: stärket die schlaffen Hände! Lasset Euch nicht als müssige Knechte befinden! Meder ist berufen! '; v Vor Allem muß wieder Religion in die Geister kommen — sonst ist Alles vergebens—Religion, Sehnsucht und Verlangen nach Gytt! Sehnsucht und Verlangen nach Glauben und Erkenntniß, nach -Seinem Geiste, nach Verbindung und Bund mit Ihm, und darum nach Gebet und Gottesdienst, nicht als Formel und Wort, sondern nach lebendigem, erfüllendem Gebet und Gottesdienst, Gebot und Werk! Gläubige Anschauung, Verehrung des 'Gotteswortes, Kenntniß des Gotteswortes! Kunde der Geschichte Israels, Erfülltsein von dem Berufe Israels, Drang an diesem Berufe Theil zu nehmen und in ihm zu leben und in ihm zu arbeiten-was ist von allem Dem übrig in Israel? Aber dennoch genug, um die Asche von den Kohlen zu blasen und sie zu neuer Gluth anzufachen!... ' . Dazu müssen Die, welche sich noch stark fühlen, sich die Hände reichen, dazu müssen sie voll Eifers, den Schwa- . chen zu Hilfe kommen, und ihnen: Wort und Schrift immer wieder vor die Augen und in die Herzen bringen, >dazu müssen sie unermüdlich werben. . . .. Wie leicht ist es, sich in die Burg seine r Ueberzeugung zu flüchten, und abzuwarten, was da kommen werde — aber sich hinauszuwagen auf das. offene Feld und zu kämpfen, dazu gehöret Muth.... Die Feigheit flüchtet sich, der Muth steht fest und gehet vor!... Allerdings wir wissen eS, die Religion Israels ist nicht an Zeit und Ort gebunden. Wer zweifelt, daß es für sie nicht einmal auf ganze Generationen ankommtder braucht nur auf ihre Geschichte zurückzublicken, von den Säumen jener ewig denkwürdigen Wüste in der sinaitischen Halbinsel an. bis heute und bis hierher. Aber des Eifers und ,der Werkzeuge bedarf auch sie, bedarf sie am Meisten, wenn jener erkaltet und „dieser wenige geworden sind. Wir bedürfen deS. Mundes , der zu dem Schwachen spreche, der Hand, die ihn festhalte. Darum ist es Zeit, daß Beide bereit seien. . Darum wenden wir uns an Jeden, vor den.diese Zeilen kommen. In Israel ist Jeder berufen; - ein besanderer Träger unsrer Lehrer ist Keiner, sondern Jeder. Schaffet Eingang bei immer Mehreren, was für und in Israel, geschiehet. Was zum Leben, was . zum Erwecken, lebendigen Geistes in Israel gereichet, verbreitet es mit Nachdruck und Kraft bei Allen, zu denen ihr Zugang habet; lasset euch nicht abweisen, sondern gehet noch einmal nnd.wie-

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