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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1852-01-19 · Heft 4 (19.1.1852) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
16 (1852)
Issue
Heft 4 (19.1.1852)
Date
1852-01-19
Page
Seite 47 (sequence 11)
Language
German
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47 etwa- Gewöhnliches aber sehr Wahres: Sehet allen Sorgen zuerst scharf in's Gesicht und dann gehet ihnen zu Leibe; will eS Gott, so ist das die beste Manier sie los zu werden.— Ich freue mich, liebe Kinder, sehr auf mein baldiges Ende, das gewiß sanft sein wird, wie die Menschen zu sagen pflegen und immer in den Zeitungen steht, denn alles Ende muß sanft sein, wenn auch der Kampf noch so hart war. Ich freue mich, wie gesagt, sehr, aus vielen großen. Gründen, wie sie uns der Glaube an die Hand giebt und einflößt, aber auch aus einigen kleinen. Erstens freue ich mich, daß ich — und das ist gewiß — dort mein Asthma los werde, wie der alte Doktor meine Krankheit nennt und. das Wasser von dem Herzen. Mein Gebet wird also sicherlich erhört werden,' was ich seit geraumer Zeit alle Morgen aus dem Psaltervers, aufsteigen ließ: Ein reines Herz, erschaffe mir, o Gott, und einen anhaltenden Athem erneuere in mir! Dann freue ich mich auf Eure Mutter, die mir dort entgegenkommen wird, und komme ich zwar ohne ihre zehn Gulden Aussteuer, so. werden wir doch auch Nichts brauchen, denn ich hoffe, da ich des Flickens doch hier müde bin, dort auf einen bessern Fuß zu kommen und werde obenein, ohne Scheidebrief und ohne daß ich sie zu betrauern habe, mein zänkisches Weib los — Ihr kennet das Bibelwort: eine böse, Frau ist bitterer als der Tod — und komme wieder zu der bessern, die nur Thränen hatte für und um mich und deren Kopfkissen feucht war vom stillen Weinen, wenn sie mich in Mitternacht arbeiten sah und meinen stöhnenden Hauch hörte, so oft der Pfriemen mit dem Drath durch die harte Sohle angezogen wurde. Ich verwies ihr das zwar immer, oft sehr hart, aber ich dachte: auch der König David hat es gesungen-: Mit meiner Thräne benetze ich mein Lager, warum soll es nicht einem Schusterweib begegnen? Endlich freue ich mich auf den alten Fürsten. Wenn er mich ansichtig wird im Himmelssaal wird er gewiß ausrufen: Da ist ja mein Judenschuster aus Sammetloch. Ich aber werde dort ganz unverzagt mit ihm sprechen und ihn fragen, ob er schon sein Regiment gesammelt und einererzirt hat, um den Marsch nach Jerusalem blasen zu lassen. Noch Vieles behalte ich mir vor, was ich ihn fragen werde. — So lebt wohl und* glücklich! Einen Leichenstein mit großen Buchstaben und vielen Worten, die die Tugenden des Entschlafenen preisen und nicht allein ihn, sondern auch jene über die Sterne heben, setzet mir nicht, entweder gar keinen, oder einen sehr kleinen, mit der einfachen Aufschrift : Hier liegt Levi Jossel der Sandalar. Aber wenn Ihr ,oder Eure Kinder oder Enkels einmal zu Gelbe kommet, so lasset einen neuen seidnen Vorhang vor die heilige Lade zu Sammetloch machen, denn der alte ist schon sehr verschlissen, und wenn gar Einer meiner Nachkommen reich wird, so soll er mit einer Schnur die KirchhofSmauer in der Residenzstadt um» messen, wo i<fy in kalter Wutternacht vor dem Fürsten gestanden und um einen Sitz sin der großen Menschenwelt und — in dem kleinen Reichsfürstenthum Gott und den Fürsten gestehet, und so viel Ellen die alte -Mauer mißt, so diel Leinwand soll er ein Mal, oder öfter, oder gar jährlich in das Hekdisch zur Bekleidung der armen Kranken geben. Das aber vergesset nicht und bestreitet es aus meinem Nachlaß, den Armen bei meinem Begräbt niß 168 preußische Groschen zu vertheilen, denn so viel beträgt der Zahlenwerth der Buchstaben meines hebräischen Namens: Jehuda ben Josfi, — Also ist mein Vermächtuiß und mein letzter Wille."-, Nach wenigen Monaten entschlief er wirklich sanft; denn in einer Ohnmacht entrückte ihn der Weltenherr der Erde und ihren Mühen. — 1 .(Fortsetzung folgt.) . > r Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l'A Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. ' CjT Ein geprüfter Religionslehrer und Kantor, der die nöthigen musikalischen Kenntnisse besitzt, mit Leitung eines Chors den Gottesdienst abzuhalten, findet' in.hiesiger Gemeinde vom 1. Juli 1852, ein Unterkommen, gegen ein Gehalt von 225—250 Thlr. Bewerber haben zuvörderst ihre Zeugnisse einzuschicken, um alsdann persönlich — ohne Kostenvergütigung — sich zur Probeabhaltüng vorzustellen. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Leobschütz in Oberschlesien. Ein unverheiratheter Lehrer, welcher die Fähigkeit' besitzt, Kinder in den hebräischen Eleinentargegenständen zu unterrichten, findet bet der hiesigen jüdischen Schule entweder sofort oder zum nächstkommenden eine mit sehr angenehmen Bedingungen verbundene Stelle. Darauf Reflektirende wollen ihre Meldungen baldigst portofrei an mich einsenden. Anclam, den- 5. Januar 1852. -' ' I. Tonn, Kantor und Lehrer.

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