Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 18 (26.4.1852)
- Date
- 1852-04-26
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
- Language
- German
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deren Gebrauche bestimmtder andere Theil den Pflichten der Kinder Israels.' Der Redner schärfte seinen Zuhörern die Wichtigkeit deö Gebetes ein und belehrte sie über die Nothwendigkeit, ihr tägliches Werk in Uebereinstimmung mit ihrer Religion zu bringen,' was er in drei kurze Sätze'zusammenfaßte, Barmherzigkeit zu üben, Recht zu thun und in Demuth vor Gott zu wandeln. Der würdige Mann hielt nach der Predigt das Gebet für den Präsidenten und die Obrigkeit. - Der Gottesdienst wurde alsdann durch ein Halleluja deS Chors beschlossen. Die Synagoge ist, wie wir vernehmen, durch Subskription erbaut worden, und Einige unserer Kaufleute haben zu diesem Zwecke unterzeichnet. Unter den Namen auf der Liste waren die der HH. Wilkinson, Netson &, Comp., Newton , Eaton L Cömp., I. W. Bledget & Comp., Heinrich Codman und vieler anderen Christen. Wir bemerkten unter den Zuhörern Geistliche von verschiedenen Graden. Dr. Frothingham, vi'. Putnam, Dr. Gannet, Se. Ehrwürden Th.. Parker, H. M. Derter, Mr. Skinner, ebenso der Mayor und mehrere Aldermen — Dr. Z. B. Adams, Dr. LummingS, Salomon Wildes und G. W. Lewis Esqs. und viele Andere, wohlbekannt für ihre Ergebenheit gegen alle. christliche und andere Kirchen. Heute, als am Sabbat, wird der Gottesdienst in der Synagoge um zehn Uhr Vormittags stattfinden. Literarische Nachrichten. A«s der Altmark. Wenn die neuere jüdische Literatur auch im Fache der Linguistik und Literaturgeschichte manch schönes Werk zu Tage fördert, freilich « nur von wenigen Glaubensgenossen verstanden, von wenigen gewürdigt und — gekauft, so sind im homiletischen Gebiete offenbar seit den Leistungen SalomonS, Mannheimers, Kleys, PhilippsonS u. A. Rückschritte gemacht worden. Den meisten neueren gedruckten Predigten fehlt es an Allem, waS zu einer guten Predigt gehört, Gediegenheit deS Inhalts, Schönheit der Form) Beredtsamkeit. ES ist dies um fo mehr zu beklagen, da die homiletischen Schriften noch die einzigen findwelche leicht beim Volke Eingang finden, dasselbe ansprechen und worin es Belehrung und Erbauung sucht ’und. finden will, es ist um so mehr zü bewundern , da doch hie'jüngeren Prediger meistens eine gründlichere Vorbildung auf Schule und Universität, vor ihren Vorgängern beanspruchen, deren Musterarbeiten ihnen zudem vorliegen. Einige dieser neueren. Arbeiten liegen uns vor und man wird uns um so eher tiner Beurtheilung mos irs et stuäio für fähig halten, da wir, selbst auS dem Volke, dem geistlichen Stande in unferm Berufe fern stehen: Da liegt zuerst eine Predigt: „Des Predigers Beruf! Predigt, -gehalten auf Einladung des Vorstandes im Tempel der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin (am 17. August 1851) und' zur Begegnung aller Vorurtheile und unbefangenen Prüfung herausgegeben von Müller, -Dri philos.,' Direktor einer höher» - Lehranstalt und Talmudfchule zu Fulda.' Berlin, 1851. 30 S. (!) Wir erstaunten wirklich, diese Predigt vor einer Gemeinde gehalten zu sehen, welche (wir berücksichtigen hier gar nicht' das Dogmatische) doch/ nach einer ästhetischen Form des Gottesdienstesstrebt und hierin dem ganzen Israel als Muster vorangehehen will. Um solch dreißigseitigeS Zeug zu hören, brauchte der Vorstand wirklich nicht erst Doktoren der Philosophie aüS Hessen einzuladen. In dem zwei Seiten langen Eingangsgebet bringt der Verfasser feine Person in den Vordergründ. Wir müssen es wirklich als Vorschmack des Ganzen hier geben. „Du, Herr u. s. w., begnadigst den Staubgebornen mit Etkenntniß, lehrest den Menschensohn Einsicht, u. s. w., daß er erkenne und unterscheide das Gute vom Bösen, was gut und förderlich für seinen Beruf als Erdbürger, was heilsam für ihm (sic!) als Befolgereines heiligen Gesetzes sei. Das erkannte auch ich, seitdem mein Blick heller, mein Urtheil reifer ward, als ich/kaum noch! ein für mein Älter hinreichende Kenntniß von der Erdrinde hatte" u. s. f. Man muß gestehen, bei' Herrn Müller, Dr. philos., ist der Blick 'früh helle und der Verstand reif geworden „als er kaum wußte, daß dieser Erdtheil nur ein unbedeutender Bestandtheil z u (!) dem Weltganzen ist." Ja in diesem EkngangSgebet kommt auch die Anstalt vor, die der Herr Müller vor einem Jahre zu ebenderselben Zeit (höchst wichtig!) unter Dankgebeten und Lobgesängen vor zahlloser Versammlung und erleuchteten Männern eröffnetewelche zum Zweck haben soll, Israels Söhne zu gutenfrommen von Menschenwerth und Tugendadel durchdrungenen Jünglingen heranzubilden." Die Predigt selbst ergeht sich über den Text 5. M. 10, 12.: Und nun „ Israel, waS verlangt der Herr von dir u. f. f. Auf fast sieben Seiten''wird nun der erste 18*