Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1852)
- Date
- 1852-06-07
- Page
- Seite 284 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Verfügungen) die Gemeindeverhältniffe des Regierungsbezirks Posen betreffend/ ergangen, welche verordnen: 1) d: ,d. 14. April, -daß die Lossagung vomKorporätionSverbande auch die vom Kultusverbande und dem gefammten Gemeindevermögen bedingt; L l 2) d. ä. 26. April, Haß der Beitritt Neuanziehender zum KultuSverbande den zum Korporationsverbande voraussetzt; 3) d. d. 3. Mai, daß beim Wiederanschluß der ' Auögeschiedenen von dem Ablösungsgelde die in der Zwischenzeit ausgefallenen Beiträge vor der Rückzahlung an Abzug zu bringen find, und daß Vergleiche über feststehende;Beiträge nichtig find; .4) d. d. 10. > Mai, daß neugebildete KultuSgesellschaften dem Vereinsgesetze unterworfen sind; daß die Vorstände derselben mit dem bisherigen Korporationsvorstande-Nichts zu thun haben; daß die Mitglieder derselben zu sä m m t l i ch en Gemeindelasten heranzuziehen sind resp, sich davon abzulösen Haben; endlich, daß . den mit Bewilligung des bisherigen Synagogenvorstandes gebildeten Kultusvorstände keinerlei Disposition, über das Vermögen der bisherigen Gemeinde zusteht. Aus der Provinz Posen, 26. Mai. (Privatmitth.) Wollten wir Ihnen von. den jüdischen Zuständen im Großherzogthume ein treues Bild entwerfen, so hätten wir fast lauter Jeremiaden zu singen, deS Angenehmen und Erfreulichen dagegen nur wenig — ja leider! nur sehr wenig — hören zu lassen. Wollten wir Ihnen das Gemeindeleben im Allgemeinen durch ein sichtbares Zeichen kenntlich machen, so müßten wir das Abbild einer Schnecke — wenn nicht gar das eines Krebses— als Hieroglyphe wählen. Wollten wir in Bezug auf unsere korporativen und Kultusverhältniffe die Jetztzeit mit einer ändern paffend vergleichen, wahrlich! es genügte nicht, 10 oder 12 Jahre hinter unö zu schauen, sondern wir müßten' vielleicht noch über den, Zeitpunkt hinaus rückschreiten,, wo in nothwendiger Folge der ersten königl. „Verordnung über die Verhältnisse der Juden im Großherzogthum Posen" (Reglement vom 1. Juni 1833) das Leben in unseren Gemeinden zum ersten Mal sich zu regen angefangen. — Theurer Leser in der'Provinz Posen! Schau'? Dich selbst um inmitten unserer größeren 'Und klein Gemeinden) beobachte und prüfe, untersuche und vergleiche — aber gehe ehrlich undunparteiisch zu Werke — und wir sind gewiß , Du sagst' dann mit uns: „ D ie. Entwickelung Ist keine Entwickelung,' der Fortschritt ist kein Fortschritt; —-dieser kriecht, jene hinkt — überall schleppende Zustände — lauter schläfrige Gestalten — und „nirgends reges, munteres Leben." Und wozu erst ein langes Räsonnement über Etwas, daS alle diejenigen) die es am Nächsten an geht, aus eigener Anschauung erfahren können? — Darum lassen Sie uns hier abbrechen und zu dem übergehen, was wir Ihnen heute noch aus einzelnen Gemeinden des GroßherzogthumS mitzutheilen haben. - ' In Bromberg ist die Rabbiner- und Predigerstelle noch nicht besetzt; aber vr. Gebhardt aus Gnesen hat wol die meiste Aussicht, dieselbe zu erhalten. Wie überall, so giebt es auch in Br. eine Partei, welche gar keinen Rabbiner und Prediger angestellt wissen will — eine Partei, welche den Fortschritt nicht will — etwa nicht, weil sie ihn nicht liebt, sondern — weil sie etwas Anderes noch wehr liebt und achtel. — Doch die Gegnerschaft dieser Partei ist bei Weitem zahlreicher, und da alle diejenigen, welche dort einen Rabbinen und Prediger haben wollen, nach einem Solchen verlangen, Der als Geistlicher den Anforderungen des JudenthumS wie denen des Zeitgeistes genügend eNtspräche, so würde man der Gemeinde zu einer Akquisition, wie die des Dr. G., natürlich nur Glück wünschen können. Verläßt aber Herr vr. Gebhardt die Gemeinde Gnesen, so ist mit zuversichtlicher Bestimmtheit vorauszusehen, daß hier, waS Kultus anlangt/.Alles wieder in die alten verrosteten polnisch-jüdischen Zustände zurückfällt und Entwickelung und Fortschritt für eine, Gott weiß wie lange Zeit so gut wie unter die Erde gebracht sind. * In Rakel steht die Rabbineranstellungsfrage noch immer ihrer Lösung entgegen; — und wer weiß, wie lange dies noch der Fall fein dürfte? — Man scheint des Kampfes noch gar nicht im Geringsten müde zu sein. — In Fordon soll endlich Ruhe und Friede eingetreten sein. Daß Herr vr. I. H. Caro (früher in Pinne) von der Gemeinde F. als Rabbiner ausgenommen worden, ist den Lesern dieses Blattes bereits bekannt. - ’■ - -