Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1852)
- Date
- 1852-03-22
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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147 That nicht mehr? Ihr leugnet es nicht. Nlüi> wohlan! w o rin er nurirgend mehr ist als die übrigen Geschöpfe, die wir kennendarin haben wir in der Natur nichts A'ehnlichcS, - darin, tagt ec hinaus über die ganze Natur, so weit wir siekennen, darin Ist er erhaben, erhoben, er-- höht<über; die Natur!- daselbst giltanderes Gesetz, andere Weisung für ihn, alö irgendwo in - der Natur; und so er dieses Gesetz bestimmen, diese Weisung ausdeuten will, bietet -die: Natur ihm -Nichts dazu. DieS lasset uns in Mehrerem erkunden. . : V’ ' ^I.; Die menschliche Industri e. 'Kennet Ihr den Wunderbau der menschlichen Industriewelt? Er ist aufgebaut auf das einfachste, natürlichste Prinzip — und doch so wundersam wie Nichts wieder. Er befaßt nur daS rein Materielle deS Menschen, daS Bedürfniß, und doch macht er-auS diesem eine Schöpfung deS. Geistes, wke-'keinezweite! Lasset mich Euchdies durch ein-planrS;-Beispielklar machen. Jj; '' nrixr*jj: Mem! Nachbar. ist - einehrlicher, arbeitsamer, abdr in feinen Mitteln sehr beschränkter Tischler: Er -bringt seinen Tag zu, . feine/Bretter zu hobeln,. zuzuschneiden, Tische, Stühle, Schränke daraus zusammenzusktzen, die er fein polirt und ausschmückt. Er kann in der That von all seinen Produkten keinen Gebrauchmachen, da er sich mit einem schlichten Tisch und Dreibein begnügt. Es fällt ihm nicht ein, sich deS Abends in eine der kostbaren Mahagonhbettstellen zu legen, die er' schon gefertigt hat. Aber, stehe. Müh steht er auf, kleidet sich an; so einfach seine Kleider sind, so hat er doch nicht Eines derselben selbst gemacht, und welch eine Menge von Arbeit, Erfindungen, Transport war nöthig, um sie ihm zu geben. Amerikaner mußten die-PamnMlle Hervorbringen, Indier den Indigo, Deutsche Wolle und Flachs, Brasilianer Lever ,, alles . dies mußte aus und. nach den verschiedensten Orten geschafft werden,, um verarbeitet, gewebt, gegerbt, gefärbt, genäht zu werden, bis es den Körper meines Nachbarn, des armen Tischlers bekleiden konnte. — Jetzt frühstückt er; damit er Vas Brod, das er täglich holen läßt, verzehren könne, mußten Aecker urbar.gemacht werden, vielleicht vor Tausenden, von Jahren, von Menschen, die längst nicht mehr sind, sie mußten bearbeitet, gefurcht, besätdas Getraide geschnitten, -gesammelt, gedroschen , gemahlen, -das . Mehl verbacken werden; wie viel hölzerne und eiserne Werkzeuge.sind dazu benöthigt, wie viele Thiere mußten deshalb gezähmt, gezogen werden; es mußte auch Sicherheit im. Staate durch tausendfache Einrichtungen hergestellt sein-, daß die Ernte nicht geraubt, die Scheune nicht geplündert werde. Mein Nachbar trinkt auch: Kafffe : welche. Hand hat für ihn den - Kafferbaum gepflanzt, Me -Bohnen -gesammelt getrocknet, über's Meer gebracht?; Der Zucker, den er braucht, ihn zu versüßen, welche Masse von Händen und Köpfen mußten in.Bewegung gesetzt werden, um ihm nur dieses Stückchen zu bereiten. Mein Nachbar sendet seine Sohnchen in die Schule; so beschränkt auch der Unterricht ist,- den der Knabe erhält, wie viel Studien mußten vorangehen, wie viel Kenntnisse von. den Menschen gesammelt werden, bis Jenem lesen -und schreiben gelehrt werden konnte. — Mein Nachbar-geht aus, er findet eine gepflasterte und beleuchtete Straße; er unternimmteine Reise: andere Menschen haben ihm den Weg planirt, nivellirt, Berge abgetragen, Niederungen ausgefüllt, die Ufer der Flüsse. verbunden, Schienen gelegt--Wagen und Lokomotiven gebaut, damit mein, armer Tischler kn wenigen Stunde» eine Entfernung durchmeffen kann, über welche er sonst'ebenso viele. Tage angestrengtesten. Fußwanderns. verbringen würde.- — Ja, würdemein Nachbar nur was . er. - an Einem Tage verbraucht, selbst machen müssen, er könnte es kaum in 10 Jahrhunderten zu. Stande bringend *) -Während dessen läßt er zahllose Menschen für sich arbeiten, undbegnügt sich des Tuges über seine Bretter zu hobeln. . . . Und thun dies diese Menschen etwa auS- Freundschaft, , aus Menschenliebe, aus Barmherzigkeit, oder nur aus-Gemeinsinn? Nicht im Geringsten, sie kennen ihn nicht,- sie kümmern sichnicht um ihn, und, wenn er gar nicht eristiren würde, thäten sie dasselbe, natürlich für einen Andern, weil nämlich — Andere dasselbe für sie thun. > DieS sind die Wunder der Industrie; dreS ist der Wunderbau der menschlichen Jndustriewelt,. — wohlan! was wollet Ihr auS der Natur für ein Gleiches an führen? Wir . bewundern die Öekonomie der Natur, in welcher eine Klaffe von Geschöpfen ihren LebenSbestand aus einer andern zieht, wo alle 4lrten von Wesen so ineinandergegliedert sind, daß sie durcheinander gegenseitig bestehen, und wo daö Thier durch seine Exkremente die Pflanze nährt, die es zukünftig miedernähren wird. Aber das-Rind frißt nnr den Klee, den es mit seinem Maule erreicht- -und würde verhungern, wenn dieser wenig Meilen entfernt wüchse; der Löwe verzehrt daS Thier, daS *) Bgl. bis hierher Kastrat., Karman. öeonam. p. 27.