Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 10 (1.3.1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gegen ihre andersdenkenden Mitbrüder, wenigstens in religiöser Beziehung aufzuhetzen: was ihnen, beiläufig gesagt, gar nicht einmal zu verdenken ist; denn wirkliche Religiosi find ste ja durchschnittlich keinesweges: warum sollten sie also nicht ihr Handwerk treiben? Nun bringt unS aber dieses Werk einen svrtlaufenden apologetischen Kommentar zu her h. Schrift, mit Einleitungen und Auseinandersetzungen in Fülle. Und der Verfasser resp. Herausgeber ist ein Rabbiner, der niemals Bachur war, dessen Koscherbriefe wol kaum von einem der Herren BannhMsten anerkannt werden dürften, von einem Rabbiner, der entschieden der modernen Richtung in öffentlichem und häuslichem Gottesdienste, in Observanz und Schulunterricht angehört. Und doch ist Ln dem ganzen Werk kein Blatt zu finden, wo nicht der entschiedenste PosttiviSmus hervorleuchtet, keine Stelle, die nicht mit dem gewissenhaftesten Ernste die aufrichtigste jüdische Offenbarungsgläubigkeit verkündigt. Dann ist das Werk aber auch ein Knotenpunkt, durch, sehr praktikable, jedem Gebildeten zugängliche Wege mit der jüdischen wie mit 0er christlichen Religionslehre, mit der eigenthümlich jüdischen wie mit der allgemein humanistischen, mit der^ orthodoren wie der modernen Anschauungsweise verbunden. Die Klage über die abnehmende Kennmiß der jüdischen Religionsgegenstände , sie betreffen nun die Sprache oder die Gesetzkunde, die biblische oder die spatere Geschichte, die Archäologie oder die Symbolik ist allgemein, und die Zugend der „Frommen" hat, wenigstens hier bei uns, der der „Neumodischen" Nichts vorzuwerfen, wenngleich diese Unwissenheit jenen weit übler steht als diesen. Wenn wir uns aber fragen: woher kommt es, daß Knaben und Mädchen, die alle sonstigen Lehrgegenstände leicht erfassen, gerade auf diesem Territorium nicht fortkommen, so finden wir den Hauptgrund in der Jsolirtheit dieses Territoriums. Der Schüler findet keine Brücke zu demselben aus seinen sonstigen Sprach- und historischen Kenntnissen. Erst die allgemeinere Perbreitung dieses Bibelwerks unter Lehrern und Schülern, vorzüglich unter den Ersteren, wird hierin Wandel schaffen, indem es nicht allein überall diese Brücken baut, sondern auch den jüngeren Genoffen unsers Glaubens Mittel an Händen giebt, sich in dem ganzen Gebiet des'jüdischen Wesens genügend zu orientiren, ohne gerade ihr halbes Leben in den schwierigsten und unerquicklichsten Studien zuzubringen — Studien, die eigentlich doch nur derjenige in seinen Jugendjahren bewältigt, dem sie entweder durch äußere Gewalt oder durch die Ueberzeugung aufgedrungen werden, eS geschehe dem lieben Gott dadurch "ein ganz besonderer Gefallen, für den er sich auch ganz besonders dankbar bezeugen werde. Und daS führt denn auch noch zu folgender Bemerkung. Unser Bibelwerk hält sich mit geringen Ausnahmen genau auf der Linie bis wohin der G ebildete dringen kann und über die hinaus der Fachgelehrte anfängt. Dadurch werden aber auch die blos Gebildeten in den Stand gesetzt (sehen wir ja auch zu Zeiten über den Rand des Mondes weg auf die andere Seite hinüber), die Fachtheologen zu überwachen, und so wird die Gefahr abgewendet, daß' innerhalb der jüdischen Kirche, Keneffet Zisrael, eine ihr bisher unbekannte Gelehrtenaristokratie sich bilde. Das Alles ist bisher auf diesem Podium noch nicht dagewesen, und die beherzten, ausdauernden und bescheidenen Unternehmer haben sich dadurch auf eine, sehr lange bei uns nicht vorgekommene Weise um das allgemeine Beste verdient gemacht. Nun möchten wir dem Werke aber-noch folgende Anhänge oder Supplemente wünschen: s) Eine Art von Konkordanz des biblischen Schöpfungs-und Fluthberichls mit den neuesten Ergebnissen der größtentheils schon zum Gemeingut gewordenen genealogischen Wissenschaft, uud eine Nachlese aus den während der Arbeiten bekannt gewordenen bezüglichen Reiseberichien. b) Ein Real- und ein Nominalregister, Letzteres verbunden mit Notizen über alle zilirtM jüdischen und außerjüdischen Kommentatoren und Schriftsteller und ihrer betreffenden Werke. Sinnbedeutung der. biblischen Namen.*) c) Eine Übersetzung sämmtl.icher Apokryphen. d) Eine vollständige Anthologie unserer biblischen Poesieen in deutsche gebundene Rede nach Art der Mendelssohnschm Psalmen- und der Herderschen Uebersetzungen, wobei es nicht so sehr auf die philologische Genauigkeit ankäme^ als auf eine schöne, den Ton *) Dabei wäre vielleicht Gelegenheit, von den unbegreiflicherweise eingosch.lichenen sprachgesetzwidrigen Schreibweisen mancher Namen, z. B. Danijel, Jjqb (Meks-iüstan), Schomron statt Schomeron u. f. w., zurückzukommen.