Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 16 (1852)
- Issue
- Heft 5 (26.1.1852)
- Date
- 1852-01-26
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Seesen 1× ep/1048106
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50 tragung eines Predigers mit der Kopulation. Diese erklärt, wegen des mangelnden rituellen Scheidebriefs ihre Beamten hierzu nicht abordnen zu können: und fs sucht man denn im Auslande nach einem minder skrupulösen Kopulanten. Finden wird sich schon Einer, denke ich, wenn auch das Motiv, das man im Namen eines sonst wenig bekannten Rabbiners anwenden wollte, nämlich, daß das Staatsgesetz auch für Juden verbindlich sei, hier paßt wie die Faust auf's Auge. Seit der Proklamation unsers Mischehengesetzes haben sich nicht so viele bestehende Ehen legitimiren lassen, als man glaubte. Es sollen nämlich manche derselben überhaupt nicht kopulirt gewesen sein, und sich nun nicht die Blöße geben wollen als neue Ehestandskandidaten zu erscheinen. Neu prvklamirt wurden deren 6 oder 7, natürlich Solche, die auf die Erlaubniß schon seit längerer Zeit gewartet hatten, sonst wäre das Verhältniß ein wenig stark. Von dem Kantor Rosenstein in Seesen ist eine „Sammlung von (Melodiken zu ebräischen) gottesdienstlichen Gesängen nach derOrdnung des Hamburg er Tempelgebetbuches,ab er auch zur Anwendung bei dem ältern Synagogenritus (deutschen MinhagS) bei ^erendsohn hier erschienen und der Preis sehr billig angesetzt. Ohne mit den größeren und kunstreicheren Arbeiten dieser Art rivalistren zu wollen, vereinigt dies Büchlein mehrere dort mehr oder minder vermißte Eigenschaften. Wem ist es nicht schon eingefallen, daß die zum Theil herrlichen, aber auch sehr schweren Melodieen jener größeren Werke, wenn durchgehendS eingeführt, dem für den jüdischen Gottesdienst, ja für das Judenthum selbst, dem Synagogenkultus an Wichtigkeit unendlich überlegenen häuslichen Kultus den Untergang bringen müssen? Wenn die Kinder von Jugend an nichts anderes gehört haben als den kontrapunktischen drei- oder vierstimmigen hinreißenden Chorgesang, was werden sie für Gesichter schneiden, wenn der Vater ihnen den Seder giebt und das Haleb oder das Nischmat vorsingt? Ja was hilft alle Beschreibung, alle idyllische Erinnerung an den patriarchalischen Sabbntsabend, alle Aufforderung ihn ja so viel als möglich beizubehalten, wenn der Hausvater keinen Kiddusch vortragen (von Semirot gar nicht zu reden), ja nicht einmal mit gehöriger Breite vor benschen kann, ohne den Kindern ganz oder beinahe zum Gelächter zu werden? Wenn sich das lemiscdma Ösen daaba Naf&ehenu in lemischma Ösen kaza Na‘f~ schenu verwandelt? Und nun die vielen sonstigen Gelegenheiten, oder gar der häusliche TraüerDttesdienst! Alle diese Einrichtungen, um die wir mit Recht von anderen Kirchen beneidet werden, weil sie gar nicht im Stande Aehnliches herzustellen ohne gleich in sinnverwirrenden Mystizismus zu gerathen, sind in der größten Gefahr, wenn der gelehrte Gesang erst in allen Synagogen vorherrscht. Diese Uebel vermeidet jedoch die Rosensteinsch e Arbeit. Alle Melodieen sind da einfach und leicht ausführbar: es ist keine einzige darunter, die sich nicht innerhalb des Umfangs einer einzigen Oktave bewegt; und wenn gleich bei den Cbören auf einen Kantor gerechnet ist, der die Harmonielehre einigermaßen versteht/ da durchgängig nur die Hauptmelodie gegeben ist, und wenn auch die Soli erst bei einem schönen und gebildeten Vortrag zur wirklichen Geltung gelangen können, so wird doch jeder irgend gesangsfähige Mann diese einfachen Melodieen vortragen, jede Hausgenoffenschaft ihm wo nöthig respondiren können, vielleicht noch leichter als bei den älteren, häufig unschönen, häufiger noch verhunzten Weisem Bei der mehr und mehr schwindenden lebendigen Kenntniß des Ebräischen wird es immer weniger gute Baale Tefilla geben; für Jeden dem an der Erhaltung unftrS Gottesdienstes liegt, ist'eS daher wichtig zu den alten, schweren Eigenschaften eines guten Chusans, nämlich hip Kraft der Stimme, Rezitation, Schmelz, rvr-myn^ Vortrag des Gesanges, Koloratur und rrtenn jüi'-pd Eingehen in den Sinn, noch neue Erfordernisse hinzuzufügen. Die klugen Verfasser unserer Liturgieen haben bei der Zersplitterung der Nation dafür gesorgt, daß überall, wo sich 10 Juden zufammensinden, sei eS in einer Sandwüste Afrika's oder auf einem Schiffe im stillen Meere, sei es insgeheim in den ihnen verbotenen Städten Mekka, Kiew, Rostock rc., oder in London und Wien, ohne Weiteres, ohne Priester und ohne Utensilien, selbst ohne Tora, einen vollgittigen Gottesdienst ausführen können,, mit derselben Heiligkeit — die heilige Gesinnung vorausgesetzt ■— als geschehe es im Tempel zu Jerusalem. Hüten wir Alle, die wir auf positiv jüdischem Boden stehen, uns, diese Einrichtungen zu stören. - Was übrigens in dem Büchlein als Melodieen